Reader's Digest Deutschland

André Rieu wäre beinahe Pizzabäcker geworden
Ein Interview mit dem Starmusiker über das schwierige Verhältnis zum Vater, die heilende Kraft der klassischen Musik und die persönliche Freiheit

    Stuttgart (ots) -  Wo er auftritt, sind die Konzertsäle voll. Wenn
er zu spielen beginnt, brechen seine Fans in Jubel aus: André Rieu
ist zum neuen Kultstar der klassischen Musik geworden. Dabei wäre der
Holländer aus Maastricht beinahe gar nicht Künstler geworden, wie er
jetzt im Interview mit dem Magazin Reader's Digest (Februarausgabe)
zugibt - aus Verzweiflung über seinen Geigenlehrer: "Eines Tages
dachte ich plötzlich: Ich schmeiße alles hin, werfe meine Geige in
den Fluss und mache mit meiner Frau eine Pizzeria auf." Am Ende blieb
die Strenge des  Lehrers dann aber doch ohne Folgen.
    
    Eine Entscheidung, die der Walzerkönig der Gegenwart, Jahrgang
1949, bis heute nicht bereut hat. Weltweit hat er bislang 15
Millionen CDs verkauft, und aus seinen Konzerten macht er "ein Fest",
wie Rieu seine Auftritte selbst umschreibt. Der Grund: Er will nicht
nur schön spielen ("Dann könnten die Konzertbesucher zu Hause bleiben
und sich eine CD auflegen"), er will ihnen etwas Besonderes bieten -
"nämlich Seelenwärme". Also präsentiert er dem zahlenden Publikum
nicht virtuose Geigensoli, sondern weiche, gefühlvolle Melodien. "Es
gibt viele Geiger, die besser spielen als ich", räumt Rieu in dem
Gespräch mit Reader's Digest ein, "aber ich bin nicht nur eine
Musikmaschine, sondern zeige den Leuten, dass ich ein Mensch mit
Gefühlen bin."
    
    Dabei hätte sein Vater es gerne anders gehabt. Als Dirigent des
Limburgischen Symphonie Orchesters in Maastricht wollte Rieu senior,
dass Rieu junior eher eine klassische, festgelegte Rolle in dem
Orchester übernimmt. "Ich habe nur ein Jahr unter ihm gespielt. Es
war keine schöne Zeit", erinnert sich André Rieu noch heute nur
ungern daran. Stattdessen gründete er ein Salon-Orchester und spielte
Operettenmelodien. Zuvor hatte es immer wieder - wie zu Hause im
Kreis der fünf Geschwister - Spannungen zwischen Vater und Sohn
gegeben. "Er ließ sich nie auf Diskussionen ein", sagt André Rieu
heute. Aber er wollte improvisieren, eigene Ideen einbringen. "Dazu
fehlte meinem Vater der Mut", bedauert der Sohn im Rückblick und
erinnert sich an Momente, wenn er etwa Bauarbeitern bei der Arbeit
zuschaute: "Schon beim Zugucken lernte ich etwas. Dann ging ich nach
Hause und brachte zum Beispiel an unserem Zaun entlang
Kaninchengitter an." Diese Art zu tüfteln, Unbekanntes auszuprobieren
hat sich André Rieu bis heute erhalten: "Das Wichtigste ist für mich,
frei zu sein. Wenn man mir meine Freiheit nähme, wollte ich nicht
mehr weitermachen."
    
    Und der Erfolg gibt ihm recht. Während Rieu nach eigener Aussage
in der Kindheit oft noch verspottet wurde nach dem Motto "Aus dir
wird nie etwas", begann die steile Karriere nach dem Studium an den
Konservatorien in Brüssel, Maastricht und Lüttich. 1987 gründete er
das Johann Strauß Orchester, das ihn fortan auf Tourneen begleitete.
Den ersten großen Titel feierte er 1994 in den Niederlanden mit dem
"Second Waltz" (Walzer Nr. 2 aus der Jazz Suite Nr. 2), der
internationale Durchbruch folgte dann 1995 mit dem Album "Strauß &
Co." Spätestens seitdem ist André Rieu, der mit seiner Frau Marjorie
seit über 25 Jahren verheiratet ist und zwei Söhne hat, zum
Stargeiger avanciert.
    
    Er tritt in Konzertsälen genauso auf wie in
Rehabilitationszentren. "Ich habe Patienten erlebt, die bereits seit
25 Jahren ohne sichtbare Regungen vor sich hin vegetierten, bei denen
keine Therapie mehr anschlug. Dann spielten mein Orchester und ich,
und auf einmal zeigten diese Menschen wieder eine Reaktion." André
Rieu, ein Musiker mit übermenschlichen Kräften? "Vielleicht ist es
ein Klischee, aber ich glaube wirklich, dass Musik die Sprache ist,
die tiefste Gefühle berührt." Und seine Fangemeinde wächst weiter.
"Klassische Musik ist für jeden da. Wenn meine Konzerte dafür sorgen,
dass mein Postbote den 'Second Waltz' von Schostakowitsch pfeift,
dann ist das für mich sehr befriedigend."
    
    Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen
wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Februarausgabe von Reader's Digest
ist ab 28. Januar 2002 an  zentralen Kiosken erhältlich.
    
    Pressemitteilung zum Download:
    http://www.readersdigest.de. Auf Presseservice klicken (Rubrik
Magazin Reader's Digest)
    
ots Originaltext: Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH
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