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Mordfall Politkowskaja: ROG fordert weitere Informationen und raschen Prozessbeginn

Berlin (ots)

Vor dem Hintergrund der gestern bekannt gewordenen
Verhaftungen im Mordfall Anna Politkowskaja fordert Reporter ohne 
Grenzen (ROG) weitere Informationen zu den Festgenommenen sowie einen
raschen Prozessbeginn. "Bislang weiß man zu wenig über Identität und 
Motive der Verdächtigen", so die Organisation zur Verteidigung der 
Pressefreiheit. "Doch wir hoffen sehr, dass mit der Meldung nach 
Monaten des Schweigens nicht nur beschwichtigt werden soll. Ein 
schneller Prozessbeginn und mehr Transparenz würden für mehr 
Glaubwürdigkeit sorgen."
Die Verhaftungen sind aus Sicht von ROG ein erstes Zeichen für 
einen Fortschritt in den seit fast einem Jahr andauernden 
Ermittlungen. "Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass mit solchen
Ankündigungen all jene beruhigt werden sollen, die sich für eine 
Aufklärung der Verbrechen einsetzen. Für zahlreiche Morde an 
Journalisten in Russland sind die Täter nie zur Rechenschaft gezogen 
worden."
Reporter ohne Grenzen zweifelt außerdem an der These, dass 
ausschließlich unbekannte Personen außerhalb Russlands die 
Drahtzieher im Fall Politkowskaja sein sollen. "Im Gegensatz zu den 
Aussagen des Generalstaatsanwalts gibt es auch in dem Land Leute, die
daran interessiert waren, Politkowskaja für immer zum Schweigen zu 
bringen. Die Ermittler sollten dies nicht vernachlässigen."
Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika gab gestern 
bekannt, dass zehn Verdächtige im Fall Politkowskaja verhaftet 
wurden. Laut Tschaika gehören sie zu einer Gruppe Moskauer 
Krimineller mit tschetschenischem Hintergrund, die von im Ausland 
lebenden Staatsfeinden angeheuert worden sein sollen. Unter den 
Festgenommenen sollen auch Mitarbeiter des Innenministeriums sowie 
des Inlandsgeheimdienstes FSB sein. Sie sollen Informationen über die
Journalistin weitergereicht haben.
Anna Politkowskaja, die über Menschenrechtsverletzungen in 
Tschetschenien berichtet hatte, war am 7. Oktober vor ihrer Wohnung 
in Moskau erschossen worden. Kurz vor ihrem Tod sagte sie gegenüber 
der BBC, dass Präsident Putin Terrorakte bewusst provoziert habe, 
etwa das Geiseldrama in einem Moskauer Theater 2002.
Reporter ohne Grenzen hat mit Mahnwachen und Aktionen der 
ermordeten Journalistin gedacht und weltweit Tausende Unterschriften 
für eine unabhängige Untersuchung gesammelt.

Pressekontakt:

Reporter ohne Grenzen
Katrin Evers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
Fon +49/30/615 85 85
Fax +49/30/614 56 49

Original-Content von: Reporter ohne Grenzen e.V., übermittelt durch news aktuell

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