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Sozialverband Deutschland (SoVD)

SoVD fordert Kommunen zu Augenmaß bei Umzugsaufforderungen auf

Berlin (ots)

SoVD-Präsident Adolf Bauer fordert Nachbesserungen
bei Hartz IV: Der Sozialverband Deutschland zieht eine erste Bilanz
der Einführung des Arbeitslosengeldes II. Wir stellen fest: Hartz IV
führt zu erheblichen sozialen Härten. Besonders hart trifft es
diejenigen, die auf dem Arbeitsmarkt derzeit kaum eine Chance haben –
die Älteren, Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und
behinderte Menschen. Sie werden durch das Arbeitslosengeld II unter
das Existenzminimum gedrückt.
Bei der Umsetzung von Hartz IV treten eine Reihe von Problemen
auf. Den dringlichsten Nachbesserungsbedarf sehen wir in den
folgenden acht Punkten:
1. Vor allem in Optionskommunen werden Empfänger von
Arbeitslosengeld II ohne Einzelfallprüfung zum Umzug aufgefordert.
Solche Formschreiben sind rechtswidrig. Wir fordern die Kommunen auf,
diese rechtswidrige Praxis einzustellen. Die Kommunen sind
verpflichtet, eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. Hierbei muss das
soziale Augenmaß gewahrt werden. Geringfügige Überschreitungen der
Angemessenheitsgrenze rechtfertigen eine Umzugsaufforderung nicht.
Umzüge müssen die Ausnahme bleiben.
2. Trotz Härtefallregelung bei der Krankenversicherung bleiben
noch Regelungslücken: Vielen früheren Sozialhilfeempfängern bleibt
der Weg zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen
Krankenkasse trotz Härtefallzuschuss versperrt, weil sie die
notwendigen Vorversicherungszeiten nicht erfüllen. Für diese Menschen
muss dringend eine Lösung gefunden werden. Bislang fehlt auch noch
die gesetzliche Absicherung des Härtefallzuschusses. Wir fordern
Wirtschaftsminister Clement auf, dies umgehend auf den Weg zu
bringen.
3. Für erwerbsfähige behinderte Menschen entstehen durch Hartz IV
Rechtsunsicherheiten, die beseitigt werden müssen. Einige
Optionskommunen sind fälschlicherweise der Ansicht, dass sie nicht
für die berufliche Wiedereingliederung behinderter Menschen zuständig
sind. Hier muss Abhilfe geschaffen werden.
4. Die Regelsätze für das Arbeitslosengeld II sind zu niedrig
bemessen. Sie sichern nicht das Existenzminimum. Wir fordern daher
eine unverzügliche Neubemessung der Regelsätze. Unterschiedliche
Regelsätze in Ost- und Westdeutschland sind nicht mehr zu
rechtfertigen. Wir fordern gleiche Regelsätze für Ost und West.
5. Die niedrigen Zuverdienstgrenzen für Arbeitslosengeld
II-Bezieher sind kontraproduktiv. Anstatt einen Anreiz zur
Arbeitsaufnahme zu bieten, wird das Gegenteil erreicht. Wir fordern
einen Grundfreibetrag von mindestens 240 Euro. Damit können auch
Fehlanreize gegenüber Ein-Euro-Jobs vermieden werden.
6. Der Kinderzuschlag, der Familien mit geringem Einkommen vor der
Bedürftigkeit schützen soll, führt in vielen Fällen zu einer massiven
Ungleichbehandlung von Familien. Der Kinderzuschlag blockiert den
Bezug von Arbeitslosengeld II, mit dem sich viele der Betroffenen
besser stellen würden. Wir fordern, den Kinderzuschlag so zu
gestalten, dass die jeweils günstigere Regelung greift.
7. Das Schonvermögen für die Altersvorsorge ist zu gering. Wir
fordern daher, den Grundfreibetrag wieder zu erhöhen.
8. Bereits abgeschlossene Vereinbarungen der Arbeitsagenturen mit
Arbeitslosen über 58 Jahren, die den Bezug von Arbeitslosenhilfe bis
zum Renteneintritt vorsahen, müssen eingehalten werden. Entgegen der
Vereinbarung erhalten sie jetzt das niedrigere Arbeitslosengeld II.
Das ist Vertragsbruch. Drei Musterklagen von SoVD-Mitgliedern sind
bereits anhängig.
Wir fordern die Bundesregierung auf, die Auswirkungen der
Einführung von Hartz IV sorgfältig zu prüfen, Fehlentwicklungen zu
korrigieren und unsere Vorschläge für Nachbesserungen aufzugreifen.
Das ausführliche Pressestatement von SoVD-Präsident Bauer können Sie
auf der Internetseite www.sovd.de abrufen.
V.i.S.d.P.: Dorothee Winden

Kontakt:

Dorothee Winden
SoVD-Bundesverband
Pressestelle
Stralauer Str. 63
10179 Berlin
Tel.: 030/72 62 22 129/ Sekretariat -123
Fax: 030/72 62 22 328
E-Mail: pressestelle@sovd.de

Original-Content von: Sozialverband Deutschland (SoVD), übermittelt durch news aktuell

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