KfW

15 Jahre Deutsche Einheit: Wirtschaftliche Teilerfolge werden von hoher Arbeitslosigkeit überschattet; Bewältigung des demographischen Wandels ist die zentrale Herausforderung der Zukunft

    Frankfurt (ots) - 15 Jahre nach der Wiedervereinigung hat die KfW Bankengruppe über die wirtschaftliche Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern Bilanz gezogen: "Es gibt wirtschaftliche Teilerfolge in Ostdeutschland, die angesichts der verheerenden Ausgangslage von 1990 sehr hoch zu bewerten sind. Allerdings werden diese Erfolge von dem gravierenden Problem der hohen Arbeitslosigkeit überschattet", sagte Dr. Nobert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe anlässlich der Vorstellung des Sonderbands "15 Jahre Deutsche Einheit - wie geht es im Osten weiter?" in der KfW-Zentrale in Frankfurt a/M. In der Studie wurden die wirtschaftliche Entwicklung und die kommenden Herausforderungen für Ostdeutschland analysiert - unter besondere Betrachtung der Themen "Mittelstand und Innovationspotential" und "Demographische Entwicklung".

    "In Ostdeutschland hat sich mittlerweile ein stabiler Mittelstand entwickelt, der über 500.000 Unternehmen zählt. Das ist als klarer Erfolg zu bewerten", sagte Irsch. Defizite gibt es jedoch noch im Innovationssystem. "Zwar unternehmen die ostdeutschen Mittelständler ähnlich hohe Innovationsanstrengungen wie die westdeutschen, die Erfolge auf der Outputseite lassen jedoch noch zu wünschen übrig", sagte Irsch. Das Verarbeitende Gewerbe - einer der Hauptleistungsträger im Bereich Innovationen - ist noch zu stark auf standardisierte, wenig technologieintensive Produkte ausgerichtet.

    Ein weiteres Problem der ostdeutschen Regionen stellt der demographische Wandel dar, der sich dort schneller und früher vollzieht als im Westen und der durch die Abwanderung junger und gut ausgebildeter Menschen verschärft wird. Die Prognose: Im Zeitraum 2002 bis 2050 werden die neuen Bundesländer 25 % ihrer Einwohner verlieren. Noch bedeutsamer dürfte der Rückgang des Erwerbspersonenpotentials um voraussichtlich 55 % sein, da er zu einem Wachstumsrisiko wird. "Für viele Betriebe wird der Mangel an gut qualifizierten Menschen zur Existenzfrage, für ausländische Investoren zu einem Standortnachteil", sagte Irsch. Aber auch für Gemeinden ist das Schrumpfen der Bevölkerung mit negativen Folgen verbunden. "Weniger Einwohner bedeuten geringere Einnahmen. Diese bedeuten geringere Investitionen und sinkende Attraktivität, was dann wiederum zu sinkenden Einwohnerzahlen führt - ein Teufelskreis", sagte Irsch.

      Um den Problemen in Ostdeutschland entgegenzutreten, müssen der
Studie zufolge die Investitionen zur Überwindung der
kleinbetrieblichen Strukturen weiter gefördert werden. Einen weiteren
Handlungsbedarf sehen die Ökonomen der KfW Bankengruppe in der
Innovationsförderung, denn innovative Unternehmen brauchen besondere
Unterstützung. "Zudem muss unbedingt in die Bildung der Menschen
investiert werden. Hier geht es nicht nur um die Erstausbildung,
sondern - angesichts des fehlenden Nachwuchses und des zunehmenden
Durchschnittsalters der Belegschaften - auch um kontinuierliche
Weiterbildung", sagte Irsch.

    Die KfW Bankengruppe hat die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung maßgeblich unterstützt: Die KfW Mittelstandsbank hat von 1990 bis 2004 kleine und mittlere Unternehmen mit einem Volumen von knapp 58 Mrd EUR gefördert. Heute stehen für mittelständische Unternehmen Fremdkapitaldarlehen, mezzanines Kapital und Beteiligungskapital bereit, wobei sich z. B. beim ERP-Startfonds immer auch ein privater Investor beteiligen muss. Im Bereich Wohnraumfinanzierung hat die KfW Förderbank u. a. allein von 1990 bis 2002 3,6 Millionen Wohnungen gefördert - dies entspricht gut der Hälfte aller ostdeutschen Wohnungen zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung.

    Service: Der Sonderband "15 Jahre Deutsche Einheit - wie geht es im Osten weiter" liegt als Download auf der Site www.kfw.de/DE/Presse/Inhalt.jsp.

Für Rückfragen: Sonja Höpfner, Tel.: 069 7431-4306, E-Mail: sonja.hoepfner@kfw.de

KfW, Palmengartenstraße 5-9, 60325 Frankfurt Abteilung Konzernkommunikation Tel.: 069 7431-4400, Fax: 069 7431-3266, E-Mail: presse@kfw.de, Internet: www.kfw.de

Original-Content von: KfW, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: KfW

Das könnte Sie auch interessieren: