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Franckesche Stiftungen

Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Franckesche Stiftungen stellen Jahresprogramm zum 300. Jubiläum des ersten Kinderkrankenhauses vor.

Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Franckesche Stiftungen stellen Jahresprogramm zum 300. Jubiläum des ersten Kinderkrankenhauses vor.
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Gesundheit war immer schon ein hohes Gut. Vor genau 300 Jahren wurde in den Franckeschen Stiftungen Medizingeschichte geschrieben: August Hermann Francke (1663–1727) ließ 1721 ein Krankengebäude errichten, das heute als erstes Kinderkrankenhaus Europas gelten kann. Bahnbrechend war auch die öffentliche Armensprechstunde am Halleschen Waisenhaus, in der monatlich bis zu 1.000 Personen kostenlos behandelt und mit in der Anstaltsapotheke hergestellten Medikamenten versorgt wurden. Aus historischem und aktuellem Anlass widmen die Franckeschen Stiftungen 2021 ihr Jahresprogramm dem Thema Vorsicht! Umsicht: Rücksicht. Unsere Sicht auf Gesundheit und Wohlergehen.

Im Zentrum des Programms steht die Jahresausstellung (2. Mai–13. Oktober) unter dem Titel »Heilen an Leib und Seele. Medizin und Hygiene im 18. Jahrhundert«, die am 2. Mai mit dem bekannten Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke eröffnet wird. Die Ausstellung führt in die Welt der Medizin im 18. Jahrhundert ein, in der sich eine europaweite Debatte über das grundlegende Verhältnis von Leib und Seele entspannte. Vor diesem Hintergrund konzipierten die halleschen Pietisten ein eigenes medizinisches Verständnis, das gleichberechtigt auf Körper, Seele und Gemüt blickte. BesucherInnen erfahren erstmals, wie das Gebäudeensemble der barocken Schulstadt und die Alltagsordnungen diesen Ansatz heute noch widerspiegeln. Anhand eindrucksvollen historischen Archivmaterials und zahlreicher authentischer Einzelschicksale blättert die Ausstellung Themen auf, die in verblüffender Weise aktuell sind – so etwa das für das 18. Jahrhundert hochmoderne Hygienekonzept und der damals schon professionelle Umgang mit der Ressource Wasser in den Franckeschen Stiftungen.

Die Jahresausstellung wird angesichts der pandemischen Situation wieder eine fundierte Online-Darstellung auf der Webseite finden und filmisch sowie mit einem umfangreichen Begleitprogramm im Live-Stream (Zugangslinks auf der Webseite) begleitet werden. Die erste große digitale Auftaktveranstaltung für das Jahr bildet die Francke-Feier vom 19.–21. März 2021. Die Festveranstaltung anlässlich des 358. Geburtstages des Stiftungsgründers August Hermann Francke steht im Zeichen des erfolgreichen Abschlusses des Wiederaufbaus der Franckeschen Stiftungen. Hochkarätige Gäste und RednerInnen haben zugesagt, darunter Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes und Prof. Dr. Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Auch in der Vermittlungsarbeit werden 2021 mit dem Projekt »Suddenlife Gaming im Vermittlungsangebot der Franckeschen Stiftungen« online-Formate entwickelt, die über die Pandemie hinaus neue Zielgruppen ansprechen sollen. Das Projekt wird im Rahmen von »dive in. Programm für digitale Interaktionen« der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR, durchgeführt. Kinder (6–12 Jahre) und Familien werden durch transmediales Storytelling (Suddenlife Gaming) Teil einer spannenden Geschichte, die sie mitgestalten und in der sie sich miteinander austauschen. Interaktive Spielmechaniken schlagen dabei eine Brücke von den Themen der Franckeschen Stiftungen, ihrer Ausstellungen, ihrer Gebäude und ihrer Geschichte in die Lebenswelt der NutzerInnen. Das Museum kommt nach Hause und die Interaktionen der NutzerInnen werden Teil des Museums.

Im Veranstaltungsprogramm, das nach Möglichkeiten vor Ort, garantiert aber im Live-Stream stattfindet, begrüßen wir 2021 wieder renommierte Gäste mit spannenden Themen in den Franckeschen Stiftungen. Peter Maffay wird am 3. Juni 2021 als Gast in der Reihe »Persönlichkeiten im Gespräch« mit MDR- Kulturchef Reinhard Bärenz über sein Leben und sein soziales Engagement für Kinder und Familien sprechen. Am 3. Juli ist mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Ulrich Gumbrecht einer der führenden Intellektuellen unserer Zeit Gast der ersten Paul Raabe-Vorlesung in den Franckeschen Stiftungen. Prof. Dr. Jakob Vogel, ein international renommierter Experte für die europäische Geschichte der Neuzeit und den europäischen Kolonialismus, spricht am 29. April in den Halle Lectures über »Aufklärung Postkolonial? Globale Wissenschaftsgeschichte und die Herausforderungen des Exotismus«. Im Herbst 2021 finden vier große Themenabende statt, bei denen es mit zahlreichen Fachleuten um Körper, Seele und Gemüt, aber auch um Medikamente und Ökonomie, ebenso um Hygiene und Angst vor Krankheit sowie um die Medikalisierung der Medizin gehen wird. Bei diesen Veranstaltungen, ebenso wie bei dem ganzen Jahresprogramm, werden die Franckeschen Stiftungen von den drei großen konfessionellen Krankenhäusern in der Stadt Halle, dem Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, dem Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara sowie dem Diakoniewerk Halle unterstützt.

Die Franckeschen Stiftungen setzen auch 2021 wieder Maßstäbe in der internationalen Netzwerkarbeit. Die auf Betreiben der Franckeschen Stiftungen 2020 in Halle gegründete »Alliance of Early Universal Museums« tagt am 28. Mai 2021 im Teylers Museum in Haarlem (Niederlande). Hier werden mehrere Institutionen von europäischem Rang als neue Mitglieder in das Netzwerk aufgenommen und eine große Tagung 2022 in St. Petersburg (Russland) vorbereitet. Die Stadt an der Newa wird in diesem Jahr im Zentrum der Feierlichkeiten zum 350. Geburtstag des Zaren Peters des Großen (1672–1725) stehen.

Die Franckeschen Stiftungen sind aber auch lokal aktiv: Für das erste stadtweite kulturelle Themenjahr einer ganzen Themenjahresdekade haben sie die federführende Intendanz übernommen. Über 80 Akteure werden die Stadtgesellschaft mit rund 100 Veranstaltungen in Bewegung setzen und sich ein Jahr lang mit den Themen Salz und Digitalisierung befassen. Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Franckeschen Stiftungen, freut sich über den positiven Prozess: »Einerseits werden so aus vermeintlichen Konkurrenten Verbündete. Andererseits entstehen Synergien und es werden Akteure aus weiteren Bereichen wie Wissenschaft, Soziales, Wirtschaft, Kirchen usw. eingebunden. So entsteht im Miteinander ein facettenreiches Jahresprogramm mit nachhaltigen positiven Effekten für die ganze Stadt.«

Neben weiteren Themenbeiträgen im Rahmen des Themenjahres verfolgen die Franckeschen Stiftungen mit dem Projekt »Digitalisierung der Salzkothe in der Kunst- und Naturalienkammer« kontinuierlich die Digitalisierung ihrer Ausstellungen. Erstmals wird ein Objekt aus der Kunst- und Naturalienkammer, dem Besuchermagneten unter den Ausstellungen der Franckeschen Stiftungen, mit modernster Technik online erfahrbar gemacht. NutzerInnen können damit erstmals auch in den Innenraum des 300 Jahre alten Modells der Wunderkammer schauen und in einer Animation den Prozess des Salzsiedens vor 300 Jahren mit eigenen Augen mitverfolgen.

Franckesche Stiftungen I Franckeplatz 1, Haus 1 I 06110 Halle (Saale)
Historische Schulstadt I Historisches Waisenhaus I Kunst- und Naturalienkammer I Historische Bibliothek
Öffnungszeiten Informationszentrum im Francke-Wohnhaus und Ausstellungen: Di-So und feiertags 10-17 Uhr
Eintritt: 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei
www.francke-halle.de