DIRK - Deutscher Investor Relations Verband e.V.

DIRK-Stimmungsbarometer Frühjahr 2008

Hamburg/Nürnberg (ots) -

   - DIRK-Stimmungsindikator: Skepsis überwiegt
   - Subprime-Krise schickt Aktienkurse in den Keller
   - Wird der IR-Manager zum Krisenmanager? 

Seit 2003 befragt der DIRK - Deutscher Investor Relations Verband e.V. in Zusammenarbeit mit der GfK zweimal im Jahr Investor Relations-Manager (IR-Manager) in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Stimmungslage im eigenen Unternehmen sowie zu einem aktuellen Sonderthema.

Die Befragung ab Mitte Januar 2008 fiel in eine turbulente Börsenzeit, in der die Subprime-Krise fast täglich neue Schlagzeilen lieferte. Die Aktienmärkte reagierten zunehmend nervös und die Volatilität stieg stark an. Die Unsicherheit setzt sich in den aktuellen Ergebnissen fort: Der Indikator zur Einschätzung der derzeitigen Lage der Unternehmen in Deutschland ist wiederholt gesunken. Jetzt liegt er bei 20 Prozent - das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Befragung. Allein im Jahresvergleich verliert der Indikator zwei Drittel seines Wertes (Frühjahr 2007: 63 Prozent).

Auch der zweite Indikator, der die Erwartungen für die nächsten sechs Monate wiedergibt, folgt diesem Trend: Er verliert wiederholt an Schwung und liegt mit 31 Prozent weit unter Vorjahresniveau (Frühjahr 2007: 57 Prozent). Der Optimismus der vergangenen Jahre ist verflogen. Die Erwartungen für die Zukunft sind verhalten und vorsichtig. Trotzdem ist der Indikator noch deutlich positiv. In Österreich und der Schweiz zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Die Indikatoren sind gesunken.

Wo stehen die Aktienmärkte zur Jahresmitte 2008?

Die Mehrheit der befragten IR-Manager in Deutschland ist skeptisch: Der deutsche Leitindex DAX wird zur Jahresmitte bei rund 7.500 Punkten gesehen - ein Minus von 3,5 Prozent zum Beginn der Befragung am 14. Januar 2008. In Österreich sind die IR-Manager etwas zuversichtlicher: Dem österreichischen Index ATX wird ein Plus von über 4 Prozent auf mehr als 4.300 Punkte zugetraut. Die IR-Manager in der Schweiz favorisieren den Status Quo: Mit knapp 8.100 Punkten soll der schweizer Index SMI zur Jahresmitte auf Januarniveau liegen.

DAX-Unternehmen krisenfest - Small- und MidCaps leiden mehr

Die Mehrheit der IR-Manager in Deutschland ist sich einig: Die Subprime-Krise hat deutliche Spuren hinterlassen. 57 Prozent nehmen negative Auswirkungen auf das eigene Unternehmen wahr. Innerhalb der Indizes sind vor allem die MDAX- und SDAX-Unternehmen betroffen. DAX-Gesellschaften scheinen von der Subprime-Krise weniger betroffen zu sein: Nur ein Drittel nimmt negative Auswirkungen auf das eigene Unternehmen wahr.

In Österreich und der Schweiz ist das Stimmungsbild noch stärker ausgeprägt als in Deutschland: 72 Prozent der österreichischen IR-Manager und 61 Prozent der schweizer IR-Manager geben an, dass sich die Subprime-Krise negativ auf ihr Unternehmen ausgewirkt hat.

Die Frage, welche Krise - New Economy Crash oder Subprime-Krise - stärkeren Einfluss auf die Kapitalmärkte hatte, relativiert das aktuelle Geschehen: Für 75 Prozent der befragten IR-Manager in Deutschland hat der Niedergang des Neuen Marktes in den Jahren 2000/2001 die Kapitalmärkte mehr beeinflusst als die Immobilien- und Hypothekenkrise. Es überrascht nicht, dass es vor allem die Technologie- und Software-Unternehmen sind, die dem New Economy Crash eine größere Bedeutung beimessen als der Subprime-Krise.

In Österreich ist die Tendenz ähnlich wie in Deutschland: Für 69 Prozent der Unternehmen hatte der New Economy Crash größeren Einfluss auf die Kapitalmärkte als die Subprime-Krise. In der Schweiz ist die Meinung zweigeteilt (50:50).

Subprime-Krise schickt Aktienkurse in den Keller

Für 69 Prozent der IR-Manager in Deutschland hat sich die Subprime-Krise negativ auf den Aktienkursverlauf des eigenen Unternehmens ausgewirkt. Vor allem Finanz- und Industrieunternehmen sowie im MDAX und SDAX notierte Unternehmen fühlen sich betroffen. Von diesen 95 Unternehmen verzeichneten zwei Drittel Kursverluste in Höhe von über 10 Prozent, ein Drittel in Höhe von bis zu 10 Prozent.

In Österreich und der Schweiz ist die Tendenz ähnlich wie in Deutschland: Mindestens Dreiviertel der IR-Manager sehen den Aktienkurs ihrer Gesellschaft negativ beeinflusst. Wie in Deutschland geht die Mehrheit davon aus, dass die Kursverluste über 10 Prozent betragen.

Fremdkapitalfinanzierung für jedes dritte Unternehmen schwieriger

Auch die Unternehmensfinanzierung ist von der Subprime-Krise betroffen: Für 45 Prozent der Unternehmen in Deutschland, die sich von der Subprime-Krise betroffen fühlen, ist es schwieriger geworden, liquide Mittel aufzunehmen. An erster Stelle steht die Aufnahme von Fremdkapital, gefolgt von der Aufnahme von Eigenkapital. Andere Finanzierungsformen wie Immobilien-Leasing und Factoring sind nicht betroffen.

Die IR-Manager in Österreich und der Schweiz teilen die Aussagen der deutschen Kollegen: Für 35 Prozent beziehungsweise 41 Prozent der Unternehmen, die sich von der Subprime-Krise betroffen fühlen, ist die Unternehmensfinanzierung schwieriger geworden. Die Aufnahme von Fremdkapital steht an erster Stelle.

Wird der IR-Manager zum Krisenmanager?

Die Subprime-Krise und ihre Auswirkungen sind nicht nur Dauerthema in den Schlagzeilen der Wirtschaftsmagazine, sondern zunehmend auch Tagesordnungspunkte auf der Agenda der IR-Manager: Fast zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland sehen sich verstärkten Anfragen zur Subprime-Krise ausgesetzt. Vor allem SDAX-Unternehmen sowie Gesellschaften im Finanz- und Bankensektor fühlen sich betroffen. Insgesamt wenden 28 Prozent bis zu einer Arbeitsstunde pro Tag auf, um Fragen zur Subprime-Krise zu beantworten. Bei 65 Prozent ist es weniger als eine Viertelstunde pro Tag. Der Zeitaufwand hält sich somit in Grenzen. Neben verstärkten Anfragen nehmen jeweils ein Viertel der IR-Manager höhere Kreditzinsen und erschwerte Bedingungen bei der Aktienplatzierung an der Börse als Belastung wahr. Für jedes zehnte Unternehmen spiegelt sich die Krise in einer verschlechterten Finanz- und Ertragslage sowie reduzierten Gewinnaussichten wider.

Neben quantitativen Auswirkungen nehmen die IR-Manager auch qualitative Effekte wahr. Die Rede ist vom Einfluss der Subprime-Krise auf die Wahrnehmung von Unternehmensnachrichten. Für 65 Prozent der deutschen Unternehmen ist der Fall klar: Die Auswirkungen sind negativ. Innerhalb der Indizes teilen jeweils 80 Prozent der MDAX- und SDAX-Unternehmen diese Meinung. Einen nachhaltig positiven Eindruck zu hinterlassen fällt somit schwerer, selbst wenn unternehmerische Vorgaben eingehalten oder übertroffen werden. 12 Prozent halten eine objektive Bewertung der Berichterstattung sogar für unmöglich, 69 Prozent für schwieriger. Unternehmen aus der Finanzbranche trifft es am stärksten: Für 22 Prozent ist es unmöglich, für 72 Prozent schwieriger, objektiv wahrgenommen zu werden.

Im Ländervergleich stimmen die österreichischen und schweizer IR-Manager dem zu: Die Mehrheit sieht die Wahrnehmung der Unternehmensnachrichten durch die Subprime-Krise beeinträchtigt.

Subprime-Krise auch in sechs Monaten noch spürbar

Auch im Sommer wird die Krise noch spürbar sein: 20 Prozent der deutschen IR-Manager glauben, dass die Auswirkungen der Subprime-Krise in sechs Monaten stärker sein werden als heute. 53 Prozent schätzen, dass sich nichts verändern wird, und nur 27 Prozent denken, dass sich die Auswirkungen abschwächen werden. Vor allem DAX-Unternehmen sind skeptisch: 25 Prozent gehen davon aus, dass sich die Auswirkungen zukünftig verstärken. Kein DAX-Unternehmen erwartet eine Abschwächung im besagten Zeithorizont.

In der Schweiz und in Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Mehrheit glaubt, dass die Auswirkungen stärker oder gleichbleibend sind.

Zur Studie

Die Ergebnisse stammen aus der Studie "DIRK - Investor Relations Stimmungsbarometer", die gemeinsam vom DIRK und der GfK herausgegeben wird. Sie basiert auf einer halbjährlichen Befragung von fast 400 IR-Abteilungen deutscher, österreichischer und schweizer Unternehmen. Die Rücklaufquote dieser Befragung beträgt regelmäßig etwa 50 Prozent. Der DIRK-Stimmungsindikator ist die Differenz aus den positiven abzüglich der negativen Antworten zur Unternehmenslage. Die Schwankungsbreite beträgt +/- 100.

Über den DIRK

Der DIRK - Deutscher Investor Relations Verband e.V. ist der deutsche Berufsverband für Investor Relations (IR). Als Sprachrohr der IR-Professionals vertritt der DIRK die Belange seiner Mitglieder aktiv im Dialog mit den Interessengruppen und Institutionen des Kapitalmarkts, der Politik und der Öffentlichkeit. Seinen Mitgliedern bietet der Verband aktive fachliche Unterstützung und fördert den regelmäßigen Austausch untereinander sowie mit IR-Fachleuten aus aller Welt. Darüber hinaus setzt er Maßstäbe für die professionelle Aus- und Weiterbildung des IR-Nachwuchses in Deutschland. Mit über 270 Mitgliedern setzt der DIRK die Standards für die Kommunikation zwischen Unternehmen und dem Kapitalmarkt. Die Bandbreite der im DIRK organisierten Unternehmen umfasst sämtliche DAX-Werte sowie das Gros der im MDAX, SDAX und TecDAX gelisteten Aktiengesellschaften bis hin zu kleinen Unternehmen und solchen, die den Gang an die Börse noch vor sich haben oder Fremdkapitalinstrumente emittieren.

Zur GfK Gruppe

Die GfK Gruppe ist Deutschlands größtes Marktforschungsunternehmen und die Nummer 5 weltweit. 1934 gegründet gehören ihr inzwischen 115 operative Unternehmen an, die ihren Kunden Marktinformationen aus 90 Ländern liefern. Der Hauptsitz der GfK Gruppe ist Nürnberg. Von den rund 8.800 Beschäftigten arbeiten 80 Prozent außerhalb Deutschlands. Die Dienstleistungen der GfK sind in die drei Sektoren Custom Research, Retail and Technology und Media gegliedert. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.gfk.com.

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