Deutsche AIDS-Stiftung

HIV-Neuinfektionen in Deutschland um 30 Prozent gestiegen - Deutsche AIDS-Stiftung fordert größere Präventionsanstrengungen

    Bonn (ots) - Einen besorgniserregenden Anstieg der Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland belegen die neuen epidemiologischen Eckdaten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu HIV/AIDS in Deutschland, die heute von der Deutschen AIDS-Stiftung vorgestellt und von Dr. Osamah Hamouda vom RKI erläutert werden. Die Stiftung sieht sich durch die vom RKI veröffentlichten Zahlen in ihren bereits seit Jahren geäußerten Befürchtungen steigender Infektionszahlen bestätigt. "Indizien dieser Entwicklung waren für uns die seit einigen Jahren zunehmenden Neu-Infektionen bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, die Hinweise von Ärzten und Präventionsfachleuten sowie die HIV/AIDS-bezogenen Daten der Privaten Krankenversicherung", erläuterte Dr. Christoph Uleer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen AIDS-Stiftung.

    Nach Angaben des RKI ist die geschätzte Zahl der Neuinfektionen in Deutschland von ca. 2.000 in den vergangenen Jahren auf ca. 2.600 im Jahr 2005 angestiegen. Das bedeutet eine Zunahme um 30 Prozent. Die Gesamtzahl, der Menschen, die mit HIV/AIDS leben, hat sich im Vergleich zu früheren Angaben des RKI auf 49.000 erhöht. Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass das RKI aufgrund veränderter Erhebungsmethoden frühere Angaben zur epidemiologischen Situation in Deutschland deutlich nach oben korrigiert hat.

    Steigende HIV-Infektionszahlen sind vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, festzustellen. Eine Zunahme der Neuinfektionen macht sich auch in anderen westeuropäischen Ländern bemerkbar, zum Teil jedoch auf wesentlich höherem Niveau wie beispielsweise in Großbritannien, das von 2000 bis 2004 eine Verdoppelung der HIV-Neudiagnosen (von 3.499 auf 7.258) zu verzeichnen hat. Hier ist die Zunahme laut UNAIDS-Statusbericht 2005 in erster  Linie auf ein starkes Ansteigen der Zahl der HIV-Infektionen über heterosexuelle Übertragungswege zurückzuführen, wobei ca. 80 Prozent dieser Infektionen in Ländern mit hoher Prävalenz, vor allem im südlichen Afrika, erfolgten.

    In Deutschland werden ca. 20 Prozent aller Neuinfektionen bei Menschen festgestellt, die aus besonders von HIV/AIDS betroffenen Regionen der Welt hierher gekommen sind. Diese globale Dimension der HIV/AIDS-Epidemie macht sich auch in der zunehmenden Zahl von Hilfsanträgen von betroffenen Migranten an die Stiftung bemerkbar. Allein in diesem Jahr haben in Deutschland lebende HIV-infizierte und aidskranke Menschen aus 87 Herkunftsländern Unterstützung bei  der Stiftung erbeten. Für einen großen Teil der Migranten ist der Zugang zu den Leistungen des deutschen Gesundheitssystems erschwert. Zu den Gründen zählen kulturelle und sprachliche Barrieren.

    Die heute veröffentlichten Daten bestärken die Deutsche AIDS-Stiftung in ihren wiederholten Forderungen nach mehr Prävention. Die Tatsache, dass die Steigerungen im Vergleich zu den meisten anderen Ländern auf relativ niedrigem Niveau erfolgten, zeige, dass Prävention in Deutschland insgesamt erfolgreich sei. "Dennoch müssen die Präventionsanstrengungen dringend verstärkt werden, zum einen, was die Aufklärung der breiten Öffentlichkeit betrifft, zum anderen, was die zielgruppenspezifischen Präventionsmaßnahmen angeht, die sich vor allem an homo- und bisexuelle Männer sowie an Migrantinnen und Migranten richten sollten", sagte Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung.  "Als völlig unzureichend" bezeichnete er die Reaktion deutscher AIDS-Politik auf die problematische Situation von betroffenen Migranten. Diese würden nicht ausreichend von Präventions- und Beratungsangeboten erreicht und seien weit schlechter über HIV und AIDS informiert als Deutsche. Die Deutsche AIDS-Stiftung unterstützt Migranten im Bereich der Einzelhilfe und fördert etliche Projekte, die sich an diese besonders verletzliche Gruppe richten. Auch im Ausland, etwa in Tansania und Kaliningrad, unterstützt die Stiftung Präventionsprojekte.

    Die Stiftung hält angesichts der epidemiologischen Entwicklung einen niedrig-schwelligen Zugang zu kostenlosen HIV-Tests und Beratung für dringend notwendig. Das Angebot kostenloser Tests und Beratungsleistungen durch die Gesundheitsämter in dreizehn Bundesländern ist zu begrüßen. Die Stiftung fordert Hessen, Schleswig-Holstein und Berlin auf, die im letzten Jahr eingeführten Gebühren für den HIV-Test  wieder zurück zu nehmen.

    Spendenkonto 400 - BFS Bank Köln - Bankleitzahl 370 205 00

    Der vollständige Jahresbericht zu HIV und AIDS von UNAIDS steht in der deutschen Fassung auf der Startseite der Deutschen AIDS-Stiftung unter der folgenden Adresse zum Download zur Verfügung: www.aids-stiftung.de.

Informationen zur Deutschen AIDS-Stiftung: Deutsche AIDS-Stiftung SdbR - Markt 26 - 53111 Bonn

Dr. Volker Mertens Leiter Öffentlichkeitsarbeit Telefon 0228-6046931 Fax 0228-6046999 Email: Volker-Mertens@AIDS-Stiftung.de

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