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01.04.2020 – 12:47

Nordrheinwestfälischer Lehrerverband

Pressemitteilung NRWL: Corona-Krise zeigt Schwachstellen bei der Digitalisierung von Schulen

„Corona-Krise zeigt Schwachstellen bei der Digitalisierung von Schulen“

Nordrhein-Westfälischer Lehrerverband: Technische Infrastruktur gleicht Flickenteppich / Gelder aus Digitalpakt werden nur zögerlich abgerufen

Die Schulschließungen anlässlich der Corona-Krise zeigen, wie wichtig die Digitalisierung von Schulen ist. Nach Ansicht des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands (NRWL) legt die aktuelle Situation deutliche Mängel bei der Umsetzung des Digitalpaktes offen. Auch aus dem Homeoffice sollen Lehrkräfte Schüler zurzeit jeden Tag zum Lernen animieren, beispielsweise mit Lektüre, Aufgaben, Referaten. Das Problem: Die dafür notwenigen technischen Infrastrukturen sind in den Schulen oftmals nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

„Die Corona-Krise zeigt die Schwachstellen bei der Digitalisierung von Schulen. Ein abwechslungsreicher digitaler Unterricht ist hierzulande flächendeckend nicht möglich“, sagt Andreas Bartsch, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands. Zwar besäßen viele Schüler mobile Endgeräte oder Computer, doch an den Schulen selbst fehle die entsprechende Infrastruktur: „Die Umsetzung des Digitalpakts läuft im Schneckentempo“, kritisiert Bartsch.

Der im Mai 2019 verabschiedete Digitalpakt sieht vor, dass die Kommunen in Abstimmung mit den Schulen die notwendigen Voraussetzungen schaffen müssen, damit digitaler Unterricht gelingt. Die fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt – für NRW stehen davon etwa 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung – werden aber nur zögerlich abgerufen. Bislang seien erst 30 Prozent der Mittel nachgefragt worden, berichtet der NRWL. „Es gibt durchaus Schulen, die in der Vergangenheit schon für eine gute technische Infrastruktur wie W-LAN oder Notebooks gesorgt haben. Doch das Bild gleicht eher einem Flickenteppich, flächendeckend stecken wir hier in NRW noch in den Kinderschuhen“, bedauert Bartsch.

In der Corona-Krise müssen Lehrkräfte jetzt mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln arbeiten und oftmals improvisieren. „Die Mehrzahl der Beteiligten versucht kreative Lösungen zu finden und geht mit der Situation konstruktiv um“, berichtet Bartsch. Viele Lehrkräfte stehen mit ihren Schülern durch E-Mails in Verbindung. „Die Zusammenarbeit läuft hier in der Regel gut, die Schüler sind täglich mehrere Stunden beschäftigt. Viele Eltern begleiten und unterstützen die Arbeit der Kinder. In dieser Ausnahmesituation, die alle ja völlig unvorbereitet getroffen hat, können wir den Lehrkräften, aber auch den Eltern ein großes Lob aussprechen“, bekräftigt Bartsch.

Grundsätzlich müsse es aber auch andere digitale Kanäle für den Austausch geben. Denn eine Aufgabenverteilung ausschließlich via Mailing führe zu einer Flut an E-Mails, was Schüler und auch Lehrkräfte auf Dauer überfordere. Andreas Bartsch: „Die Erfahrungen gerade jetzt zeigen, dass wir in Sachen Digitalisierung dringend besser werden müssen. Hier wird sich der Druck auf Kommunen und Schulleitungen erhöhen.“ Problematisch sei, dass manche Schulserver der hohen Auslastung aktuell nicht gewachsen sind und versagen. Gerade die Corona-Krise zeige aber, wie sehr Schulen auf gute Kommunikationsplattformen angewiesen sind.

Nordrhein-Westfalen hat es bislang nicht geschafft, eine funktionierende digitale Schulplattform aufzubauen. Seit 2015 wird LOGINEO NRW im Auftrag des Schulministeriums entwickelt. Wegen technischer Probleme wurde die Einführung im Oktober 2017 zeitweise ausgesetzt. Mittlerweile wird die Plattform an Schulen unterschiedlicher Schulformen getestet und weiter optimiert. „Das Fehlen einer offiziellen schulischen Kommunikationsplattform macht sich jetzt bemerkbar bei denen, die ausschließlich auf LOGINEO NRW gewartet haben“, sagt Bartsch.

Seiner Ansicht nach geht es grundsätzlich nicht nur darum, die technische Ausstattung an den Schulen zur Verfügung zu stellen. Als große Aufgabe sieht es der NRWL an, Konzepte für digitalen Unterricht zu entwickeln. „Über den Digitalpakt hinaus müssen Lehr- und Lermittel und auch Fortbildungen angeboten und finanziert werden. Lehrkräfte müssen ja auch wissen, wie sie die technischen Neuerungen nutzen und in den Unterricht einbinden“, erläutert der Präsident des NRWL.

Nordrhein-Westfälischer Lehrerverband (NRWL):

Im NRWL haben sich die drei weiterhin eigenständigen Organisationen Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen (PhV NW), Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in NRW (vLw NRW) und Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs in NRW (vlbs) zusammengeschlossen. Die Verbände vertreten zusammen 30.000 Mitglieder an Gymnasien, Wirtschaftsschulen und Berufskollegs in NRW, der NRWL ist damit die mitgliederstärkste Organisation im Schulbereich in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt sind hier an den Schulformen Gymnasien, Wirtschaftsschulen und Berufskollegs rund 75.000 Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt. Der NRWL setzt sich für attraktive Rahmen- und Arbeitsbedingungen und gemeinsame berufspolitische Ziele ein, um eine qualitativ hochwertige Bildung und Erziehung mit konkreten Berufs- und Studienperspektiven für junge Menschen zu ermöglichen. Der NRWL hat seinen Sitz in Düsseldorf. Weitere Informationen unter www.nrwl.de