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02.10.2020 – 11:09

Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die medizinisch-humanitären EKFS-Förderprojekte

Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die medizinisch-humanitären EKFS-Förderprojekte
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"Aktiv nach Covid-19-Positiven suchen, um die Verbreitung in den Slums zumindest zu verlangsamen"

Bad Homburg v.d. Höhe, 2. Oktober 2020 - Seit Beginn der weltweiten Corona-Pandemie sind viele Projektleiter der medizinisch-humanitären Förderprojekte der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) mit immensen Schwierigkeiten in den jeweiligen Projektgebieten konfrontiert - zumeist in Verbindung mit Armut, Unter- bzw. Mangelernährung und überlasteten öffentlichen Gesundheitssystemen.

Über eine Million Tote, mehr als 34 Millionen bestätigte Fälle[1]: Die Zahl der an Covid-19-Erkrankten nimmt seit Beginn der Pandemie weltweit täglich zu. Neben den direkten Folgen sind auch die indirekten Folgen der Pandemie schwerwiegend. "Besonders Menschen aus Entwicklungsländern fehlt während der monatelangen Lockdowns u. a. der Zugang zur präventiven, kurativen und rehabilitativen medizinischen Versorgung", erläutert Dr. Jochen Bitzer, zuständig für die medizinisch-humanitäre Förderung der EKFS. "Die Folgen sind verheerend: Schätzungen gehen z. B. von bis zu über einer Million zusätzlicher Todesfälle von Kindern in den nächsten sechs Monaten aus."

Welche Auswirkungen die Covid-19-Pandemie auf die medizinisch-humanitären Förderprojekte der EKFS hat, verdeutlichen die drei folgenden Beispiele:

Villa Zagala, Buenos Aires: Distanz wahren im Slum ist unmöglich

Seit mehr als zehn Jahren sichern die Pharmazeutin Dr. Carina Vetye und Apotheker ohne Grenzen Deutschland e.V. in einem Armenviertel in Buenos Aires, Villa Zagala, Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen den Zugang zu Medikamenten. Für ihr Projekt hat die Deutsch-Argentinierin 2018 den mit 100.000 Euro dotierten Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit erhalten.

Als Folge der Pandemie sind elementare Dinge zum Schutz des Personals wie Händedesinfektionsmittel, Mundschutze, Kernseife, Flächendesinfektionsmittel oder Einmal-Schutzschürzen oft nicht vorhanden. Daneben fehlen Basisarzneimittel wie Paracetamol zur Behandlung fieberhafter Erkrankungen, obwohl das Fiebermittel gerade in Zeiten von Covid-19 und Denguefieber dringend nötig wäre.

Das Team unternimmt trotz Ausfalls von an Covid-19 erkranktem Personal enorme Anstrengungen, um sowohl den Alltag als auch die Probleme aufgrund der Pandemie zu stemmen: "Wer im Gesundheitszentrum ist, übernimmt Arbeit von denjenigen, die ausfallen", erläutert die Projektleiterin. "Es ist wichtig, aktiv nach Covid-19-Positiven zu suchen, um die Verbreitung in den Slums zumindest zu verlangsamen", erläutert Vetye die Situation. "Leider haben wir schon Patienten verloren, die an Covid-19 gestorben sind."

Doch es gibt auch Hoffnung: "Obwohl unsere Patienten zu den Covid-19-Risikogruppen gehören und Angst vor einer Ansteckung haben, kommen sie regelmäßig zur Apotheke", freut sich Vetye. Das Projekt läuft trotz Corona-Pandemie weiter, die chronisch Kranken werden versorgt und es wurden sogar neue Patienten aufgenommen: "Von Patienten mit Diabetes bis Epilepsie und rheumatoider Arthritis - wir versuchen so vielen wie möglich zu helfen. Und das Preisgeld der Else Kröner-Fresenius-Stiftung stellt dabei eine enorme Hilfe dar", betont Vetye.

Kalkutta und Howrah: Tuberkulose-Erkrankungen unzureichend diagnostiziert

Langzeitarzt Dr. Tobias Vogt, Projektleiter beim German Doctors e.V. und seit vielen Jahren Leiter der Tuberkulose-Klinik in Kalkutta, beschreibt die Situation für das EKFS-Förderprojekt "Tuberkulose-Arbeit in Kalkutta & Howrah, Indien" wie folgt: "Die typische Unterkunft der Familien in den Slums hat eine Fläche von 10 m² und bietet sieben Menschen Wohnraum. Jene Stadtteile, die am schwersten von Tuberkulose betroffen sind, werden nun auch am stärksten vom Coronavirus heimgesucht. Beide Krankheiten haben gemeinsam, dass sie sich am leichtesten dort ausbreiten, wo viele Mensch eng zusammenleben."

Den von Covid-19 betroffenen Menschen wurden zum Beginn der Epidemie kaum medizinische Dienste angeboten. Der Staat riegelte die Slums ab, um so ein Übergreifen auf andere Regionen zu vermeiden. Öffentliche Transportmittel fuhren zunächst gar nicht mehr; und bis heute sind sie nur eingeschränkt im Einsatz. Fabriken haben geschlossen. Viele Männer sind Tagelöhner. Durch die Beschränkungen haben viele Familien seit Wochen kein Einkommen mehr; und damit auch nichts mehr zu essen. Inzwischen hat sich das Gesundheitssystem auf die neue Herausforderung eingestellt, und viele Krankenhausbetten und diverse personelle und institutionelle Ressourcen werden dem Kampf gegen die Epidemie gewidmet.

Während des strikten Lockdowns durften nur Ärzte in staatlichen Institutionen praktizieren. "Allerdings waren die staatlichen Krankenhäuser und Ambulanzen zunächst nicht in der Lage, die Gesundheitsprobleme der Bevölkerung alleine zu lösen. In diesen Institutionen sind manche qualifizierten Mitarbeitenden bereits selbst an Covid-19 verstorben oder es befinden sich Teile der Belegschaft in Quarantäne", berichtet Vogt. "Es ging nicht nur um Covid-19. Sehr viele Patienten mit anderen Erkrankungen kamen nicht mehr zum Zuge. Operationen wurden nicht durchgeführt." Werden in den Slums normalerweise pro Monat bei rund 40 Personen Tuberkulose diagnostiziert, waren es während der Ausgangssperre nur drei in sieben Wochen. "Es gibt eine große Zahl an Menschen mit Tuberkulose in den Slums, die sich quälen, zu denen wir aber derzeit keinen Zugang haben, und die auch nicht zu uns kommen können", erläutert Vogt. Ab Mitte Juli durfte Vogt in einer von vier Slumambulanzen wieder medizinische Hilfe anbieten. Seit Anfang August ist das Team von German Doctors wieder an allen vier Standorten aktiv. Dabei wird ein strenges Sicherheitsprotokoll befolgt, Corona-Verdachtsfälle werden zur Diagnostik und weiteren Behandlung in staatliche Einrichtungen überwiesen.

Niger: Verminderung der Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren

Am 19. März meldeten die Gesundheitsbehörden den ersten Corona-Fall in Niger. Für die Bevölkerung waren die Auswirkungen der Pandemie allen voran spürbar durch die staatlichen Maßnahmen zur Prävention, wie z. B. die Schließung der Luft- und Landgrenzen sowie die Einführung einer Ausgangssperre. Es kam zudem zu Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten und einem vorübergehenden Aussetzen von Gesundheitskampagnen, wie z. B. der nationalen Impfkampagne gegen Polio.

Bereits zu Pandemie-Beginn war der weltweite Notfallplan von IRC (International Rescue Committee) ausgerollt - so auch für das von der EKFS finanzierte Projekt zur Bekämpfung von Unterernährung bei Kleinkindern in Niger. Dieser sieht vor, dass die Sicherheit von Mitarbeitenden und Menschen, die sie unterstützen, oberste Priorität hat. "Unsere Mitarbeitenden erhalten Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel. Vor den Ernährungszentren und Gesundheitsstationen werden für unsere Patienten Seifen verteilt, um ihnen eine Möglichkeit zum Händewaschen zu geben", erklärt Ralph Achenbach, Geschäftsführer von IRC Deutschland die Situation vor Ort.

"Gleichzeitig haben wir zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um den Ausbruch der Infektionskrankheit einzudämmen und seine möglichen langfristigen Folgen zu verringern", erläutert Achenbach. Am Eingang der jeweiligen Einrichtungen messen Mitarbeitende die Temperatur der Mütter und Kinder. Poster in Wartezimmern klären über Covid-19 auf. "Wir haben zudem Isolationsräume für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet, die Anzahl der Besuche durch Angehörige sind eingeschränkt worden und überall müssen Schutz- und Abstandsregeln eingehalten werden." Monitoring-Besuche wurden zunächst ausgesetzt, ebenso wie Schulungen in Gruppen. Inzwischen hat das Team von IRC in Niger diese Aktivitäten wieder aufgenommen.

"Wir konnten die Projektaktivitäten so schnell anpassen", erläutert Achenbach, "weil wir als Nothilfeorganisation die notwendige Erfahrung mit humanitären Krisen mitbringen und vor Ort im ständigen Austausch mit den Gesundheitseinrichtungen und den Müttern sind, aber auch, weil die Else Kröner-Fresenius-Stiftung schnell und unkompliziert die Anpassungen unterstützt hat."

[1] Stand: 02.10.2020: https://coronavirus.jhu.edu/map.html

Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) - Forschung fördern. Menschen helfen.
Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte. Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin eingesetzt. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Bis heute hat sie rund 2.000 Projekte gefördert. Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell rund 60 Millionen Euro ist sie die größte Medizin fördernde Stiftung Deutschlands. Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekfs.de
Pressekontakt
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Bianka Jerke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: + 49 6172 8975-24
E-Mail: b.jerke@ekfs.de