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Ein großer Moralist. Zum 80. Geburtstag von Konrad Wolf.

    Berlin (ots) - MdB Lothar Bisky, Vorsitzender der Linkspartei.PDS und früherer Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen zum 80. Geburtstag von Konrad Wolf

    Konrad Wolf war ein politischer Mensch, der Filme machte. Mit einem nachdenklichen Blick auf die Realität. Der kam aus seinem Elternhaus, in dem große Kunst selbstverständlich aus kommunistischer Haltung rührte. Die Utopie einer anderen Welt war sein Bezugspunkt. In seiner Biographie spiegelt sich deutsche Geschichte: Kindheit im Württembergischen. Vom deutschen Faschismus ins Exil getrieben. Jugend im Moskauer Exil. Rückkehr als Soldat der Roten Armee in ein Land, dessen Befreiung das Leben seiner Freunde kostete, das seine Heimat gewesen war und dessen Menschen er ob ihrer zwölfjährigen Gefolgschaft für ein menschenfeindliches System mit Verwunderung und Befremden erlebte. Sein Antifaschismus war ihm Lebensbedürfnis, folgend Brechts Imperativ: So helft ihnen doch! Also die Ursachen von Krieg und Faschismus analysierend, suchend nach Themen, "die den Menschen von heute den Weg vom Gestern zum Morgen erleichtern" - gesagt 1961 nach dem Erfolg von "Sterne" beim Filmfestival von Cannes.

    So wurde er zum großen Filmregisseur der DDR, der stille Deutsche mit der russischen Seele, der beharrliche Sinnsucher unter geteiltem deutschen Himmel auf dem argen Weg der Erkenntnis - wie seine Filmheldinnen und -helden - nicht ablassend von der Utopie der Sonnensucher. Die sich auch in seinen öffentlichen Ämtern nicht verschliss. Als Präsident der Akademie der Künste suchte er Brücken der Verständigung zwischen Kunst und Politik, suchte ein Klima zu schaffen, das realistische Kunst unterstützt und ihr Wirksamkeit ermöglicht. Seine Filme wirkten, fanden ein Millionenpublikum, weil es sich von ihrer Wahrhaftigkeit ernst genommen fühlte, eingeladen zum Nachdenken und aufgefordert zur Veränderung. Die Ästhetik seiner Filme erwuchs aus der Moral des Künstlers. Das war zu sehen. Auch der Zweifel, ob gut genug war, was getan wurde in seinem kleinen Land, um eine andere Welt zu denken und zu gestalten. Auch der Kummer, wenn Kunst nicht vor ihr Publikum gelassen wurde, wenn der Dialog, für den er arbeitete, abgeschnitten wurde durch politische Engstirnigkeit. Und wie er den Kampf immer wieder aufnahm - zum Beispiel bei der Berliner Begegnung, als es schien, der kalte Krieg könne atomheiß werden.

    Das ist sein Vermächtnis: der Traum von einer anderen Welt, einer Welt der Freundlichkeit, des Miteinanders von Menschen, einer Welt ohne Krieg und Faschismus, für die er gearbeitet hat. Wir sind mit einer Utopie beauftragt. Wir sehen uns in der Verantwortung - auch durch die Filme von Konrad Wolf. Heute, in gänzlich veränderter Zeit, in denen er uns fehlt. Und Filme, wie er sie machen konnte.

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