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Strategischer Handlungsdruck für Apotheken und Pharmaindustrie durch Gesundheitsreform

    München (ots) -

    Nur 16% der Apothekenkunden profitieren von Rabatten und     Aktionspreisen / Substitution bei 30% der     verschreibungspflichtigen und 50% der frei verkäuflichen     Medikamente / Strukturelle Herausforderungen an die     Pharmaindustrie

    Mit dem seit 2004 gültigen "Gesundheitsmodernisierungsgesetz" (GMG) und dem soeben in Kraft getretenen "Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung" (AVWG) stehen die Pharmaindustrie und mit ihr die Apotheken als dominierende Vertriebsform für Medikamente vor tief greifenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Die internationale Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton analysierte die Reaktionen auf diese Rahmenbedingungen durch eine Kundenbefragung bei Apotheken.

    Die Ergebnisse sind gerade vor dem Hintergrund des AVWGs von großem Interesse. Das Gesetz will beispielsweise durch das Verbot von Naturalrabatten pro Jahr bis zu 500 Millionen Euro sparen. Allerdings wird diese Einsparung wohl eher die Marge der Apotheker, als den Geldbeutel der Verbraucher belasten. Denn auf die Frage, ob Rabatte an Endverbraucher weiter gegeben werden, antworten 45% der Kunden, dass sie zwar schon einmal Zugaben wie Bonbons, Kosmetikproben oder Kalender erhalten haben. Aber nur 16% profitierten von echten Preisnachlässen oder von Prämien durch Kundenbindungsprogramme. "Naturalrabatte dienten bisher vor allem zur Ergebnisverbesserung der Apotheker. Diese werden dadurch speziell animiert, verstärkt Generikapräparate einzusetzen. An die Patienten wurden solche Rabatte nur selten weitergegeben", so Pharmaexperte Rolf Fricker, der die Untersuchung bei Booz Allen Hamilton leitete.

    Substitution bei nahezu jedem dritten verschreibungspflichtigen     Medikament

    Die Untersuchung zeigt: Der Apotheker beeinflusst das Konsumverhalten seiner Kunden maßgeblich. Bei der Hälfte der Befragten empfiehlt der Apotheker ein anderes als das ursprünglich gewünschte freiverkäufliche Medikament - meist erfolgreich. Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln werden immerhin 30% der Arzneimittel auf Rat des Apothekers hin ausgetauscht, davon jedoch nur jedes dritte, weil es günstiger ist und den gleichen Wirkstoff enthält.

    Beratung und Service bereits auf gutem Niveau

    Patienten nehmen die Fachkenntnis des Apothekers bei der Medikation offensichtlich als zweite Expertenmeinung neben der des Arztes in Anspruch. Nur 14% der Kunden wünschen sich noch einen medizinisch konkreteren und höheren Informationsgehalt. "Die Beratungsqualität in der Apotheke hat sich offensichtlich seit der gesetzlichen Neuregelung 2004 zumindest teilweise verbessert", so Fricker. Von den Befragten attestierten rund ein Drittel (33,7%) eine Verbesserung, 52% ein gleich bleibendes Niveau. Daneben stehen kürzere Wartezeiten und Lieferungen frei Haus für 7% der Kunden ganz oben auf der Wunschliste. Solche Dienstleistungen bieten neue Konkurrenten, die Internet-Apotheken, ihren Kunden längst. Dennoch kauften bislang nur 4% der Befragten ihre Medikamente online.

    Strukturelle Herausforderungen für die Pharmaindustrie

    Die weitere Entwicklung für Apotheken, deren Kunden und die Pharmaindustrie hängt nun vor allem von der Reaktion auf das AVWG ab. Durch das Gesetz steht für die pharmazeutische Industrie eine neue Kostendämpfungswelle an, mit der die Krankenkassen noch in 2006 um eine Milliarde Euro entlastet werden sollen. Dafür setzt das Gesetz den Pharmaunternehmen deutlich engere Grenzen für die Preisgestaltung ihrer Präparate - zusätzlich zu Zwangsrabatten auf Generika. "Die Pharmaindustrie, insbesondere die Generikaanbieter, tragen sicher die Hauptlast der neuen Regelungen. Durch die richtigen strategischen Hebel, wie eine differenzierte Preisgestaltung und realisierte Effizienzgewinne in Marketing und Vertrieb, können aber die negativen Effekte des neuen gesetzlichen Rahmens teilweise abgefangen werden", so Fricker. Angestoßen nicht zuletzt durch kontinuierliche politische Eingriffe, zeigt die aktuelle Entwicklung auf, dass sich die Pharmaindustrie sukzessive in Richtung Reifephase bewegt. Dies erfordert eine stärkere Kosteneffizienz und höhere Produktivität auf allen Wertschöpfungsstufen. Das gleiche gilt auch für einen der wichtigsten Distributionspartner der Pharmaindustrie - für die öffentliche Apotheke.

    Über Booz Allen Hamilton     Mit rund 17.700 Mitarbeitern und Büros auf sechs Kontinenten zählt Booz Allen Hamilton zu den weltweit führenden Strategie- und Technologieberatungen. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner rund 250 aktiven Partner. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz weltweit auf 3,6 Mrd. US$, im deutschsprachigen Raum auf 205 Mio. Euro.

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