Messe München GmbH

Innovationen zur ANALYTICA 2000 - eine kleine Auswahl

    München (ots) -
    
    Von der elektronischen Nase bis zur Genanalyse
    
    Die Analytica 2000 bietet den Besuchern eine große Anzahl von
Novitäten, die  sowohl von in- und ausländischen Unternehmen als auch
von Forschungsinstituten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt
werden. Die nachfolgend beschriebenen Innovationen - bei  denen es
sich nur um eine Auswahl von Beispielen handelt - stammen  aus den
Bereichen Qualitätskontrolle, Umweltanalytik, Sensorik,
DNA-Isolierung, kombinatorische Chemie und Biomedizin.
    
    Reinheitsgebot gilt nicht nur beim Bier
    
    Wer jemals das Europäische Arzneibuch durchgeblättert hat, stößt
unweigerlich immer wieder auf Reinheitsbestimmungen. Ihr Stellenwert
steht für die moderne Pharmazie außer Frage. Hierbei dominieren
eindeutig chromatographische Verfahren, was sich aus der leichten
Automatisierbarkeit in Verbindung mit einem relativ günstigen Preis
erklärt. Die Methode stößt jedoch an ihre Grenzen, wenn die Reinheit
von optischen Isomeren - also Molekülen, die sich nur dadurch
unterscheiden, daß sie sich zueinander wie Bild und Spiegelbild
verhalten - gefordert ist. Die Spectral Service GmbH stellt im Rahmen
des Gemeinschaftsstandes "Bayern Innovativ" erstmals vor, wie sich
das Problem mit Hilfe der NMR-Spektroskopie und der
Kapillarelektrophorese im Rahmen der Routineanalytik lösen läßt.
    
    Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Pharmazeutika und Kosmetika
können durch Keime verderben. Ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung
der Produktqualität ist die mikrobiologische Kontrolle, die bisher
immer sehr zeitaufwendig war. Das Dasseler Unternehmen Schleicher &
Schuell hat jetzt einen Schnelltest entwickelt, bei dem je nach
Anwendung die Ergebnisse spätestens nach 24 Stunden, in einigen
Fällen bereits nach wenigen Minuten vorliegen. Ganz anderer Natur ist
die Fragestellung der Berliner Congen Biotechnologie GmbH, die sich
die Identifizierung bestimmter Tierarten in Lebensmitteln auf die
Fahne geschrieben hat. Das von dem Unternehmen entwickelte "SureFood
System" basiert auf der Identifizierung der tierartspezifischen DNA.
Das System ist in der Lage, selbst in hocherhitzten und stark
verarbeiteten Produkten sowie in Lebensmitteln, in denen mehrere
Spezies verarbeitet wurden, Tierarten bis zu einer Erfassungsgrenze
von 1% nachzuweisen.
    
    Mit einem "Ganzkorn-Getreideanalysator" will die Foss Deutschland
GmbH wiederum neue Standards in der Getreideanalytik setzen. Der
Analysator enthält eine Palette optionaler Module, die es
ermöglichen, den Ansprüchen steigender Qualitätsanforderungen gerecht
zu werden. So kann die Farbe des Getreides gleichzeitig mit anderen
Parametern wie Eiweiß, Feuchte, Öl, Stärke, Amylose usw. innerhalb
von Sekunden bestimmt werden.
    
    Umweltgiften auf der Spur
    
    Der Nachweis von Gewässerverunreinigungen durch Mineralöl und
andere organische Substanzen erfordert ein effizientes
Monotoringsystem, das  einerseits hochsensibel ist und andererseits
spezifisch auf diese Stoffe reagiert. Die in Bremerhaven ansässige
GAT Gamma GmbH hat jetzt einen neuartigen Monitor entwickelt, der
diese Anforderungen in Verbindung mit einer hohen Bedienungs- und
Wartungsfreundlichkeit sowie einer sehr großen Anwendungsbreite
verbindet.  Herstellern und Anwendern von Dieselkraftstoffen ist es
wiederum ein wichtiges Anliegen, die Umweltkontamination mit
kanzerogenen Polyaromaten durch die Verbrennungsabgase so gering wie
möglich zu halten. Die Berliner Sepserv GmbH stellt für diesen
Einsatzzweck jetzt eine leistungsfähige Analytik vor, mit der sich
die Dieselkraftstoffe vor ihrem Einsatz hinsichtlich des kanzerogenen
Potenzials hinreichend charakterisieren und einstufen lassen.
    
    Insbesondere im Bereich der pharmazeutischen Produktion kommt dem
Reinstwasser wiederum eine große Bedeutung zu. Die Analytic Jena AG
hat zu diesem Zweck einen "pharma-TOC Analysator"  (TOC = total
organic carbon/gesamter organisch gebundener Kohlenstoff) entwickelt,
dessen Auflösung von 0.1 ppb am unteren Messbereichsende deutlich die
Anforderungen der US-amerikanischen Norm USP 23 übertrifft.
    
    Biochips und elektronische Nasen
    
    Eine neuartige Methode, mit der sich Lebensmittel oder Proben für
medizinische Zwecke in kürzester Zeit untersuchen lassen, basiert auf
der leistungsfähigen Sensorik von Biochips. Diese sind mittlerweile
in der Lage,  komplette Labore sowie tagelange Prüfverfahren zu
ersetzen. Die Sensoroberfläche von Biochips ist mit Tröpfchen vieler
verschiedener Analysesubstanzen bestückt, die völlig unterschiedlich
reagieren. Aus dem Reaktionsmuster der Moleküle können DNA-Experten
die Zusammensetzung der Probe ermitteln. Das in
Villingen-Schwenningen ansässige Institut für Mikro- und
Informationstechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft (HSG-IMIT) stellt
unter dem Namen TopSpot jetzt ein neues Verfahren vor, welches die
Herstellung von Biochips revolutionieren soll. Die Innovation steckt
im Dosierkopf, der bis zu 96 Analysesubstanzen gleichzeitig auf den
Chip bringt. Zum Nachweis genügen bereits Mikrotropfen mit weniger
als einem Nanoliter Volumen. Biosensoren stehen auch im Rampenlicht
des IUT-Institut für Umwelttoxikologie GmbH in Greifswald. Im
Gegensatz zum Sensor von TopSpot besteht die biologische Komponente
des Chips aus immobilisierten Leuchtbakterien, die bei der Einwirkung
von Schadstoffen mit Stoffwechseländerungen reagieren. Die dadurch
hervorgerufene Änderung der Biolumineszenz läßt sich durch einen
optoelektronischen Messwandler in elektrische Signale transformieren.
Die bevorzugten Einsatzmöglichkeiten liegen u.a. in der Überwachung
von Oberflächengewässern und der Kontrolle von Abwassereinleitern.
Darüber hinaus kann der Sensor auch im Rahmen eines Frühwarnsystems
für Trinkwassereinzugsgebiete eingesetzt werden.
    
    Mit intelligenten und nachweisstarken "elektronischen Nasen"
wollen wiederum die Schweriner WMA Airsense Analysentechnik GmbH und
die Müllheimer Achroma GmbH die Analysentechnik revolutionieren.
Elektronische Nasen sind unbestechliche Detektoren, die auf der Basis
der Massenspektroskopie oder mit Hilfe von "Sensorarrays" diverse
Gerüche detektieren. Ihr "Geruchssinn" gestattet es, vor verdorbenen
Lebensmitteln ebenso zu warnen wie vor Leckagen in Industrieanlagen.
    
    Von der Signalübertragung zur kombinatorischen Chemie
    
    Hormone sind Wachstumsfaktoren, die dafür sorgen, daß in der Zelle
sogenannte Signalübertragungswege angeschaltet werden. Dieser Vorgang
sorgt dafür, daß Enzyme produziert und bestimmte Vorgänge im Körper
in Gang gesetzt werden. Ob ein bestimmter Signalübertragungsweg
angeschaltet wurde, läßt sich mit Hilfe von Antikörpern nachweisen.
Die Hamburger Biomol Feinchemikalien GmbH stellt auf der Analytica
2000 eine umfassende Auswahl von Antikörpern für die verschiedensten
Anwendungen vor. Als "Highlight" bezeichnet das Unternehmen die
sogenannten "Caspase-Kits". Caspasen sind Protein-abbauende Enzyme,
die die wichtigsten Schritte des "programmierten Zelltods" (Apoptose)
bewirken. Da die Apoptose bei vielen Erkrankungen des Immunsystems
eine entscheidende Rolle spielt, können mit Hilfe von "Caspase-Kits"
potenzielle Medikamente getestet und bei erfolgreichem Testablauf
auch entwickelt werden.  
    
    Einige Aussteller haben die "Software des Lebens" - genauer gesagt
die DNA oder RNA - in den Fokus ihrer Aktivitäten gestellt. Das
Spektrum reicht von verbesserten Methoden zur DNA- und RNA-Isolation
(Deutsche Dynal GmbH) bis hin zu speziellen Softwarepaketen für die
Genexpression (A1 Biotech GmbH). Solche Aktivitäten sind ebenso ein
Schlüssel für die Suche nach neuen und spezifischeren Medikamenten
wie die modernen Methoden der kombinatorischen Chemie, die im Rahmen
eines "High-Throughput-Screening" (HTS) dazu beitragen, neue
pharmazeutische Leitstrukturen rascher als bisher zu entwickeln. Aus
solchen Leitstrukturen erhält man neue Pharmaka, indem man sie durch
geringfügige chemische Variationen auf die gewünschte Wirkung hin
optimiert. Die Barkey GmbH & Co. KG hat speziell für HTS-Anwendungen
einen "Automatik-Evaporator" entwickelt, der über eine
"Check-in-out-Kontrolle" für die von der Robotic angelieferte
Probengefäßeinheit verfügt. Das flexible System, welches für Micro-,
Macro- und Nanotiterplatten ausgerüstet werden kann, läßt sich
vollautomatisch in unterschiedliche Prozesse und Screening-Anlagen
integrieren.
    
    Weitere Produktneuheiten auf dem hochinnovativen HTS-Sektor
betreffen die von der Eggstätter TecConsult + Trading GmbH
entwickelten Komplettsysteme für parallele Reaktionen. Hierbei ist
die CombiChemStation CCS 224 eine Art Basisgerät, um Reaktionsgefäße
zu schütteln, zu heizen oder über einen Kryostaten zu kühlen. Das
Hinzufügen oder Entfernen von Lösungsmitteln erfolgt über einen
Solvent Manager, "Solvman" genannt, der die Reaktionseinheiten bei
Bedarf auch mit Inertgas (z.B. Argon) versorgt. Die flexiblen
Halbautomaten eignen sich auch für andere Syntheselaboratorien.
    
    Ganz generell setzt die Handhabung kleinster Substanzmengen die
Verfügbarkeit völlig neuartiger Laborgeräte voraus. Einen wichtigen
Meilenstein konnte auf diesem Sektor auch die Ilmenauer Micro-Comp
e.V. nehmen, die auf der Analytica erstmals ihre neuesten
Produktinnovationen - Millimetergroße und nur 2.6 Gramm schwere
Micro-Separatoren, -Extraktoren, -Mixer und -Pumpen -  der
Öffentlichkeit vorstellen.  
    
    Impulse für die medizinische Diagnostik
    
    Medizinern ist es ein Dorn im Auge und seine "Berühmheit" muß eher
als traurig bezeichnet werden. Gemeint ist Heliobacter pylori, ein
Bakterium, das die Magenschleimhaut besiedelt und dort für die
Entstehung von Magengeschwüren bis hin zum Magenkrebs
hauptverantwortlich ist. Die bisherige Standarddiagnostik basiert auf
dem Nachweis von Antikörpern gegen H. pylori, eine indirekte Methode,
die keine unmittelbare Aussage zum Status der Infektion zuläßt. Zur
zuverlässigen Diagnostik stand bisher nur die Endoskopie oder der
vergleichsweise aufwendige 13C-Atemtest zur Verfügung. Die
Martinsrieder Connex GmbH hat mit ihrem Diagnostikum FemtoLab jetzt
ein nicht-invasives Diagnosesystem entwickelt. Mit ihm läßt sich der
aktuelle Infektionsstatus bestimmen, was für eine breite,
zuverlässige und kostengünstige H.pylori-Diagnostik von größter
Bedeutung ist.
    
    Entscheidende Fortschritte in der Diagnose der Autoimmunhepatitis
(AIH) sind wiederum von einer Innovation der Groß Grönauer Euroimmun
GmbH zu erwarten. Die Krankheit manifestiert sich durch einen Anstieg
des Bilirubins, der Leberenzyme und der Immunglobuline. Unbehandelt
geht die AIH bald in eine Leberzirrhose über, bei rechtzeitig
einsetzender und konsequent bis zum Lebensende durchgeführter
immunsuppressiver Therapie haben die Patienten jedoch eine normale
Lebenserwartung. Für die Diagnostik ist u.a. die Abgrenzung zur
Virushepatitis von entscheidender Bedeutung. Das von Euroimmun
entwickelte Verfahren basiert auf einer Bestimmung der Autoantikörper
gegen das sogenannte "Leberantigen/Leber-Pankreas-Antigen" (SLA/LP).
Der große diagnostische Wert der Methode konnte inzwischen klar
erwiesen werden. Das verfahren ist deshalb von großer Bedeutung, weil
die Fehlbehandlung einer AIH mit Interferon ebenso fatale Folgen
haben kann, wie eine immunsuppressive Therapie der Virusinfektion.
    
ots Originaltext: Messe München
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