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TÜV Rheinland-Risikostudie: Deutsche Unternehmen zwischen Mut und Leichtsinn - kurzfristiger finanzieller Erfolg steht im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns (BILD)

TÜV Rheinland hat im September 2013 über 600 deutsche Firmen zu unternehmerischen Risiken befragt. Das Ergebnis: Größte Risiken für den eigenen Erfolg sind Wettbewerb und Konjunkturentwicklung gefolgt vom Fachkräftemangel sowie steuerlichen und finanziellen Risiken. Auf Rang vier möglicher Risiken... mehr

Köln (ots) - Wie die repräsentative "TÜV Rheinland-Risikostudie mit dem Schwerpunkt deutscher Mittelstand" zeigt, fehlt in mittelständischen Unternehmen eine ganzheitliche Risikobetrachtung. So fließen hauptsächlich wirtschaftliche Aspekte in die Risikobetrachtung ein - ökologische und soziale Aspekte in wesentlich geringerem Umfang. Lediglich 48% der Unternehmen messen und bewerten ihre Maßnahmen zur Risikominimierung.

Die Geschäftsführer und Verantwortlichen für das Risikomanagement von 605 Unternehmen wurden für die "TÜV Rheinland-Risikostudie" befragt. Davon konnten 20 % der Befragten keine Angaben zu den Risiken im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens machen.

Gabriele Rauße, Geschäftsführerin bei TÜV Rheinland: "Deutsche Unternehmer balancieren zwischen Mut und Leichtsinn, wie die Ergebnisse unserer Studie eindeutig zeigen. Risiken, die falsch eingeschätzt oder nicht erkannt werden, bedrohen dabei massiv die Existenz der Unternehmen. Unternehmen blenden in ihren Planungen die Anforderungen von Banken, Lieferketten und Kunden offenbar komplett aus. Für den Wettbewerb entscheidende globale Trends, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung, werden größtenteils ignoriert."

Unternehmen agieren immer im Spannungsfeld zwischen Risiko, Nachhaltigkeit und globalen Trends und müssen Risiken erkennen und richtig einschätzen. Der deutsche Mittelstand nimmt hauptsächlich Faktoren wahr, die unmittelbar auf seine monetäre Situation einwirken wie Wettbewerb, Konjunktur, Fachkräftemangel und steuerliche Reglementierungen. Aspekte wie Ökologie und Soziales spielen bei der Risikoeinschätzung kaum eine Rolle.

Gerade dort, wo sich für Entscheider der Spielraum für individuelle Einflussmöglichkeiten eröffnet, wie zum Beispiel in den Bereichen Umwelt, Mitarbeitersicherheit und -gesundheit oder Nachfolgeregelungen, sehen die Unternehmer keine Risiken und keinen Handlungsbedarf. Die weniger stark bis gar nicht beeinflussbaren Faktoren wie beispielsweise Wettbewerb, Konjunktur oder Gesetzgebung werden hingegen als riskanter wahrgenommen. Insgesamt wird bei vielen Fragestellungen die fehlende Risikosensibilität deutlich, da alle genannten Risiken als niedrig oder eher niedrig eingeschätzt werden.

Gleichzeitig wird in der "TÜV Rheinland-Risikostudie" deutlich, dass den Mittelstand eine hohe Risikobereitschaft auszeichnet - 43 % aller Befragten schätzen sich im Vergleich zu ihren Mitbürgern als risikofreudiger ein. Paart sich geringe Risikosensibilität mit hoher Risikobereitschaft, kann dies die Existenz von Unternehmen massiv gefährden.

Großer Nachholbedarf besteht laut Studienergebnis ebenso beim Thema Risikomanagement. 25 % aller befragten Unternehmen haben kein Managementsystem und rund 30 % nehmen keinerlei Risikosteuerung vor. Standardisierte Messmethoden und Analysen werden nur von 9 % umgesetzt. Ökologische und soziale Faktoren spielen auch hier kaum eine Rolle, geeignete flächendeckende Maßnahmen in diesen Bereichen sind stark defizitär. Insgesamt sehen über zwei Drittel der Befragten noch Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Sicherung der Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens.

Neben dem Umgang mit Risiken und deren Steuerung offenbart sich in der Studie aber auch eine fehlende Sensibilität hinsichtlich der Bedeutung der Maßnahmenbewertung und -kommunikation, die zur Erhaltung der Zukunftsfähigkeit ergriffen werden. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen überprüft weder die Wirkung der Maßnahmen, noch werden diese veröffentlicht. Hier verspielen Unternehmer leichtsinnig ihre Chancen auf Verbesserung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, denn sie wissen weder, ob sie die Dinge richtig tun - noch ob sie die richtigen Dinge tun, um die Zukunft ihres Unternehmens zu sichern. 14 % halten sogar eine Evaluation für grundsätzlich nicht sinnvoll. Wenn über eingeleitete Schritte informiert wird, spricht nur etwa jedes vierte Unternehmen die eigenen Mitarbeiter an. Maßnahmen werden fast ausschließlich lokal kommuniziert und die neuen Medien mit ihren Wirkungspotenzialen spielen kaum eine Rolle.

Dr. Stefan Poppelreuter, Projektverantwortlicher der Studie bei TÜV Rheinland: "Mancher deutsche Mittelständler erinnert an einen Fahranfänger - geringe Risikosensibilität bei gleichzeitig hoher Risikobereitschaft. Um nicht aus der Kurve zu fliegen, ist ein begleitendes Risikomanagement dringend zu empfehlen."

Studienhintergrund: Methodik der Studie

Die "TÜV Rheinland-Risikostudie" legt den Fokus auf den deutschen Mittelstand. Ziel war es, Aufschluss darüber zu bekommen, welche Risiken in mittelständischen Unternehmen wahrgenommen werden, wie solche Risiken eingeschätzt werden und wie Risikomanagement stattfindet. Im Rahmen eines kurzen - etwa 15-minütigen - Telefoninterviews (CATI - Computer Assisted Telephone Interview) wurden 605 mittelständische Unternehmen befragt. Dabei wurden die Inhaber/Geschäftsführer oder - falls vorhanden - die für Risikomanagement im Unternehmen zuständigen Personen für die Interviews herangezogen. Der Interviewleitfaden setzte sich aus geschlossenen und offenen Fragen zusammen und wurde speziell für die Erhebung entwickelt. Die Interviews wurden im Zeitraum vom 2. September 2013 bis zum 30. September 2013 geführt.

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