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26.11.2020 – 12:02

AOK Rheinland/Hamburg

Prothesenwechsel: Starke Qualitätsunterschiede in den Kliniken

Prothesenwechsel: Starke Qualitätsunterschiede in den Kliniken
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Wechsel von künstlichen Hüft- oder Kniegelenken: Den meisten Krankenhäusern fehlt die Routine

Daten der AOK Rheinland/Hamburg zeigen,

dass sich Patienten häufig Kliniken

mit nur geringen Fallzahlen anvertrauen.

Dort besteht aber ein höheres Komplikationsrisiko.

Vorstand setzt sich für Mindestmengen in Krankenhäusern ein

Düsseldorf, 26.11.2020 - Bei einem Austausch von künstlichen Knie- oder Hüftgelenken unterscheidet sich die Behandlungsqualität der Krankenhäuser deutlich. Das haben Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg und des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) ergeben. Qualität und Quantität stehen hier häufig in einem Zusammenhang. Das heißt: In Kliniken, in denen seltener Knie- oder Hüftendoprothesen gewechselt werden, besteht für Patienten ein vergleichsweise höheres Komplikationsrisiko. Können die Häuser dagegen mehr Fallzahlen bei diesen Operationen vorweisen, steigen die Chancen, dass Behandlungs- und Genesungsprozesse wie erhofft verlaufen.

In den Städten und Kreisen der AOK Rheinland/Hamburg hat sich zuletzt jeder siebte Versicherte für eine Erneuerung seiner Hüftprothese einer Klinik anvertraut, die im Schnitt weniger als eine Operation dieser Art pro Monat durchführt. Bei einem Tausch der Knieprothese hat sogar jeder vierte Patient ein solches Haus ausgewählt. Doch Experten warnen: "Der Wechsel eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks ist ein komplexer Eingriff, der viel Erfahrung und eine spezielle medizinische Logistik erfordert", sagt Prof. Andreas Halder, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC).

Fast jedes zweite Haus an Rhein und Ruhr wechselte Hüftprothesen seltener als einmal im Monat

Im Jahr 2018 haben 93 Krankenhäuser im Rheinland und in großen Teilen des Ruhrgebiets einen Hüftprothesenwechsel angeboten. 40 von ihnen haben in genanntem Jahr diese Operation allerdings seltener als einmal im Monat praktiziert. Besonders häufig - auch das zeigen die Daten der AOK Rheinland/Hamburg - haben sich Versicherte am Niederrhein für eine Adresse mit derart wenigen Fallzahlen entschieden: In den Kreisen Kleve und Viersen waren es rund 38 Prozent, in Krefeld 28 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei einem Wechsel der Knieprothese: 79 Kliniken an Rhein und Ruhr hatten diese Operation im Jahr 2018 in ihrem Angebot, 40 davon haben sie aber weniger als einmal pro Monat durchgeführt - und damit gut die Hälfte der Krankenhäuser.

Unter Experten gilt gerade die Erneuerung einer künstlichen Hüfte als komplikationsträchtiger als eine Erst-Implantation. Häufig lässt sich das neue Implantat nach Entfernung der alten Prothese schwieriger verankern. Analysen des WIdO haben ergeben, dass deutschlandweit bei jedem siebten Hüftprothesenwechsel innerhalb eines Jahres erneut operiert werden musste. In Kliniken mit einem Fall oder durchschnittlich noch weniger Fällen pro Monat lag die Revisionsrate um ein Viertel höher als in Krankenhäusern mit mindestens einem Fall pro Woche. Die Sterblichkeitsrate war sogar um 113 Prozent erhöht.

Auch bei der Erneuerung einer Knieprothese verläuft der erste Eingriff längst nicht immer wie erhofft: Insgesamt musste hier deutschlandweit in 8,5 Prozent der Fälle mit einer weiteren Operation innerhalb eines Jahres nachgebessert werden. In Kliniken mit durchschnittlich weniger als einer dieser Operationen pro Monat lag das Risiko für die Notwendigkeit eines zweiten Eingriffs um das 1,44-fache höher als in Häusern mit mehr als einer Operation dieser Art pro Woche. Mögliche Komplikationen können zum Beispiel eine fehlerhafte Lage des Implantats oder auftretende Wundinfektionen sein.

Ärzte empfehlen, das Krankenhaus sorgfältig auszuwählen

Die Orthopädie-Gesellschaft DGOOC empfiehlt Patienten, sich bei einem Prothesenwechsel für ein spezialisiertes Zentrum zu entscheiden. Ausreichend Zeit für die Klinikwahl ist meist gegeben, da sich ein erforderlicher Prothesenwechsel in der Regel langsam ankündigt. Meist müssen künstliche Knie- oder Hüftgelenke erneuert werden, wenn sie sich gelockert haben oder Verschleißerscheinungen zeigen. Unter Medizinern gilt der Wechsel als komplikationsanfälliger als die Erstimplantation. Bis zu 20 Jahre ist ein Gelenkersatz heutzutage einsatzfähig.

AOK Rheinland/Hamburg fordert Mindestmengen für bessere Qualität

Die AOK Rheinland/Hamburg setzt sich dafür ein, das Profil von Kliniken durch eine patientenorientierte Krankenhausplanung zu stärken: "Um Qualität, Kompetenzen und Innovationsfähigkeit der Krankenhausversorgung zu verbessern, bedarf es insbesondere einer Höhersetzung und Erweiterung von Mindestmengen auf Landes- und Bundesebene", fordert Vorstandsmitglied Matthias Mohrmann.

AOK-Gesundheitsnavigator hilft bei der Arzt- und Klinik-Suche

Bei der Suche nach dem passenden Krankenhaus oder nach niedergelassenen Ärzten finden Patienten im AOK-Gesundheitsnavigator schon seit Jahren eine komfortable Orientierungshilfe, einzusehen unter www.aok.de/gesundheitsnavigator. Ab Donnerstag, 26. November 2020, geht eine neue, deutlich umfangreichere und noch aussagekräftigere Version online, die den Nutzern jetzt zusätzlich eine Hebammen-Suche und Kontaktinformationen für Notfälle bietet.

Unter anderem macht der AOK-Gesundheitsnavigator die Qualitätsunterschiede von vielen Kliniken in ganz Deutschland transparent, die Knieprothesen wechseln. Diese Informationen vervollständigen viele bereits verfügbare Qualitätsdaten zur Erstimplantation von Knie- und Hüftgelenken sowie zum Wechsel von Hüftprothesen, aber auch zu anderen häufigen Eingriffen wie Blinddarm-Entfernungen.

Dahinter steht das Verfahren zur "Qualitätssicherung mit Routinedaten" (QSR). Hierbei wird nicht nur der Klinikaufenthalt ausgewertet, es wird der gesamte Behandlungsverlauf betrachtet. Denn erst über den Klinikaufenthalt hinaus zeigt sich der Erfolg eines Prothesenwechsels. Der Gesundheitsnavigator hat keinen kommerziellen Hintergrund. Seine Nutzung ist kostenfrei und für jeden Interessierten möglich.

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