bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.

Stillschweigende Schwächung der Heimaufsicht
bpa fordert Diskussion über Folgen der Kreisgebietsreform für die Pflege

Brandenburg (ots) - Mit 18 groß angelegten regionalen Konferenzen informiert das Land Brandenburg derzeit Bürgerinnen und Bürger über die geplante Kreisgebietsreform. "Die einheitliche Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung von älteren und pflegebedürftigen Menschen gerät in Gefahr, wenn die Heimaufsicht wie geplant vom Land auf die einzelnen Kommunen verlagert wird", warnt die brandenburgische Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) Ellen Fährmann. "Dann entsteht ein Flickenteppich, bei dem in einer Region des Landes andere Standards gelten als in der anderen. Das wirft die Pflege um Jahre zurück."

Für Pflegebedürftige und Pflegende sei es wichtig, sich auf allgemein gültige Qualitätskriterien und Prüfungsvorgänge verlassen zu können, erläutert Fährmann, die selbst über jahrelange Erfahrung in der Pflege in Brandenburg verfügt. "Wenn künftig die Kommunen für die Prüfung der Pflegedienste und Heime zuständig sind, sinkt die Beratungskompetenz der Behörden, weil nicht jede Stadt und jeder Kreis entsprechende Fachleute vorhalten kann. Gleichzeitig kann es keine wirklich einheitlichen Prüfungen mehr geben, was die erreichten landesweit verbindlichen Standards aufweichen wird." Zudem sei die Kommune über die Sozialhilfe auch an den Pflegekosten beteiligt und befinde sich deshalb bei der Prüfung in einer problematischen Doppelrolle. "Dies gilt umso mehr, wenn die Kommune auch noch als Betreiber eines Pflegeheims auftritt."

Auch der fachliche Austausch zwischen Pflege und Prüfbehörde, der derzeit auf der Landesebene gut organisiert sei, könne nicht überall im Land auf diesem Niveau geleistet werden. Zuletzt hatte die Heimaufsicht selbst in ihrem regelmäßigen Jahresbericht betont, wie wichtig eine Prüfung und Beratung nach einem einheitlichen Prüfkonzept und gleichen Qualitätsmaßstäben sei.

Der bpa fordert das Land Brandenburg auf, seine Pläne für die Zukunft der Heimaufsicht zu begründen und auf die Bedenken der Branche zu reagieren. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege wollen verlässlich wissen, nach welchen Vorgaben sie ihre Arbeit gestalten sollen und wollen nicht von individuellen Vorstellungen einer kommunalen Prüfstelle abhängig sein. Aber seitens des Landes herrscht noch immer großes Schweigen." Die bpa-Landesvorsitzende Fährmann hofft nun, dass die Zukunft der Heimaufsichten bei den weiteren regionalen Konferenzen des Landes thematisiert wird.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 8.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon über 250 in Brandenburg) die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-)stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 260.000 Arbeitsplätze und circa 20.000 Ausbildungsplätze (siehe www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das investierte Kapital liegt bei etwa 20,6 Milliarden Euro.

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