DKFZ Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

Wenn Berufstätige ihre krebskranken Angehörigen pflegen

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Auch für berufstätige Angehörige von Krebspatienten ein wichtiges Thema.
Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Auch für berufstätige Angehörige von Krebspatienten ein wichtiges Thema.

Ein Dokument

Deutsches Krebsforschungszentrum

in der Helmholtz-Gemeinschaft

29. Mail 2018 (jg)

Wenn Berufstätige ihre krebskranken Angehörigen pflegen

Wird ein Familienmitglied oder der Partner aufgrund einer Krebserkrankung pflegebedürftig, haben viele Angehörige den Wunsch, die Versorgung selbst zu übernehmen. 2015 wurden rund 48 Prozent aller Pflegebedürftigen, also 1,38 Millionen Menschen, allein von ihren Angehörigen gepflegt. Wer neben der Pflege berufstätig ist, kann schnell an seine Belastungsgrenzen kommen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums informiert Betroffene auch zum Thema Pflege und vermittelt Adressen und Ansprechpartner für eine kompetente Pflegeberatung.

Gesetzliche Regelungen - was heißt das für die Praxis?

Schon heute pflegt jeder zehnte Arbeitnehmer einen nahestehenden Angehörigen, mit steigender Tendenz. Die langfristige Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist daher für viele ein Thema - auch für Angehörige von Krebspatienten. Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes, dazu: "Die Belastungen für pflegende Angehörige, die voll im Beruf stehen, sind enorm - nicht nur physisch, sondern auch psychisch." Mit dem Pflegezeit- und dem Familienpflegzeitgesetz wurden in den letzten Jahren rechtliche Regelungen eingeführt, um die Situation für pflegende Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen zu verbessern. Viele fragen sich aber: Was heißt das im Ernstfall und unter welchen Bedingungen greifen die Regelungen? Weg-Remers: "Wir beobachten, dass rechtliche Themen und Anfragen zu kompetenten Ansprechpartnern stetig zunehmen. Offenbar gibt es viel Unsicherheit." Unter 0800-420 30 40 und krebsinformationsdienst@dkfz.de bietet der Krebsinformationsdienst Patienten und Angehörigen gleichermaßen Rat und Unterstützung.

Typisches Szenario

Manche Krebserkrankungen können zu intensiven körperlichen Beeinträchtigungen führen: Bösartige Hirntumoren beispielsweise, die auch in vergleichsweise jungen Lebensjahren auftreten, können plötzliche Lähmungserscheinungen verursachen. Sind Eltern kleiner Kinder betroffen, so sieht sich die Familie auch mit drängenden organisatorischen Problemen konfrontiert. Wie lässt sich kurzfristig die Pflege organisieren, sobald der Kranke nach Hause kommt? Kann der berufstätige Ehepartner zumindest für die ersten Tage der Arbeit fernblieben? Wie lassen sich Pflege, Beruf und die Kinder miteinander in Einklang zu bringen? Und wenn es langfristig nicht besser wird, muss der Ehepartner seine Stelle kündigen?

Kurzzeitige Freistellung bis zu zehn Arbeitstagen

Der berufstätige Ehepartner hat das Recht, in einer akut aufgetretenen Pflegesituation bis zu zehn Arbeitstage zu Hause zu bleiben, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder die pflegerische Versorgung in dieser Zeit selbst sicherzustellen. Voraussetzung für die kurzzeitige Arbeitsverhinderung ist eine Mitteilung an den Arbeitgeber über die voraussichtliche Dauer der Fehlzeit. Es kann sein, dass der Arbeitgeber darüber hinaus eine ärztliche Bescheinigung