Alle Storys
Folgen
Keine Story von AOK Rheinland/Hamburg mehr verpassen.

AOK Rheinland/Hamburg

AOK-Gesundheitsreport: In der Pandemie sinkt die Zahl der vermeidbaren Krankenhausfälle

AOK-Gesundheitsreport: In der Pandemie sinkt die Zahl der vermeidbaren Krankenhausfälle
  • Bild-Infos
  • Download

Ein Dokument

In der Pandemie sinkt die Zahl der vermeidbaren Krankenhausfälle

Der neue Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg zeigt außerdem: Polypharmazie nach Klinikaufenthalten gefährdet vor allem ältere Menschen.

Düsseldorf/Hamburg, 29.04.2022

Eine frühzeitige und hochwertige ambulante Versorgung könnte manchen Klinikaufenthalt unnötig machen. Doch die Zahl der vermeidbaren Krankenhausfälle ist seit Jahren groß. Während der Corona-Pandemie ist sie allerdings erheblich zurückgegangen: um mehr als 20 Prozent. Die Abrechnungsdaten der AOK Rheinland/Hamburg belegen außerdem, dass sich bei einem Krankenhausaufenthalt häufig Änderungen im Medikationsplan ergeben. Zwei von drei Versicherten ab 65 Jahren, die zuvor nur wenige oder keine Arzneimittel eingenommen hatten, bekamen im ersten Quartal nach einer stationären Behandlung fünf oder mehr Medikamente verschrieben und tragen damit ein höheres Risiko, dass sich die verschiedenen Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen und zu Problemen führen können.

Der Gesundheitsreport 2022 der AOK Rheinland/Hamburg liefert einen umfangreichen Überblick über Entwicklungen in der regionalen Gesundheits- und Versorgungssituation an Rhein und Ruhr sowie in Hamburg. Darin werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie, der Zugang zur Versorgung sowie Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln thematisiert. Eine zentrale Erkenntnis aus dem Kapitel zu den Pandemiefolgen betrifft die ambulant-sensitiven Krankenhausfälle (ASK). Also solche, bei denen angenommen wird, dass sie durch eine effektive und rechtzeitige ambulante Versorgung hätten verhindert werden können.

Im Jahr 2020 wurden 21 Prozent weniger dieser ASK-Fälle im Krankenhaus behandelt als in den Vorjahren. Das zeigen die Versicherten-Daten der AOK Rheinland/Hamburg. Verglichen wurde dafür das erste Jahr der Corona-Pandemie mit den Durchschnittswerten der Jahre 2017 bis 2019. Am stärksten rückläufig waren Krankenhausfälle aufgrund von Atemwegs- und Grippe-Erkrankungen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schmerzen des Bewegungsapparats oder Sucht-Erkrankungen wurden deutlich seltener stationär behandelt als in den Vorjahren.

„Die Notwendigkeit einer Stärkung der ambulanten Versorgung ist im Gesundheitswesen und in der Politik inzwischen unbestritten“, sagt Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Krankenhausaufenthalte sollten nur dann stattfinden, wenn sie medizinisch wirklich notwendig sind. Von einer qualitativ hochwertigen, sektorenübergreifenden Versorgung profitieren besonders die Patientinnen und Patienten.“

Hunderttausende Corona-Infizierte und eine angespannte Lage in einigen Krankenhäusern haben im Jahr 2020 zu Ängsten vor Ansteckungen geführt. Die AOK-Zahlen zeigen, dass besonders in den Lockdown-Monaten häufiger auf eine Abklärung in der Klinik verzichtet wurde: Im April 2020 gingen die ASK-Fälle um 46 Prozent zurück, im Mai um 34 Prozent, im November um 28 Prozent und im Dezember um 32 Prozent.

Vermeidbare Krankenhausfälle bei Pflegebedürftigen gehen im ersten Pandemiejahr um 16 Prozent zurück

Auch die potenziell vermeidbaren Krankenhausfälle bei Pflegebedürftigen wurden näher betrachtet. Wenn ältere Menschen aus dem Pflegeheim in ein Krankenhaus kommen, können die psychische Belastung, Infektionen oder das lange Liegen für diese Patientengruppe gefährlich werden. Hier gilt: Viele Klinik-Einweisungen könnten bei guter Prävention vermieden werden. Gemeint sind damit Fälle wie Knochenbrüche, Wunden, Ernährungsprobleme, Gelenkversteifungen oder Harnwegsinfektionen.

Im Jahr 2020 sind die potenziell vermeidbaren Krankenhausfälle bei Pflegebedürftigen um 16 Prozent zurückgegangen, wie die Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg zeigen. Auch hier zeigen sich Spitzen in den Lockdown-Zeiten (minus 31 Prozent im April, minus 23 Prozent im Mai) sowie im Hochsommer (minus 24 Prozent im Juli). Außerdem wurde für die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen im ersten Jahr der Corona-Pandemie seltener ein Rettungswagen gerufen. Die Zahl solcher Notfallfahrten ging um durchschnittlich fünf Prozent im Gebiet der AOK Rheinland/Hamburg zurück.

Die Zahl der Notaufnahmen ist in den Jahren vor der Pandemie stetig gestiegen. Gerade hochbetagte Menschen werden bei akut auftretenden Erkrankungen häufig auch dann mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht, wenn eine notärztliche Versorgung medizinisch gar nicht erforderlich ist. Deshalb ist es wichtig, neue Ansätze zu erproben, wie dies zum Beispiel in dem Projekt Optimal@NRW bereits geschieht. „Mit gut ausgebildeten Praxisassistenzkräften und dem Einsatz intelligenter telemedizinischer Lösungen kann es gelingen, vermeidbare Klinikeinweisungen zu verhindern und die notwendigen Behandlungen vor Ort zu erbringen“, sagt Günter Wältermann.

Polypharmazie gefährdet ältere Menschen

Im dritten Teil des Gesundheitsreports 2022 geht es um die Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln. Auch hier spielt das Thema Krankenhaus eine Rolle. Denn: Klinikaufenthalte führen nicht selten zu umfangreichen Änderungen im Medikationsplan. Die AOK Rheinland/Hamburg hat ermittelt, dass rund zwei Drittel (67 Prozent) der Versicherten ab 65 Jahren, die zuvor nur wenige

oder keine Arzneimittel eingenommen hatten, im ersten Quartal nach einem Krankenhausaufenthalt fünf oder mehr Medikamente verschrieben bekamen (Polypharmazie). Damit einher geht das Risiko, dass sich verschiedene Wirkstoffe gegenseitig beeinflussen und zu Problemen führen können.

„Unerwünschte Wechselwirkungen von Arzneimitteln stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, das nicht selten zu schweren Krankheitsverläufen führt. Unsere Analysen zeigen, dass 4,5 Prozent der Versicherten ab 65 Jahren im Untersuchungszeitraum eine potenziell schädliche Arzneimittelkombination verordnet bekommen haben“, sagt Frauke Repschläger, Pharmazeutin bei der AOK Rheinland/Hamburg. Keine Berücksichtigung haben bei dieser Auswertung Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gefunden, die rezeptfrei erworben wurden und somit noch hinzukommen.

Bestimmte Arzneimittel erhöhen das Sturzrisiko

Doch auch einzelne Medikamente können bereits gefährlich werden. Bestimmte Antidepressiva und Schlafmittel beispielsweise erhöhen bei älteren Patientinnen und Patienten das Sturzrisiko. Die Statistiken der AOK Rheinland/Hamburg zeigen: Bei mehr als jedem fünften Versicherten ab 65 Jahren, der wegen Knochenbrüchen im Krankenhaus behandelt wurde, waren zuvor solche Medikamente verordnet worden. „Diese Zahlen belegen noch keinen ursächlichen Zusammenhang, sie sollen aber für das Thema sensibilisieren. Zu einer Sturzprophylaxe gehört auch die kritische Überprüfung der Medikamente“, sagt Frauke Repschläger.

Zur Stärkung des Patientenschutzes und zur Reduzierung von Polypharmazie wird im Projekt OBERBERG_FAIRsorgt die Medikation geriatrischer Patientinnen und Patienten durch ein interdisziplinäres Team laufend geprüft und angepasst. Hierzu werden Versorgungspläne erstellt und interdisziplinäre Fallkonsile mit allen behandelnden Fachärztinnen und Fachärzten und den Apothekerinnen und Apothekern durchgeführt.

Reserveantibiotika machen 2019 noch die Hälfte aller Antibiotikaverschreibungen aus

Bei einer weiteren Arzneimittelgruppe ist ebenfalls besondere Vorsicht geboten: Reserveantibiotika. Diese sollten nur bei Infektionen durch multiresistente bakterielle Krankheitserreger zum Einsatz kommen. Nur so können Resistenzen vermieden und die Wirksamkeit dieser Medikamente erhalten werden. Der Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg zeigt aber, dass Reserveantibiotika im Jahr 2019 noch fast die Hälfte (49 Prozent) aller Antibiotikaverschreibungen ausgemacht haben. Antibiotika sind wertvolle Medikamente zur Behandlung von Infektionskrankheiten. Werden sie falsch oder zu häufig eingesetzt, können Resistenzen auftreten und die Wirksamkeit herabgesetzt werden.

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium wirbt mit der Kampagne „Rationale Antibiotikaversorgung in NRW“ schon seit längerer Zeit für einen bedachten Umgang mit Antibiotika. Unterstützt wird das Ministerium dabei von den gesetzlichen Krankenkassen, Ärzte- und Apothekerkammern, den Kassenärztlichen Vereinigungen, der Krankenhausgesellschaft sowie der Landesbehinderten- und Patientenbeauftragten. Ziel ist es, eine indikationsgemäße Verschreibung und gleichzeitig die korrekte Anwendung von Antibiotika zu fördern.

Pressestelle AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse
Kasernenstraße 61
40213 Düsseldorf
Telefon 0211 8791-28219 
presse@rh.aok.de
www.aok.de/rh
www.facebook.com/AOKRH