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15.06.2018 – 13:14

Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH

Systemdienstleistungen sind eine Zukunftsoption für Biogasanlagen

Systemdienstleistungen sind eine Zukunftsoption für Biogasanlagen
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In Rheinland-Pfalz produzieren derzeit über 160 Biogasanlagen rund 545 Mio. kWh Strom jährlich. Damit können ungefähr 140.000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte ein Jahr mit Strom versorgt werden. Eine dieser Anlagen betreibt der Landwirt Tobias Hankes in der Ortsgemeinde Eisenach im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Allerdings schlägt er mit seiner Anlage strategisch einen neuen Weg ein, als einer der ersten in Rheinland-Pfalz als auch deutschlandweit. Künftig ist der Landwirt Hankes mit seiner Anlage als Systemdienstleister im Strommarkt tätig.

Tobias Hankes: Rheinland-pfälzischer Landwirt und innovativer Systemdienstleister

"Biogasanlagen bilden das Fundament für die Energiewende: Sie können vor allem dann ihren Einsatz leisten, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Damit tragen Biogasanlagen zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit bei und das auf höchstem Niveau", sagte Umweltstaatssekretär Thomas Griese. In Rheinland-Pfalz produzieren derzeit über 160 Biogasanlagen rund 545 Mio. kWh Strom jährlich. Damit können ungefähr 140.000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte ein Jahr mit Strom versorgt werden. Eine dieser Anlagen betreibt der Landwirt Tobias Hankes in der Ortsgemeinde Eisenach im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Allerdings schlägt er mit seiner Anlage strategisch einen neuen Weg ein, als einer der ersten in Rheinland-Pfalz als auch deutschlandweit. Künftig ist der Landwirt Hankes mit seiner Anlage als Systemdienstleister im Strommarkt tätig. "Tobias Hankes ist ein mutiger Unternehmer, der bereit war, Geld in eine neue Stromvermarktungsoption zu investieren. Er wurde durch weitere Partner unterstützt, damit dieses Vorreiterprojekt umgesetzt werden konnte", so Thomas Pensel, Geschäftsführer Energieagentur Rheinland-Pfalz, bei einer Veranstaltung der Energieagentur Rheinland-Pfalz zur Zukunftsoption für Biogasanlagen als Systemdienstleister in Eisenach.

Mit Biomasse Energie erzeugen

Die überwiegende Zahl der Anlagen in Rheinland-Pfalz sind sogenannte Nachwachsende Rohstoffe-Anlagen (NaWaRo-Anlagen). So auch die Anlage von Hankes. "Biogasanlagen sind flexibel einsetzbar und multifunktional. Sie produzieren neben Strom auch Wärme in Blockheizkraftwerken und verbessern durch die Vergärung von Wirtschaftsdüngern wie Gülle und Mist die Klimabilanz der Landwirtschaft", erklärte Staatssekretär Griese. Die in Biogasanlagen erzeugte Energie wird in das Stromnetz eingespeist.

Biogasanlage Hankes in Eisenach geht innovativen Weg

Seit sieben Jahren betreibt Hankes seine Biogasanlage als zusätzliches Standbein zum landwirtschaftlichen Betrieb. Bisher hat auch er seine erzeugte Energie kontinuierlich in das Stromnetz eingespeist. Nun wollte er sich fit für die Zukunft machen und hat seine Anlage umgerüstet: künftig hält er als Systemdienstleister eine Primärreserve für Netzschwankungen bereit. "Landwirt Tobias Hankes zeigt eindrücklich, wie seine flexibilisierte Biogasanlage sekundenschnell Strom zum Ausgleich von Frequenzschwankungen liefern kann", so Griese.

Im deutschen Stromnetz entstehen Schwankungen durch Energieverluste und durch Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisung. Um die elektrische Leistung konstant halten zu können, müssen diese Schwankungen in wenigen Sekunden ausgeglichen werden. Hierfür werden Primärreserven benötigt, die innerhalb von 30 Sekunden verfügbar sein müssen. Bislang übernehmen die Bereitstellung von Primärreserven vor allem schnell anlaufende Kraftwerke, wie zum Beispiel Wasserspeicherkraftwerke. Da Biogas als bisher einziger erneuerbarer Energieträger gespeichert werden kann und seine Produktion relativ unabhängig von Umwelteinflüssen ist, können auch Biogasanlagenbetreiber Systemdienstleistungen anbieten. Allerdings waren bis vor wenigen Monaten die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen als auch die Vermarktungsinstrumente noch nicht für Biogasanlagen verfügbar.

Anlagenflexibilisierung und Netzstabilisierung

Landwirt Hankes hat 2018 ein flexibles BHKW mit einer Leistung von 550 kW angeschafft. Dieses BHKW läuft netzparallel 24 Stunden am Tag. Damit kann er auch kurzfristig auf die benötigte Leistung zur Netzstabilisierung reagieren: je nach Bedarf kann er die Leistung der Anlage bis auf 250 kW reduzieren oder bis auf 550 kW steigern. Damit die Anlage weiß, welche Leistung gerade benötigt wird, schickt der Stromvermarkter ein Signal direkt zur Anlage.

Durch die Umrüstung seiner Anlage hat Hankes seinen Betrieb flexibel gemacht und damit wirtschaftlich in die Zukunft geführt: er trägt zur Stabilisierung unseres Stromnetzes bei und erwirtschaftet durch seine Systemdienstleistungen Zusatzeinnahmen. Denn diese werden von Übertragungsnetzbetreibern eingekauft. "Um den Erfolg von Biogasanlagen fortzuführen, muss die Bundesregierung dringend handeln und im Erneuerbare-Energien-Gesetz den Flexibilisierungs-Deckel abschaffen", forderte der Staatssekretär. "Außerdem müssen die Vergütungen für Biomasseanlagen insgesamt auf den Prüfstand gestellt werden, damit sich für die verschiedenen Anlagengrößen und -formen ein flexibler Weiterbetrieb und auch der Neuanlagenbau rechnen. Nur so können wir die Anlagen- und Akteursvielfalt erhalten."

Unterstützung mehrerer Partner war notwendig

Die Projektidee wurde 2016 auf einem Informationstag der Energieagentur Rheinland-Pfalz für Biogasanlagenbetreiber in Trier geboren. Diese begleitete und unterstützte Tobias Hankes im Rahmen ihres Projektes "Zukunftscheck Biogasanlagen" von Anfang an bis zur Inbetriebnahme der umgerüsteten Anlage.

Der BHKW-Hersteller 2G Energy AG hat ein neues BHKW technisch so modifiziert, dass sowohl kurzfristige Lastwechsel möglich sind, als auch die notwendige Mess- und Regeltechnik vorhanden ist. Der Stromvermarkter Innogy SE schuf die Voraussetzungen, dass Tobias Hankes seine Primärregelleistung vermarkten kann. Letztlich finanzierte die regional ansässige Volksbank Eifel eG das Zukunftsprojekt.

Das Projekt "Zukunftscheck Biogasanlagen" ist Bestandteil von "Zukunftsperspektive Unternehmen - Profitieren durch Energieeffizienz und Erneuerbare Energien". Dieses wird von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Land Rheinland-Pfalz gefördert.

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als kompetenter Dienstleister Kommunen und ihre Bürger sowie Unternehmen in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig, produkt- sowie anbieterneutral.

Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH 
Dagmar Schneider / Pressesprecherin
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