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10.10.2019 – 07:00

The Asian Vision Institute

Gewissen vor Zwang: Das Asian Vision Institute appelliert an die Europäische Union, bei ihren Überlegungen zur Zusammenarbeit mit Kambodscha im Rahmen des "Alles außer Waffen"-Handels einen Mittelweg zu finden

Phnom Penh, Kambodscha (ots/PRNewswire)

- Offizielle Vertreter der Europäischen Kommission und des Europäischen Auswärtigen Dienstes bewerten derzeit die Einhaltung der "Alles außer Waffen"-Vereinbarung (Everything But Arms, EBA) durch Kambodscha. Das EBA-Prinzip erlaubt es Kambodscha, Produkte, mit Ausnahme von Waffen, zoll- und quotenfrei in die EU zu exportieren.

Offizielle Vertreter in Brüssel lassen verlauten, dass die EU sich um eine Zusammenarbeit mit den kambodschanischen Behörden bemüht, um hier einen guten Kompromiss zu finden. Das Asian Vision Institute (AVI), das sich der Aufgabe verschrieben hat, inklusive und nachhaltige Gesellschaften zu fördern, unterstützt das Engagement der EU auf der Suche nach positivem Ergebnissen aus vollem Herzen.

Im Weltvergleich verfügt Kambodscha über eine der im Durchschnitt jüngsten Arbeitnehmerschaften. Hier arbeiten rund 800.000 Frauen und Männer in der Bekleidungs-, Schuh- und Gepäck-Industrie. Der Export von Kleidung macht knapp 40 Prozent des kambodschanischen BIP aus. Und die EU ist für Textilprodukte aus Kambodscha mit einem Anteil von rund 46 Prozent dabei der größte Markt.

Sollte die EBA-Vereinbarung aufgekündigt werden, könnten 250.000 Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Hersteller sagen zwar, dass sie sich auch ohne die Zollvereinbarung zu behelfen wüssten und die Produktivität steigern würden, allerdings haben sie nur wenig oder sogar gar keinen Spielraum.

Nach Schätzungen werden die europäischen Einzelhandelspreise für Waren, die in Kambodscha hergestellt werden, ohne den EBA-Deal um rund 12 Prozent steigen. Dabei gibt es die Beziehung zwischen Kambodscha und der EU, von der beide Seiten profitieren, schon lange.

Die Regierung von Kambodscha sagt, dass sie ihre Souveränität nicht gegen Hilfsleistungen oder eine Vorzugsbehandlung eintauschen werde. Die EU ihrerseits sieht sich gegenüber ihren Mitgliedsstaaten in der Verantwortung, zumal es die Werte, die ihr besonders wichtig sind, hochhalten will. Die Linien sind also klar vorgezeichnet und irgendwo zwischen den beiden Positionen bleibt Raum für Toleranz, für Flexibilität und für den Einfallsreichtum, der das EBA-Prinzip überhaupt erst möglich gemacht und Millionen von Menschen aus der Armut geholt hat. Kambodscha ist für den Beitrag, den die EU für die Verringerung von Armut geleistet hat, dankbar.

Vor diesem Hintergrund fordert das Asian Vision Institute die EU auf, einen objektiven, ganzheitlichen und humanitären Ansatz in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Eine Aufkündigung wird Auswirkungen auf die Existenzgrundlage von Hunderttausenden von kambodschanischen Arbeiterinnen und Arbeiter und ihre Familien haben, wobei der Kollateralschaden für die Wirtschaft noch gar nicht beziffert werden könnte. Schlussendlich würde ein Rückzug aus dem EBA-Handel die Bemühungen Kambodschas, die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen, konterkarieren. Dabei hat gerade die EU sich dazu verpflichtet, diese Ziele zu unterstützen, und Ländern, die diese Ziele erreichen wollen, Hilfestellung zu leisten.

Kambodscha, das als Brückenstaat in Südostasien gilt, wünscht sich eine aktivere Rolle und mehr Engagement der EU in der Region. Dabei sind Kambodscha und die EU, angesichts wachsender Unsicherheiten durch zunehmenden Unilateralismus und Protektionismus, geradezu gezwungen, enger zusammenzuarbeiten und ein offenes, inklusives und regelbasiertes multilaterales Handelssystem zu stärken, insbesondere im Hinblick auf eine bessere ASEAN-EU-Partnerschaft.

Das Asian Vision Institute (AVI) https://www.asianvision.org/ ist eine unabhängige Denkfabrik mit Sitz in Kambodscha.

Pressekontakt:

Dr. Chheng Kimlong
Direktor des Centre for Governance Innovation and Democracy, AVI
Telefon: +855-6121-1800; E-Mail: admin@asianvision.org

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