SOS-Kinderdörfer weltweit

SOS-Kinderdörfer in Pakistan helfen verlassenen Kindern aus dem Erdbebengebiet

    München/Islamabad (ots) - Die Regierung der pakistanischen Kaschmir-Provinz hat die SOS-Kinderdörfer offiziell berechtigt, verlassene und hilfsbedürftige Kinder aus den Erdbebengebieten aufzunehmen. Diese Erlaubnis ist Ausdruck des großen Vertrauens und Ansehens, das die SOS-Kinderdörfer in Pakistan auf Grund ihrer jahrzehntelangen Arbeit in der Region genießen.

    Noch ist derzeit unklar, wie viele Kinder durch das Erdbeben ihre Eltern verloren haben oder von ihren Familien getrennt wurden. Die derzeit sieben SOS-Kinderdörfer in Pakistan sind bereit, 600 Kinder in Notquartieren unterzubringen. "Unsere erste Priorität ist es, Familienangehörige möglichst vieler verlassener Kinder zu finden", sagt Safia Awan, Vizepräsidentin von SOS-Kinderdorf Pakistan. Das Familiensystem in Pakistan sei sehr ausgedehnt und in den meisten Fällen lasse sich ein Großvater, eine Tante oder ein Onkel finden. Parallel zu den ausgedehnten Ersthilfe-Maßnahmen legen die SOS-Kinderdörfer deshalb eine Datenbank an. Festgehalten werden so viele Informationen wie möglich: Name und Alter eines Kindes, Wohnort... Auch ein Foto ist mit dabei. "Sobald Familienangehörige gefunden werden, überprüfen wir, ob sie gewillt und in der Lage sind, sich um das Kind zu kümmern", betont Safia Awan. Ein langwieriger Prozess, das haben die Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer auch während ihrer Krisenhilfe im Tsunami-Gebiet erfahren. Selbst nach fünf Monaten wurden dort noch Angehörige gefunden.

      Die pakistanischen Kinder, für die auch nach ausgiebiger Suche
keine Verwandten gefunden werden können, sollen in einem der
SOS-Kinderdörfer des Landes aufgenommen werden. Das SOS-Kinderdorf in
Dhodial soll um fünf weitere Familienhäuser erweitert werden, um
Erdbeben-Waisen ein dauerhaftes Zuhause bieten zu können. Außerdem
soll so bald als möglich mit dem Bau eines neuen Kinderdorfs im
kaschmirischen Mirpur begonnen werden.

    Wie es den einzelnen Kindern bei all dem ergeht, sei kaum zu ermessen und äußere sich völlig unterschiedlich, betont Dr. Werner Hilweg, Psychologe der pädagogischen Hermann-Gmeiner-Akademie der SOS-Kinderdörfer und Herausgeber des Buches "Kindheit und Trauma". "Der eine zieht sich zurück, ängstlich und sprachlos, die andere wirkt vielleicht nach außen stabil - und kommt dennoch mit ihren Gefühlen nicht klar." Deshalb ist es ein wichtiger Bestandteil der SOS-Nothilfe in Pakistan, den Jungen und Mädchen bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse zu helfen - eines der Kernthemen der Organisation. Jedes Kind in einem SOS-Kinderdorf hat einmal das Trauma erlebt, seine Eltern zu verlieren. Die Pädagogen und Psychologen der SOS-Kinderdörfer haben sie in fünf Jahrzehnten dabei begleitet und eine hohe Kompetenz aufgebaut.

    Wichtig sei jetzt vor allem, den Kindern das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein, sagt Werner Hilweg. "Alles, was an ihr ehemaliges Zuhause anknüpft, kann helfen: eine vertraute Person, ein Spielzeug, ein bekanntes Lied." Entscheidend sei es, die Selbstheilungskräfte eines Kindes zu mobilisieren, ihm Mittel an die Hand zu geben sich auszudrücken. Das kann ein Gespräch sein, ein Bild, ein Brief, die Unterhaltung mit einer Handpuppe.

    "Wenn die Jungen und Mädchen die Gelegenheit bekommen ihre schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten, ist die Chance groß, dass sie später ihre Potenziale ausschöpfen und nicht von Angstzuständen oder Depressionen bestimmt werden", erklärt der Psychologe. Die Kultur eines Kindes spiele dabei keine Rolle. "Es geht hier um Trost, Verständnis und Hilfe - die Grundbedürfnisse jedes Kindes." Unterdessen versorgen die SOS-Kinderdörfer die Erdbebenopfer weiter mit Hilfsgütern. So ist am Montag ein Flugzeug mit Nahrungsmitteln und medizinischer Ausrüstung aus der SOS-Nothilfe in Islamabad gelandet. Im weitgehend zerstörten Muzaffarabad versorgen SOS-Mitarbeiter 1000 Menschen mit Nahrung, Decken, Zelten und Medikamenten.

    Derzeit gibt es in Pakistan sieben SOS-Kinderdörfer, die Kindern in Not ein Zuhause bieten. Das erste SOS-Kinderdorf besteht seit 1977 in Lahore, die anderen befinden sich in Dhodial, Karachi, Multan, Faisalabad, Sargodha und Rawalpindi. Außerdem gibt es sechs SOS-Jugendeinrichtungen, sieben SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, vier SOS-Berufsbildungszentren, vier SOS-Sozialzentren, zwei SOS-medizinische Zentren und ein SOS-Nothilfeprogramm für afghanische Flüchtlinge.

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    München, den 25.10.2005

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