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12.11.2020 – 12:56

International Rescue Committee (IRC) Deutschland

Kampf ums Überleben: Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Geflüchtete in Jordanien

"Ich habe meinen Mann in Syrien verloren und kam dann mit meinen fünf Kindern nach Jordanien. Hier muss ich meine 13- und 16-jährigen Töchter sowie meinen Sohn zur Arbeit schicken, damit wir uns Essen kaufen können. Aber die Umstände sind schwieriger geworden und mit den zusätzlichen Einschränkungen in unserem Alltag haben wir jetzt einen Punkt erreicht, an dem wir kein Geld für Lebensmittel mehr haben." - Syrische Geflüchtete, 39 Jahre alt, Amman

Interviewangebot:

Sarra Ghazi, IRC-Landesbeauftragte für Jordanien, steht Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung.

Berlin, 12. November 2020 - Angesichts zunehmender COVID-19-Erkrankungen in Jordanien, zeigt sich International Rescue Committee (IRC) sehr besorgt über die Lage besonders schutzbedürftiger Menschen in dem Land. Die Zahl der positiv getesteten Menschen hat inzwischen die 120.000-Marke überschritten - das ist ein Anstieg von mehr als 5.300 Prozent seit Anfang September.

Besonders schwer wirkt sich die Pandemie auf die finanzielle Lage von Geflüchteten und weiteren schutzbedürftigen Menschen aus. Sie haben Mühe, ihre Familien zu ernähren und weitere Grundbedürfnisse zu decken. So hat IRC eine Rekordzahl von Hilfsanträgen erhalten und verzeichnet seit Beginn der Pandemie dreimal so viele Anrufe bei der Hotline wie im gesamten Jahr 2019. Bei mehr als 60 Prozent der Anrufe ging es um Anträge auf finanzielle Unterstützung - zehn Mal so viel wie im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Im Zuge der weiteren Ausbreitung von COVID-19, fordert IRC auch in Ländern wie Jordanien nicht nur diejenigen zu unterstützen, die sich mit dem Virus infizieren. Es muss auch den Menschen geholfen werden, die ihre Einkommensquelle verloren haben und nun um ihr Überleben kämpfen müssen.

Sarra Ghazi, IRC-Landesbeauftragte für Jordanien, erklärt:

"Zwar hat die jordanische Regierung zu Beginn der Pandemie rasch Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern und das Gesundheitssystem zu stärken. Dies ging jedoch zu Lasten besonders schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen. Unternehmen mussten schließen und Menschen verloren ihre Arbeit. Ohne Einkommensquelle wird jeder Tag zu einem Kampf ums Überleben. Bis Juli dieses Jahres hatten wir bereits mehr Anrufe bei unserer Hotline erhalten als im gesamten vergangenen Jahr - und jede Woche hören wir, dass die Menschen noch verzweifelter geworden sind."

"Eine Frau erzählte uns, wie ihr Mann in Mülleimern nach Essen sucht, damit sie ihre Kinder ernähren können. Andere erzählen uns, dass sie ihre Kinder nun schweren Herzens zur Arbeit schicken müssen statt in die Schule. Viele Menschen in Jordanien sind verzweifelt. Die Unterstützung über den nationalen Hilfsfonds für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, reichte nicht aus - zu groß sind die finanziellen Auswirkungen der Pandemie auf die Menschen hier. Sie können sich kein Essen leisten, ihre Miete nicht bezahlen, so dass viele Angst vor erneuter Vertreibung haben.

"Wir konnten die besonders Bedürftigen mit Soforthilfe in Form von Bargeldleistungen unterstützen. Weiterhin stellen wir auch Starthilfen bereit. Damit unterstützen wir denjenigen, die eine Geschäftsidee haben und geben ihnen die Möglichkeit, diese zu verwirklichen. Aber der Bedarf ist enorm.

Nothilfe in Form von Bargeldleistungen sind überlebenswichtig. Wir stellen sie bereit, um den Bedürftigen das Überleben zu ermöglichen. Um aber eine langfristige Lösung zu finden, müssen die Beschränkungen für geflüchtete Menschen zum Beispiel bei der Art der Arbeit, die sie aufnehmen dürfen, gelockert werden. Außerdem brauchen wir weitere Investitionen der internationalen Gemeinschaft in Projekte, die es Geflüchteten und Jordanier*innen ermöglichen, ihre eigenen Unternehmen auf- und auszubauen. Dies wird den Menschen nicht nur in der gegenwärtigen Krise helfen, sie werden auch langfristig wieder selbständig und können zum wirtschaftlichen Aufschwung in Jordanien beitragen.

Über IRC

IRC ist seit 2007 in Jordanien präsent. Die internationale Hilfsorganisation engagiert sich unter anderem in der Gesundheitsversorgung, der Stärkung von Frauen und der Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Geflüchteten insbesondere aus Syrien und Irak sowie schutzbedürftigen Jordanier*innen. IR arbeitet in den Flüchtlingslagern von Za'atari und Azraq sowie den Städten Mafraq, Ramtha, Irbid, Amman und Zarqa.

International Rescue Committee (IRC) ist eine internationale Hilfsorganisation, die 1933 auf Anregung von Albert Einstein gegründet wurde. Seitdem unterstützt IRC Menschen, die vor politischen Krisen, Krieg, Verfolgung oder Naturkatastrophen fliehen müssen. In Deutschland ist IRC seit 2016 präsent. Mehr als 90 Mitarbeiter*innen engagieren sich hier inzwischen mit Unterstützung deutscher und europäischer Geber in Projekten für von Krisen betroffene Menschen weltweit. In Deutschland selbst führt IRC in allen Bundesländern Programme zur Integration schutzsuchender Menschen in den Bereichen Bildung, wirtschaftliche Integration sowie Schutz und Teilhabe durch.

Meike Giordono-Scholz

Leitung Kommunikation Deutschland | Communications Lead Germany

International Rescue Committee (IRC) Deutschland

Wallstraße 15 A | 10179 Berlin | Niederlassung Bonn: Friedrichstr. 57 I 53111 Bonn

M +49 (0)176 3457 1264 | E-Mail: Meike.Giordono-Scholz@Rescue.org

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