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25.10.2002 – 10:00

Reader's Digest Deutschland

"Die Zeche bezahlen die Arbeitnehmer"
Trigema-Chef Grupp kritisiert Machtstreben und Größenwahn vieler Unternehmer

Stuttgart (ots)

Wolfgang Grupp, einer der erfolgreichsten
deutschen Unternehmer, wirft vielen seiner Kollegen eine fahrlässige
Geschäftspolitik vor. "Machtstreben, Größenwahn und Habgier - solche
Untugenden sind immer mehr in den Konzernen verbreitet", schreibt der
Chef des Textilunternehmens Trigema in einem Beitrag für das Magazin
Reader's Digest (November-Ausgabe). Grupp fordert, dass Firmenbosse
künftig mehr als bisher für fehlerhafte Entscheidungen zur
Verantwortung gezogen werden müssen: "Manager sollten haften, auch
mit den Bezügen, die sie in den fetten Jahren erhalten haben."
Seit Jahren gilt Grupp, Jahrgang 1942 und zweifacher
Familienvater, in der Branche als positiver Querdenker. Einerseits
hat er den Umsatz des schwäbischen Familienunternehmens mit Hauptsitz
in Burladingen ohne Bankkredite auf nunmehr 83 Millionen Euro
hochgeschraubt. Andererseits bleibt er gegen den Trend dem Standort
Deutschland treu und beschäftigt in drei Werken in Baden-Württemberg
fast 1200 Menschen. Umso mehr geißelt der Inhaber und Geschäftsführer
von Trigema nun das Spiel um Macht und Millionen, das viele seiner
Kollegen im Alltagsgeschäft betreiben würden. "Schuld ist das Diktat
des Shareholder-Values. Alles wird heute dem Aktiengewinn
untergeordnet", lautet seine Kritik. Während früher die
Verantwortlichen mit dem Betrieb aufgewachsen seien und sich somit
nicht nur für die Firma, sondern auch für die Mitarbeiter
verantwortlich gefühlt hätten, hätten viele Chefs heutzutage nur noch
ihr eigenes Wohl im Blick: "Manager, die ausgestattet sind mit
kurzfristigen, aber dafür umso satteren Verträgen, entscheiden
kurzsichtig, damit die Aktie und damit auch ihr Einkommen steigt.
Viele stehen nur im Dienste ihres eigenen Egos." Die Leidtragenden
dieser Entwicklung seien letztlich die Aktionäre, Steuerzahler und
Arbeitnehmer. Sie müssten die Zeche bezahlen, wenn bei der
"hemmungslosen Expansion die Kosten ausufern" und die Firmenpleite
nicht mehr abzuwenden sei, so Grupp.
Aus Sicht des Vorzeigeunternehmers muss der Trend des "ruinösen
Wettbewerbs" gestoppt werden. "Die Leistung eines Unternehmers zeigt
sich nicht in Umsatz und Größe, sondern vor allem in der problemlosen
Erhaltung der Arbeitsplätze und in konstantem Erfolg." Grupp, der
nach eigenen Angaben bisher keinen Beschäftigten aus Arbeitsmangel
entlassen und noch nie Kurzarbeit angemeldet hat, übt in diesem
Zusammenhang scharfe Kritik an den Kontrollinstanzen der Unternehmen.
Einerseits seien die Aufsichtsräte oft schlecht informiert "und
stimmen dann Expansionen zu, deren Folgen sie nicht überschauen".
Andererseits würden die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der
Unternehmen "alles tun, was ihre Auftraggeber verlangen, um ihre
Profitgier zu befriedigen."
Als Konsequenz verlangt Grupp in den Chefetagen die Rückbesinnung
auf alte Werte wie Disziplin, Leistung, Verantwortung und Motivation.
"Wer mehr verdienen will, muss auch mehr leisten und vor allem für
seine Entscheidungen geradestehen." Eine Geschäftspolitik, so Grupp
in dem Beitrag für Reader's Digest, die ausschließlich auf weitere
Marktanteile und höhere Umsätze ausgerichtet sei, dürfe es in einer
sozialen Marktwirtschaft nicht geben: "Wir brauchen keine
Unternehmer, die an ihrem Sessel kleben und nur nach Macht und Geld
streben. Nicht Kassierer sind gefragt, sondern echte Unternehmer, die
das, was wir geerbt haben, erhalten und vermehren - nicht solche, die
es ausbeuten und vernichten." Eine Firmenführung mit Verantwortung
müsse vom Staat aber mehr als bisher mit steuerlichen Anreizen
belohnt werden. Vorschlag des Trigema-Chefs: 50 Prozent Rabatt auf
die Einkommensteuer für Unternehmer, die persönliche Haftung
übernehmen. "So hätten diejenigen, die für ihr Handeln geradestehen,
auch mehr Geld zur Verfügung und könnten mehr investieren."
Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen
wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die November-Ausgabe von Reader's
Digest ist ab 28. November an zentralen Kiosken erhältlich.
Pressemitteilung zum Download:
http://www.readersdigest.de. Auf Service für Journalisten klicken
(Rubrik Magazin Reader's Digest).
Bei Rückfragen:
Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH
Öffentlichkeitsarbeit: Uwe Horn
Augustenstr. 1, D-70178 Stuttgart
Tel. +49 (0) 711/6602-521, Fax +49 (0) 711/6602-160, E-Mail:
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