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03.06.2020 – 16:12

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aus den Alpen an die Bergstraße - Wolf aus der Alpenpopulation in Südhessen nachgewiesen

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PRESSEMITTEILUNG

Aus den Alpen an die Bergstraße

Wolf aus der Alpenpopulation in Südhessen nachgewiesen

Wiesbaden, 03.06.2020 – Zu dem Rissereignis vom 18. Mai 2020 in Lautertal/ Kreis Bergstraße liegt nun das erste Ergebnis der Genanalyse vor: Die Schafe wurde von einem Wolf aus der Alpenpopulation (Haplotyp HW22) getötet. Dies ergab die Analyse der Genproben durch das wildtiergenetische Labor des Senckenberg-Instituts, die Individualisierung steht allerdings noch aus. Ob es sich um dasselbe Tier handelt, das Ende April bei Reichelsheim im Odenwald fotografiert wurde (siehe Tabelle „Hessische Wolfsnachweise 2020“), lässt sich nicht sagen, es ist aber nicht ausgeschlossen.

Von Norden und Süden nach Hessen

Die Herkunft aus den Alpen ist insofern bemerkenswert, als dass es sich erst um den zweiten Wolf dieser Population in Hessen handelt. Bis auf einen 2011 im Raum Gießen überfahrenen Rüden kamen alle bisher in Hessen nachgewiesenen Wölfe aus den nördlichen und östlichen Bundesländern (Haplotyp HW01/02, mitteleuropäische Flachlandpopulation). Ebenfalls aus der Alpenpopulation, also von Süden, stammte der junge Wolf, der am 16. Januar auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite bei Mainz-Finthen überfahren wurde. Zwei weitere Tiere, die Anfang des Jahres dem Verkehr im Rhein-Main-Gebiet zum Opfer fielen, kamen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Diese Fälle zeigen nicht nur, dass Wölfe auf Wanderschaft sehr weite Strecken zurücklegen, sondern auch, dass sich in Hessen die Routen von Wölfen aus verschiedenen Herkunftsgebieten und Populationen kreuzen.

Wolfsterritorium und Monitoring in Hessen

Während bisher nur einzelne Tiere auf Wanderschaft in Hessen registriert wurden, hat sich Anfang März erstmals seit 2011 wieder ein Wolf in Hessen niedergelassen: Die Wölfin mit dem Kürzel 1166f hält sich nun seit drei Monaten in der Gegend um Ulrichstein im Vogelsberg auf. Seit der Feststellung ihrer Sesshaftigkeit ist dort allerdings kein weiterer genetischer Nachweis dieses Tieres gelungen. Lediglich an einem gerissenen Reh wurde die Art „Wolf“ als Rissverursacher nachgewiesen, was vermuten lässt, dass es sich dabei um 1166f handelt – zumal diese Wölfin sich vornehmlich von Schalenwild ernährt. Bis auf zwei Kälber, von denen eines nachweislich schon vorher tot war, hat die Ulrichsteiner Wölfin bisher keine Nutztiere angegriffen oder getötet.

Zuständig für das Wolfsmonitoring, also die Erfassung der Wölfe in Hessen, ist das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Bei Rissereignissen sind die ehrenamtlichen, sachkundigen Helfer in den Kreisen, die sogenannten Rissbegutachter, jederzeit ansprechbar. Wolfssichtungen oder Funde von Spuren sind dem HLNUG über den Meldebogen zu melden – alle Kontakte und Informationen finden sich auf der auf der Homepage des HLNUG (Link unten).

Alle genetischen Proben im Rahmen des hessischen Wolfsmonitorings werden an das nationale Referenzzentrum für Wolfsgenetik, das Labor für Wildtiergenetik des Forschungsinstituts Senckenberg, geschickt und dort ausgewertet. Jedes Tier erhält bei der Individualisierung durch die Genanalyse eine Kennzeichnung durch ein Laborkürzel.

Weitere Informationen zum Wolf in Hessen auf der Homepage des HLNUG:

www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf

Karte der Wolfsvorkommen in Deutschland:

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien

Pressesprecherin Franziska Vogt
Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
Rheingaustraße 186
D-65203 Wiesbaden
0611 - 6939 307
franziska.vogt@hlnug.hessen.de