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Der innere Kompass in der Informationsflut
Woran orientieren sich Manager im Überangebot der Medien?

    Köln (ots) - Manager gelten als einflussreiche "Entscheider" und deshalb als bevorzugte Zielgruppe vieler Medien. Doch wie erkennen Manager relevante Informationen in der täglichen Medienflut und wie gehen sie damit um? Eine tiefenpsychologische rheingold-Studie erbrachte ein überraschendes Ergebnis: Durch Medien initiierte Reflexionen erleben Manager oft als Schwäche oder als Lähmung der eigenen Entschlusskraft. Deshalb wird die Auseinandersetzung mit der Bilder- und Informationsfülle durch den Mut zur Beschneidung, zur rigorosen Reduktion geprägt. Sechs zentrale psychologische Motive bestimmen die Auswahlkriterien in der Vielzahl der Medienangebote: Der Auf- und Ausbau vertrauter Eigenwelten, die Suche nach neuen Impulsen, die Profilierung von Stimmungen, das Aufspüren universeller Lebensordnungen, der Ausweis der Überlegenheit und die Armierung durch Wissen.          Vom Wesen der Manager: Entschiedene Taten sind gewissenlos.          Entscheider im Management stehen beruflich täglich unter Entscheidungszwang. Sie müssen oft Beschlüsse mit weitreichenden Konsequenzen fällen und deshalb durch Kompetenz, Fachwissen und Allgemeinbildung verfügen sowie die Auswirkungen ihrer Entscheidungen antizipieren können. Manager selbst haben den Anspruch, ihre Taten durch Wissen und Reflexion abzusichern. Um so mehr überrascht es, dass sie ihre Entscheidungen meist recht locker und intuitiv "aus dem Bauch heraus" treffen. Situationen, in denen sie ausgiebig über das "für und wider" einer zu treffenden Entscheidung reflektieren, erleben Manager oft als ein Gefühl der Schwächung oder gar Lähmung der eigenen Entschlussfähigkeit: Entschiedene Taten sind aus ihrer Sicht "gewissenlos" und oft nur durch eine radikale Verkürzung des Entscheidungsprozesses möglich.          Medienangebote sind daher für Manager nicht nur eine Entscheidungshilfe, sondern auch eine Belastung, denn die Bilder- und Informationsflut verschärft den Reflexionszwang. Die Mediennutzung wird daher durch den Mut zur Beschneidung geprägt. Rigoros wird die Infoflut reduziert, fokussiert und kanalisiert. Dennoch ist ein Manager-Leben ohne die Auseinandersetzung mit der Bilder- und Informationsfülle undenkbar - doch sie ist überraschend selten rein beruflich geprägt.          Sechs zentrale psychologische Motive bestimmen die Auswahlkriterien und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Medienangeboten.          1. Motiv: Auf- und Ausbau vertrauter Eigenwelten          Vor allem die lokale Tageszeitung schafft durch ihr vertrautes und ewig gleiches Layout, durch den Aufgriff der bereits durch TV oder Radio bekannten Themen des Vortages und ihre lokale Anbindung eine emotionale Heimat. Ihre Lektüre wirkt als beruhigender Puffer vor den befremdlichen Entwicklungen des Tages. Von ihr und zum Teil auch vom Radio wird vor allem ideeller, geistiger und emotionaler Halt erwartet.          2. Motiv: Neue Impulse aufsuchen          Medien sollen aber auch die vertrauten Eigenwelten aufstören, Denkanstöße geben und neue Perspektiven eröffnen. Sie haben neben ihrer Beruhigungs- auch eine Dynamisierungsfunktion. Vor allem im Internet, aber auch in Fachzeitschriften oder Tageszeitungen sucht man überraschende Hinsichten und Einsichten. Durch den Verzicht auf eine starre geistige Ausrichtung, durch eine dynamische Aufmachung und sporadische Umgestaltungen des Designs sollen Medien Aufbruchsgeist und Wandlungsfähigkeit dokumentieren.          3. Motiv: Stimmung profilieren          Entscheider nutzen Medien auch als Stimmungs-Apotheke. Medien können einerseits Entspannungen vertiefen, andererseits aber auch Arbeitsverfassungen aufrecht erhalten. Der wichtigste Stimmungsprofilierer ist das Radio, denn es kann jederzeit und überall genutzt werden. Spielend leicht kann man an der Stimmungsschraube drehen und auf einen anderen Kanal und damit Gemütszustand switchen. Aber auch die Rubriken der Tageszeitung oder das Fernsehen werden als Stimmungshilfe genutzt.          4. Motiv: Universelle Lebensordnungen aufspüren          Medien dienen nicht nur zur neutralen Information, sondern der persönlichen Auseinandersetzung mit den ewigen Fragen und Wendungen des Lebens. Die Nachrichten aus Politik, Sport oder Wirtschaft spiegeln - gleichnishaft - auch immer die eigenen Bedingungen und Wechselfälle des Lebens. In den Trennungsgeschichten von Boris und Babs oder in den Zerwürfnissen von Parteifreunden erfährt man etwas über eigene Ehedramen. Vor allem das Fernsehen mit seinen Spielfilmen und Seifenopern oder die Boulevard-Presse haben daher die Funktion eines Orakels und Horoskops: Sie verraten - sinnbildlich - was die Alltagswelt im Innersten zusammenhält: In rationalen Fakten soll das Menschliche und im Menschlichen soll das für unser Leben Grundlegende durchscheinen.          5. Motiv: Kompetenz und Überblick ausweisen          Nach dem Motto ‚dahinter steckt immer ein kluger Kopf' sollen Medien auch die Überlegenheit des Entscheiders nach außen demonstrieren. Vor allem mit den überregionalen Tageszeitungen oder mit Wochentiteln wie Spiegel oder Focus wollen Entscheider ausweisen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind und über fundiertes Wissen verfügen. Zeitungen oder Magazine müssen daher sinnlich-sichtbar und ideell bedeutungs-stark sein, Gewicht und Gesicht dokumentieren und eine schnelle Orientierung ermöglichen.          6. Motiv: Sich mit Wissen armieren          Medien dienen schließlich auch dem Ausbau der eigenen Kompetenz: Vor allem die überregionalen Tageszeitungen oder Wirtschaftstitel wie das Handelsblatt oder die Financial Times bieten umfassende Informationen und stärken dadurch das Expertenwissen. Von diesen Medien wird eine hohe Absenderkompetenz, bekannte Köpfe und gute Recherchen, eine gefestigte Tradition und ein Objektivität vermittelndes Design erwartet.          Die Wissensarmierung durch die Medien wird von den Entscheidern jedoch sehr ambivalent erlebt. Sie führt ihnen immer wieder vor Augen, dass in der Welt ungeheuer viel passiert ist, an dem sie nicht mitentschieden haben. Von daher findet die Mediennutzung häufig dann ein befriedigendes Ende, wenn man die Zeitung zerreißt und wegwirft und damit beweisen kann, dass man die Welt im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand hat.          Fakten zur Studie:          "Mediennutzung bei Entscheidern" ist eine Grundlagenstudie, die im Auftrag der Tageszeitung "Die Welt" von rheingold im Frühjahr 2002 auf der Basis von 60 tiefenpsychologischen Interviews mit Managern aus unterschiedlichen Branchenbereichen durchgeführt wurde.          Projektleitung:     Dipl.-Psych. Susanne Wiesmann     Dipl.-Psych. Stephan Grünewald


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Thomas Strätling
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