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Versicherer: Noch keine einheitlichen Tarife für Frauen und Männer in Vorbereitung

München (ots) -

- Umfrage von FinanceScout24 zeigt: Assekuranz hofft auf Einlenken
  des Europäischen Gerichtshofes beim bevorstehenden Unisex-Urteil 
- Bundesverband der Verbraucherzentralen begrüßt dagegen die mögliche
  Ausweitung von Einheitstarifen 
- Negativer Richterspruch könnte langfristig zu höheren Prämien für  
  alle Versicherten führen 

Das neue Jahr könnte für Deutschlands Versicherer eine Neuerung bringen, die sie am liebsten vermeiden würden: Derzeit prüft nämlich der Europäische Gerichtshof (EuGH), ob die Assekuranz die Prämien von Frauen und Männern angleichen muss, um dem Antidiskriminierungsgebot gerecht zu werden. Einer Umfrage des unabhängigen Verbraucher- und Finanzportals FinanceScout24 zufolge wollen sich die Versicherer noch nicht geschlagen geben. Kaum eine Gesellschaft entwickelt bereits so genannte Unisex-Tarife. Stattdessen überwiegt die Hoffnung, dass der Gerichtshof doch noch die Argumente der Versicherer berücksichtigt und geschlechtsspezifische Tarife weiter für zulässig erklärt.

Versicherer wie HUK Coburg, DEVK oder AdmiralDirekt betonen gegenüber FinanceScout24 unisono, dass nicht das Geschlecht, sondern das vom Kunden ausgehende Risiko ausschlaggebend für die Berechnung der Tarife sei und diese Vorgehensweise sehr wohl ihre Berechtigung habe. Männer bezahlen deshalb höhere Beiträge in der Autoversicherung, weil sie häufiger als Frauen schwere Unfälle verursachen. Dafür sind zum Beispiel private Rentenversicherungen für Frauen teurer, weil sie im Schnitt fünf Jahre länger leben als Männer. Für FinanceScout24-Geschäftsführer Dr. Errit Schlossberger ist diese Kalkulation nachvollziehbar: "Wer mehr kostet, muss mehr bezahlen. Die Versicherer berechnen die Prämien auf Basis von Statistiken - und die sind so objektiv wie eindeutig."

So sieht das auch ein Sprecher der HUK Coburg: Die Differenzierung der Tarife nach dem Geschlecht verstoße keineswegs gegen das Gleichbehandlungsgebot, sondern entspreche diesem sogar explizit: Demnach müssten gleiche Risiken gleich und ungleiche Risiken ungleich behandelt werden. Unisextarife zwängen die Gesellschaften dazu, ungleiche Risiken gleich zu behandeln. Schlossberger fürchtet gar, dass Einheitstarife zu einem generellen Prämienanstieg führen könnten: In der privaten Rentenversicherung würden die Prämien für Männer steigen, damit Frauen nicht länger vermeintlich diskriminiert werden. Als Konsequenz käme es zu Kündigungen von Männern, die diese Anpassung nicht mittragen wollen. Weil die Zahl der Versicherten sänke und es bei den Assekuranzen zu Beitragsabflüssen käme, würden diese die Tarife generell erhöhen - auch diejenigen der Frauen. "Am Ende würde niemand mehr vermeintlich diskriminiert. Aber alle müssten höhere Beiträge zahlen", kritisiert der FinanceScout24-Chef.

Dass es soweit kommt, ist nicht unwahrscheinlich, denn die Generalanwältin am EuGH in Luxemburg hält Preisunterschiede bei Versicherungsprämien für diskriminierend. In den meisten Fällen folgen die Richter dem Schlussantrag ihrer Generalanwälte. Geklagt hatten ein belgischer Verbraucherschutzverband und zwei Privatpersonen. Gewinnen diese den Prozess, müssen die Versicherer nach einer Übergangsfrist von drei Jahren Unisextarife für alle Policen anbieten. Auch Altverträge müssten angepasst werden.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hier zu Lande unterstützt die Klage. Bei den Riester-Verträgen habe die Anpassung schließlich auch geklappt. Dort gibt es bereits seit dem Jahr 2006 Einheitstarife; Männer bezahlen seither höhere Beiträge. Einheitstarife sind ferner bereits bei Rechtsschutzpolicen und einigen Sachversicherungen Standard. Bei der DEVK gibt es auch private Krankenzusatzversicherungen, die auf separate Tarife für Frauen und Männer verzichten.

Der Gesamtverband der Versicherer in Deutschland fürchtet für den Fall, dass Unisextarife zur Pflicht werden, dass allein auf die Lebensversicherer Kosten von 30 Milliarden Euro zukommen könnten. Schlossberger hierzu: "Bei den teureren Tarifen mag das nicht so sehr ins Gewicht fallen. Es wäre aber naiv zu glauben, dass diese Mehrkosten bei den günstigsten Tarifen nicht an die Kunden weitergereicht werden."

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