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01.10.2020 – 08:30

Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e. V.

Auswirkungen von Wasserkraft auf Gewässerökologie werden überschätzt

Auswirkungen von Wasserkraft auf Gewässerökologie werden überschätzt
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"Auswirkungen von Wasserkraft auf Gewässerökologie werden überschätzt"

Die Bayerischen Wasserkraftverbände VWB und LVBW fordern, alle Einflüsse, die auf Gewässer einwirken, bei der Beurteilung der Qualität und Durchgängigkeit von Flüssen offen zu diskutieren. Darüber hinaus sollten wichtige Funktionen von Wasserkraftanlagen wie Hochwasserschutz und Grundwassersicherung bei der Bewertung der Wasserkraft mit einbezogen werden.

München/Regensburg, 1. Oktober 2020. Mit fortschreitender Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist die Wasserkraft in die Diskussion geraten. "Von diversen Seiten wird daran gearbeitet, die älteste Erneuerbare-Energien-Technologie im Freistaat zu diskreditieren und zurückzudrängen und das mit einer zunehmenden Vehemenz", stellt Michael Müller, Vorstandsmitglied der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V., mit Bedauern fest. Dabei werde mit Regelmäßigkeit auf zwei Themen fokussiert: Wasserkraftanlagen seien die Hauptverursacher für eine mangelhafte Qualität der Gewässer und sie würden maßgeblich zur ungenügenden Durchgängigkeit von Flüssen beitragen, so die Kritiker. "Diese pauschalen Schuldzuweisungen greifen zu kurz", sagt Otto Mitterfelner, Mitglied des Vorstands des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) eG. "Dabei wird vernachlässigt, dass diverse andere Faktoren in der Summe einen viel größeren Einfluss auf den Zustand der Gewässer haben als unsere Anlagen." Zudem würden die vielen positiven Effekte und wichtigen Funktionen von Wasserkraftanlagen, die sie zusätzlich zur klimaschonenden Energieerzeugung haben, nicht berücksichtigt. Angefangen mit dem Hochwasserschutz über die Grundwassersicherung bis hin zur Schaffung von Biotopen. In dieser Stellungnahme erläutern die Verbände VWB und LVBW die wichtigsten Faktoren.

Wasserkraftanlagen zur Existenzsicherung bayerischer Unternehmen erhalten

Zunächst einmal müsse man sich die Historie der Wasserkraft in Bayern vor Augen führen, die bis heute eine Relevanz nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die bayerische Wirtschaft hat. Bis 1926 deckten rund 11.900 Wasserkraftanlagen nahezu den gesamten Strombedarf des Freistaats. Müller, Sägewerksbesitzer und Handwerker nutzten das Gefälle, um mit Wasserkraft ihre Maschinen anzutreiben und Strom für die Erzeugung von Mehl, Baumaterialien aus Holz etc. herzustellen. Noch heute werden viele kleine Anlagen von Müllern, Sägewerksbesitzern und Handwerksunternehmen betrieben. Die Wasserkraftwerke sichern den Fortbestand der kleinen und mittelständischen bayerischen Handwerksbetriebe mit wichtigen regionalen Wertschöpfungsketten. Werden die Rahmenbedingungen für den Anlagenbetrieb verschlechtert, so hat das eine unmittelbare Auswirkung auf die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Unternehmen.

Geringer Anteil an Querbauwerken mit Wasserkraftanlagen

Laut Landesamt für Umwelt (LfU) sind derzeit 4.248 Wasserkraftwerke im Freistaat in Betrieb. Nach einer Umfrage des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) sind rund 70 Prozent davon mit Fischaufstiegshilfen ausgestattet. Anders gesagt, nur 1.275 Wasserkraftanlagen sind nicht durchgängig. Laut WWF-Studie sollen in Bayern aber von den insgesamt 57.000 Querbauwerken 89 Prozent und damit 50.730 nicht durchgängig sein.

"1.275 versus 50.730 - die Zahlen sprechen für sich", kommentiert Müller. Wenn man die Zahlen der WWF-Studie und die Umfrage der Wasserkraftwerksverbände zugrunde legt, kann nur knapp jedes 40. Querbauwerk, das nicht passierbar ist, einem Wasserkraftwerk zugeordnet werden. Für die restlichen Kraftwerksbetreiber sollte der Staat Anreize schaffen, um diese ebenfalls noch durchgängig zu gestalten. In anderen Bundesländern hat man dies bereits erkannt. Der weit überwiegende Teil der nicht passierbaren Querbauwerke befindet sich in öffentlicher Hand.

Kleine Wasserkraft deckt Strombedarf der Oberpfälzer Haushalte

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sich die Diskussion verschoben hat. Viele der heute in Bayern existierenden Wasserkraftwerke sind seit über 100 Jahren in Betrieb. "Leider gehört es auch zur Wahrheit, dass knapp zwei Drittel aller Anlagen in der Zwischenzeit aufgegeben werden mussten, ohne dass die Ökologie in den Flüssen seither besser geworden wäre", sagt Müller. Die Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf die Ökologie hält er deshalb für überschätzt.

Zudem erzeugen allein die kleinen Wasserkraftanlagen in Bayern über eine Milliarde CO2-freie Kilowattstunden Strom im Jahr. Das entspricht dem Strombedarf aller Haushalte im Regierungsbezirk Oberpfalz. Warum eine altbewährte Technologie zerstören, die durch strenge Auflagen naturverträglicher ist als früher, und damit einen wertvollen, etablierten Anteil an der regenerativen Stromerzeugung zunichtemachen?

Und was würde der Rückbau von bestehenden Anlagen bedeuten, wie es von verschiedenen Seiten gefordert wird? Dies erläutern die Verbände am Beispiel eines kleinen Wasserkraftwerks. Mit zwei Meter Fallhöhe bräuchte man bei einem Gefälle von 0,5% eine Flusslänge von 400 Metern. Häufig ist dieser Platz gar nicht vorhanden. Denn dort, wo vor vielleicht 500 Jahren der Fluss in großen Schleifen breit mäanderte, sind heute Brücken, Häuser, Felder und Wiesen. Die heutige Siedlungsstruktur würde den geforderten Rückbau erschweren, wenn nicht unmöglich machen.

Wasserkraftanlagen liefern wertvolle Beiträge für die Gesellschaft

Dazu kommen weitere wichtige Funktionen von Wasserkraftwerken. Vor jeder Anlage befindet sich ein Stauraum, der für Gewässerorganismen auch bei Trockenheit einen Rückzugsort bildet. Zudem wird dadurch der Grundwasserspiegel konstant gehalten. Ein Aufstauen oder ein Absenken des Oberwasserspiegels ist für den Betreiber nicht zulässig.

Auch auf der Seite unterhalb des Wasserkraftwerks wechseln sich Bereiche mit Strömung mit stehenden Gewässern und seichten Kiesbänken mit tiefen Becken ab. Hier finden unterschiedlichste Tierarten mit ihren speziellen Anforderungen Lebensraum, wie er an Fließstrecken oft nicht mehr vorhanden ist.

Würde man all dies zurückbauen, hieße das auch, dass sich nicht mehr der Betreiber um die Anlage mit Hochwasserentlastung, Schleusen, Uferbefestigung usw. kümmern muss, sondern der Staat. Dadurch würden der Allgemeinheit zusätzliche Kosten entstehen.

Wenn im Falle eines Hochwassers niemand die jetzt vorhandene Hochwasserentlastung öffnen würde, wären Überflutungen von Kellern und Feldern die Folge. Hinzu kommt, dass die Betreiber von Wasserkraftanlagen jedes Jahr Tonnen von Wohlstandsmüll aus den Gewässern holen und entsorgen - auf ihre eigenen Kosten. Auch das schont die Staatskasse.

Ökologischer Zustand der Fließgewässer - Multiple Störfaktoren beachten

Das zweite große Themenfeld ist der schlechtere ökologische Zustand, für den die Wasserkraft häufig pauschal verantwortlich gemacht wird. Um den Zustand umfassend zu beurteilen, werden die im Gewässer vorkommenden Lebewesen, Flora und Fauna, ermittelt und mit den zu erwartenden Beständen verglichen. Häufig entspricht das Vorkommen der Fische in Bezug auf Art und Anzahl bzw. Größe nicht den Erwartungen, die in der Referenz-Fischzönose festgelegt werden, sagt LVBW-Vorstand Otto Mitterfelner. In den Referenz-Fischzönosen ist festgelegt, welche Fischbestände unter weitgehend unbeeinträchtigten Bedingungen für definierte Fließgewässerabschnitte zu erwarten sind. Für erheblich veränderte und künstliche Fließgewässer orientieren sich die Festlegungen an einem Zustand, in dem alle reversiblen Beeinträchtigungen beseitigt sind. Das Fischvorkommen verändere sich durch vielfältige Einflüsse, betont Mitterfelner.

Ein Beispiel sind Wohlstands-Chemikalien, die nicht durch die Kläranlagen ausgefiltert werden und so in Flüsse gelangen. Dazu kommen eine hohe Belastung der Gewässer durch diffuse Stoffe aus oberflächennahen Einträgen, Begradigung durch Flurneuordnungen, Einengung des Gewässers durch Siedlungsdruck sowie Klimaveränderungen durch CO2-Belastung und Erderwärmung. Weiterhin haben Versiegelung, Versauerung und Versalzung durch die Einleitung der Straßenentwässerung negative Auswirkungen.

Diese multiplen Störfaktoren, die auf ein Gewässer einwirken können, sind somit vielfältiger Natur und haben mit der Wasserkraftnutzung zum Teil wenig oder gar nichts zu tun. Kritiker, die meinen, dass sich ihre jeweiligen Ziele allein mit mehr Restwasser, einer Durchgängigkeit oder der pauschalen Forderung zum Rückbau von Wasserkraftanlagen durchsetzen ließen, werden den komplexen Einflüssen, die auf Gewässer wirken, nicht gerecht.

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Hintergrundinformation: Wasserkraft in Bayern

Die Wasserkraft ist die älteste Erneuerbare Energien-Art in Bayern. Sie ist grund-, mittel- und spitzenlastfähig sowie speicherfähig. Sie liefert konstant und zuverlässig CO2-frei Strom und trägt zur Stabilität und Flexibilität der regionalen Netze bei. Rund 4.000 Wasserkraftwerke sind in Bayern in Betrieb. In den vergangenen Jahren trugen die Anlagen durchschnittlich zwischen 13 und 15 Prozent zur Bruttostromerzeugung im Freistaat bei.

www.wasserkraft-bayern.de / www.lvbw-wasserkraft.de / www.wasserkraft-ja-bitte.com

Über die Verbände und die Initiative "Wasserkraft - Ja bitte!"

Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V. vertritt die Interessen von über 650 Wasserkraftwerksbetreibern in Bayern im engen Schulterschluss mit dem Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke eG und dem Bayerischen Müllerbund e.V. Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern verfolgt das Ziel einer nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft, die sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten gleichwertig entspricht. www.wasserkraft-bayern.de

Der Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW eG) ist der freiwillige Zusammenschluss von rund 630 Wasserkraftwerken und wurde schon 1948 gegründet. Seit über 70 Jahren vertritt er die Belange der Wasserkraftwerksbetreiber in politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten. Der LVBW eG versucht bildend Fachwissen weiter zu vermitteln und Unwahrheiten aufzudecken, um nachfolgenden Generationen eine saubere Umwelt zu hinterlassen. www.lvbw-wasserkraft.de

"Wasserkraft - Ja bitte!" ist eine Initiative der Wasserkraftunternehmen in Bayern. Die Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) ist Partner der Initiative. www.wasserkraft-ja-bitte.com

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Pressekontakt:

Dr. Josef Rampl

Leiter der Geschäftsstelle Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V.

Karolinenplatz 5a, 80333 München

Tel.: 089 / 28 80 56 70

E-Mail: josef.rampl@wasserkraft-bayern.de

Otto Mitterfelner

Vorstandsmitglied LVBW

Tel.: 08121 / 41321

Mobil: 0171 30 39 408

E-Mail: srw.mitterfelner@t-online.de

Mona Richthammer

Geschäftsstelle Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke (LVBW) eG

Sandweg 1a, 93161 Sinzing - Eilsbrunn

Tel.: 0 94 04 / 95 41 88

E-Mail: info@lvbw-wasserkraft.de

Ann-Kathrin Behnisch

Initiative "Wasserkraft - Ja bitte!" im

Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. - VBEW

Tel.: 089 / 38 01 82 - 45

E-Mail: info@wasserkraft-ja-bitte.com

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dieser Pressemitteilung gehen die bayerischen Wasserkraftverbände VWB und LVBW auf häufig geäußerte Kritikpunkte an Wasserkraftanlagen ein und sie erläutern positive Effekte und wichtige Funktionen dieser Technologie: angefangen von der Sicherung des Fortbestands von kleinen und mittelständischen bayerischen Betrieben über den Hochwasserschutz bis hin zur Schaffung von Biotopen.

Nicht zu vergessen, dass die Wasserkraft die älteste Erneuerbare-Energien-Technologie im Freistaat ist und mit dem CO2-freien Strom nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leistet.

Gern stehen die Verbände Ihnen für Interviews und Rückfragen zur Verfügung.

Wir würden uns freuen, wenn Sie das Thema aufgreifen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ina Röpcke
PR Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern e.V.
Gollierplatz 2
80339 München
Tel. 089 / 500 788 15
Mobil: 0177 / 381 75 20
info@inaroepcke-pr.de
Weiteres Material zum Download

Dokument: PM VWB_LVBW, 01.10.20.docx