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Franckesche Stiftungen

Heilen an Leib und Seele. Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen zu Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert

Heilen an Leib und Seele. Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen zu Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert
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Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert

  • 2. Mai – 13. Oktober 2021. Jahresausstellung im Historischen Waisenhaus und aufgrund der pandemischen Situation zunächst online auf www.francke-halle.de
  • Meilensteine der Medizingeschichte und authentische Beispiele der medizinischen Praxis: Das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland und eines der ersten in Europa, Praxisunterricht für Medizinstudierende in der Armensprechstunde, ein wegweisendes medizinisch-hygienisches Versorgungssystem für Schulen und eine frühe Form der Krankenkasse, die Grundzüge von modernen Krankenkassen des 19. Jh. antizipiert.
  • Wissenschaftlicher Begleitkatalog mit vielen Abbildungen

SAVE THE DATE Einladung zur Pressekonferenz online am 5. Mai 2021, 11 Uhr, Termine für Interviews, Fotos oder individuelle Besuche vereinbaren Sie gerne mit uns.

DIGITALER PREVIEW ZUR ERÖFFNUNG am 2. Mai 2021 um 11.30 Uhr mit Dr. Mark Benecke

1721 wurde in den Franckeschen Stiftungen der Grundstein für das erste Kinderkrankenhaus in Deutschland gelegt. Die 300jährige Wiederkehr dieses Ereignisses ist der Anlass für die Jahresausstellung »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert« der Franckeschen Stiftungen. Sie beleuchtet erstmals umfassend die Medizin des Halleschen Pietismus, die im 18. Jahrhundert weitgreifend einflussreich war. Eines der ersten Kinderkrankenhäuser in Europa, eine Armensprechstunde, die jährlich 12.000 PatientInnen kostenfrei versorgte, eine erste Krankenkasse nach dem Solidaritätsprinzip und eine nach modernsten Gesichtspunkten gestaltete Gesundheitstopographie mit u.a. dem für die Ausstellung anhand der Originalquellen rekonstruierten, einzigartigen Frisch- und Abwassersystem stellen einen Meilenstein der Medizingeschichte dar. Die Kuratoren Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Dr. Thomas Grunewald können auf 300qm in sieben Ausstellungsräumen mit erstaunlichen Entdeckungen aus den kulturhistorischen Sammlungen der Franckeschen Stiftungen spannende Geschichten und sorgfältig recherchierte Hintergründe präsentieren. Interaktiv, leicht zugänglich und ästhetisch packend beantwortet die Schau Fragen nach den Besonderheiten der Medizin und Hygiene sowie ihrer baulichen Umsetzung im Halleschen Pietismus, der medizinischen und pharmazeutischen Praxis, der Rolle des Verhältnisses von Körper, Seele und Gemüt und nach der Wahrnehmung von Krankheit, Therapie und Heilung. Für die Ausstellung wurden vom Studio ZYKLOP eigens Comics, anregende und witzige Schaubilder, für jeden Raum gezeichnet, die den Besuch zu einem Erlebnis für die gesamte Familie machen. Begleitet wird die Ausstellung von einem aufwändig gestalteten, wissenschaftlichen Katalog mit vielen Abbildungen und angesichts der aktuellen pandemischen Situation einer digitalen Ausstellung.

Auf der Suche nach der Gelassenheit

Die Schau schlägt einen Bogen von der medizinisch-gesundheitlich-sozialen Situation in der Frühen Neuzeit, die von hohen Sterblichkeitsraten und den Auswirkungen von Pandemien geprägt ist, zum pietistischen Medizinverständnis, das die Debatte der Zeit um das Leib-Seele-Verhältnis aufgreift. Die Halleschen Pietisten setzten diesen Ansatz unter das Primat des Glaubens und der Seele, ohne dabei den Körper zu vernachlässigen. Der gesunde, d. h. der fromme und gelassene Zustand des Gemüts, entschied über die Balance zwischen Gesundsein und Kranksein. Das Verhältnis von Körper, Seele und Gemüt, Beispiele aus der medizinischen Praxis mit Krankheitsbildern und Therapieansätzen sowie die Herstellung von Arzneien in alchemistischen Laboren werden in der Ausstellung anhand von authentischen Beispielen beleuchtet.

Kinderkrankenhaus und Krankenkasse

Bleib Gesund! Das war die Maxime der Pietisten. Darauf richteten sich in Franckes Schulstadt die Architektur, die Abläufe des Alltags und organisatorische Neuheiten aus. Dazu zählte die Errichtung (1721–23) eines der ersten Kinderkrankenhäuser überhaupt im Süden des Geländes in ruhiger, sonniger Lage und etwas abseits der zentralen Gebäude am heutigen Lindenhof. Der berühmteste Zeitgenosse ist sicher die Charité in Berlin. Die Ausstellung verweist auch auf die Armensprechstunde im Historischen Waisenhaus, in der Studenten im Rahmen einer universitären Ausbildung Praxisunterricht, die heutige Famulatur, erhielten. Monatlich wurden hier die enorme Zahl von ca. 1.000 armen PatientInnen kostenfrei behandelt und mit Medikamenten versorgt. Für die ärztliche, pflegerische und pharmazeutische Betreuung der Schüler von Latina und Königlichem Pädagogium wurde eine »Pflege-Cassa« eingerichtet, ein Begriff, der erst um 1780 nachgewiesen ist. Hier probierten die Halleschen Pietisten erstmals ein basales Solidarprinzip aus.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitkatalog mit über 200 Abbildungen. Er eröffnet ein weites medizingeschichtliches Panorama, stellt die Gesundheitstopographie in den Franckeschen Stiftungen vor und bietet kenntnisreiche Einblicke etwa in das Verständnis von Leib und Seele, Diätetik sowie in die besondere Infrastruktur mit der ingenieurtechnisch ausgeklügelten Wasserversorgung, den alchemistischen Laboren und den Heilpflanzengärten.

Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert. Hrsg. im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Holger Zaunstöck und Thomas Grunewald. Halle 2021 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 38). 328 S., 213 Abb., 6 Diagramme, € 28,00; ISBN 978-3-447-11587-2

Online-Ausstellung

Als Digital Story können ab dem 2. Mai die Ausstellungsthemen und ausgewählte spannende Objekte vor dem Besuch oder während der pandemiebedingten Schließungen online entdeckt werden. Mit Video- und Audiomaterial, vielen Abbildungen und allen Comics der Ausstellung bietet sie ein eindrückliches interaktives Erlebnis für die ganze Familie. www.francke-halle.de/de/ausstellungen-online/

Franckesche Stiftungen I Franckeplatz 1, Haus 1 I 06110 Halle (Saale)
Historische Schulstadt I Historisches Waisenhaus I Kunst- und Naturalienkammer I Historische Bibliothek
Öffnungszeiten Informationszentrum im Francke-Wohnhaus und Ausstellungen: Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei
www.francke-halle.de