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journalist-Pressemitteilung: Welche Rolle spielte der Bild-Chefredakteur im Prozess um Ottfried Fischer?

Remagen (ots) - Der Prozess um den Schauspieler Ottfried Fischer wirft auch nach dem Urteil Fragen auf. Gibt es einen "Giftschrank" bei der Bild-Zeitung, mit dem der Schauspieler zu einem Interview genötigt wurde? Und: Hat Bild-Chefredakteur Kai Diekmann Druck auf den Angeklagten, einen früheren Bild-Mitarbeiter, ausgeübt und ihn so von einem Geständnis abgebracht? Der Ex-Bild-Journalist stand vor Gericht, weil er Ottfried Fischer mit einem kompromittierenden Video dazu genötigt haben soll, über seine Sex-Affäre in der Bild-Zeitung zu sprechen. Nachdem es im Laufe des Prozesses so ausgesehen hatte, als würde der Journalist ein Geständnis ablegen - und damit einer Vorstrafe entgehen können -, bestritt er am Ende die Vorwürfe doch. Das Gericht verurteilte ihn zu 180 Tagessätzen à 80 Euro.

"Ich mache das jetzt schon 40 Jahre, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", kommentiert der beteiligte Fischer-Anwalt Steffen Ufer die Wende in dem Prozess gegenüber dem Medienmagazin journalist. Ufer vermutet, dass der ehemalige Bild-Mitarbeiter eine Vorstrafe hinnehmen musste, "nur um seinen alten Verlag zu schützen". Eine zentrale Rolle im Prozessverlauf hat offenbar eine Springer-Justiziarin gespielt, die sich Zugang zum Innenraum des Gerichtssaals verschafft hat. Mehrere Gerichtsreporter bestätigen, dass die Justiziarin mehrfach mit dem Angeklagten gesprochen und ihm später einen Zettel vorgereicht habe. Darauf stand: "Kai sagt ...". Zeugen wollen darauf die Anweisung gesehen haben, nicht zu gestehen. Wie andere Beobachter nimmt auch Rechtsanwalt Steffen Ufer an: Bei "Kai" könne es sich nur um den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann handeln.

Der Springer-Verlag bestreitet die Vorwürfe. "Kai Diekmann war und ist überhaupt nicht in der Position, dem Angeklagten irgendwelche Anweisungen zu erteilen", so Springer-Sprecher Tobias Fröhlich auf Anfrage des journalists. Diese Beobachtung entbehre "jeder Grundlage und ist falsch". Tatsache ist, dass ein Geständnis ihres früheren Mitarbeiters für die Bild-Zeitung extrem unangenehm gewesen wäre. Wäre so doch bestätigt, dass bei der Zeitung ein "Giftschrank" existiert, mit dessen Inhalt Protagonisten möglicherweise gegen ihren Willen zu einer "Zusammenarbeit" bewogen werden könnten.

Ungewöhnlich deutlich äußert sich der Münchner Amtsrichter Hilmar Buch in seiner Urteilsbegründung über die Rolle von Springer: Zugunsten des Angeklagten sei zu berücksichtigen, dass er "unter einem erheblichen Druck des Axel-Springer-Verlags stand, weil im Rahmen der Hauptverhandlung offenbar in ganz erheblicher Weise auf ihn durch 'Ratschläge' eingewirkt wurde." Der Strafrechtler Hans Kudlich sagte dem Medienmagazin journalist: "Sollte sich hier wirklich ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt abgespielt haben, wäre das die eine Sache. Erschütternder wären für mich als Außenstehenden die Methoden der Berichterstattung - und: dass Mitarbeiter in den Vorbestraftenstatus gedrängt würden, um solche Methoden dementieren zu können."

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte kündigten Berufung gegen das Urteil an.

Den ausführlichen Beitrag über die Hintergründe des Prozesses lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des Medienmagazins journalist, das gerade erschienen ist.

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