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Christiane Reymann: Dicht unter der gezähmten Oberfläche liegt die Gewalt

    Berlin (ots) - Zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, erklärt Christiane Reymann, Mitglied im Parteivorstand der Europäischen Linkspartei (ELP):

    Gewalt an Frauen ist ein monströses Menschheitsverbrechen - und das am meisten verschwiegene. Das klagt die Europäische Linkspartei mit Blick auf den 25. November an. Im Europäischen Jahr gegen Gewalt an Frauen 2006 wird die ELP eine Kampagne gegen diese häufigste Verletzung der Menschenrechte durchführen.

    Weltweit ist jede dritte Frau Gewalt ausgesetzt, weil sie eine Frau ist. In Deutschland erleidet jede fünfte Frau körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner. Es sind Männer, die Gewalt gegen Frauen ausüben, sie verharmlosen, vertuschen. Gewalt gegen Frauen und Kinder zeugt vom Stand der Kultur in einer Gesellschaft.

    Das Zeugnis lautet: Der Lack der Zivilisation ist dünn, er bröckelt.

    - Mit Zwangsprostitution und Menschenhandel, mit Frauen und Kindern verdient die internationale Mafia inzwischen mehr Geld als mit Drogen. - Nach Schätzungen der UNO leben derzeit 200 Millionen Frauen weniger auf der Welt als demographisch zu erwarten wäre. Sie wurden getötet: Als weibliche Föten gezielt abgetrieben oder als kleine Mädchen umgebracht. Frauen sterben, weil sie noch schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Lebensmitteln und Wasser haben, als Männer. Frauen und Kinder sind die Opfer der Kriege. - Kalt berechnend planen die Herren der angeblich modernen Kriege die archaischsten Mittel der Kriegsführung ein: Vergewaltigungen und namentlich ethnische Vergewaltigungen; der männliche Samen wird zur Waffe abgrundtiefer Demütigung. - In den Ghettos rund um unsere Metropolen gehören Gruppenvergewaltigungen zum menschenverachtenden Initiationsritus junger Männer lange bevor und nachdem Autos brannten.

    Nicht Armut macht Männer gewalttätig. Es ist bewundernswert, wie viele Millionen armer Menschen in Würde und Gerechtigkeit leben. Vielmehr sind Herrschaft und Ausbeutung die letzte Ursache der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts. Dabei verstärken sich heute patriarchale und kapitalistische Interessen gegenseitig. Das Recht des Stärkeren geht der Gewalt gegen Frauen voraus. Indem Krieg wieder zu einem Mittel der Europäischen Politik wird, indem aus Menschen ("nützliches" oder "unnützes") "Humankapital" wird, indem nicht nur der Sozialstaat zerstört, sondern die Idee des Sozialen aus der Politik vertrieben wird, breiten sich Gewaltverhältnisse in unseren Gesellschaften weiter aus - in der Arbeit, in Medien, im Verhältnis zur Natur, auf den Straßen, in den Wohnungen. Das ist der Nährboden für Terrorismus, Rassismus und Gewalt an Frauen.

    Bilder von Geschlechterrollen deformieren Männer und Frauen. Solange Männer als das "starke Geschlecht" gelten, müssen oder wollen sie dieser Zuweisung genügen, auch dann, wenn sie ganz schwach sind, auch um den Preis ihrer eigenen Verrohung.

    Wir fordern bessere Gesetze zum Schutz der Opfer und zur Ächtung der Taten und der Täter. Wir fordern soziale Sicherheit, gleichwertige medizinische Versorgung für Männer und Frauen, gleichen Zugang zu Bildung, Erwerb, eigenständige Existenzsicherung für alle Menschen.

    Die Linke in Europa ist eine politische Bewegung und sie ist eine Kulturbewegung. Sie will nicht nur die ökonomischen, sondern alle Unterdrückungsverhältnisse aufheben, seien sie ethnisch, religiös oder geschlechtlich begründet. Die Europäische Linke will innerhalb der Gesellschaften einen tief greifenden Wandel herbeiführen hin zu einer Kultur der Humanität, der Menschenrechte, des Respekts. Dahin haben wir uns aufgemacht. Das fordern wird nicht nur von anderen, sondern zuerst von uns selbst.

Linkspartei.PDS Alrun Nüßlein Tel.:  030/24009543 Mobil: 0151/17161622 Mail: alrun.nuesslein@linkspartei.de

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