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Pressemitteilung: Auftakt der Kronacher Rosenberg Festspiele

Pressemitteilung: Auftakt der Kronacher Rosenberg Festspiele
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Moderne Fassung eines Bühnen-Klassikers

Das Stück vom Leben und Sterben des Jedermann, Kern der diesjährigen Rosenberg Festspiele, feiert am Samstag Premiere. Die künstlerische Leiterin Anja Dechant-Sundby transferiert den Klassiker gekonnt in die Jetzt-Zeit. Die Zuschauer können sich auf eine zeitgemäße Inszenierung mit emotionalen Höhepunkten freuen.

Kronach. „Tyvek“ so heißt der Stoff, aus dem u.a. die weißen Covid-Schutzanzüge hergestellt werden. Er ist leicht, haltbar und atmungsaktiv, aber auch besonders widerstandsfähig gegen Wasser, das Eindringen von Bakterien und anderen Krankheitserregern. Wer Kleidung aus diesem „Wundermaterial“ trägt, ist nahezu gegen alle Unbill immun. Die künstlerische Leiterin der Kronacher Rosenberg Festspiele, Anja Dechant-Sundby, und die Kostümbildnerin Ruth Pulgram haben sich mit viel Bedacht dafür entschieden, die Figuren im „Jedermann“, dem diesjährigen Klassiker auf der Festung, in genau diesen Stoff zu hüllen. Klar, Wasserfestigkeit ist - ganz praktisch - ein Thema bei Freilichttheater. Daneben vollzieht sich damit optisch eine Brücke zwischen aktuellem Zeitgeschehen und Bühne.

Seit letztem Jahr ist der Tod in den Bildern der Medien durch weiße Schutzanzüge chiffriert. Aber es gibt auch eine andere Seite: Die duftige Textilie, die sich bei jedem leichten Windhauch wie ein lustiger Fallschirm aufplustert, und die Ruth Pulgram mit an archaische Höhlenmalerei erinnernden Mustern bemalt hat, verleiht dem schweren Stoff, aus dem die Geschichte des Jedermann gewebt ist, verspielte Leichtigkeit. Das weckt im Zuschauer Hoffnung. Und dies ist eine Kernbotschaft in der Inszenierung von Anja Dechant-Sundby: „Am Ende wird alles gut. Das Stück ist eine Friedensbotschaft“, so die künstlerische Leiterin.

Im Gegensatz zu den anderen Figuren im Stück trägt der „Jedermann“ kein weißes Fähnchen, sondern feinen, exakt geschnittenen Nadelstreifen-Zwirn und darunter ein geradezu unschuldig wirkendes weißes Hemd - ein bisschen so, als ginge er als Gast zu seiner eigenen Beerdigung. Uli Scherbel verkörpert den leibhaftigen Krösus, wie man ihn aus den einschlägigen Finanzgazetten kennt: Ein hipper, attraktiver Typ, sportlich, schick mit gegeltem Haar, schöner Freundin, zu viel Geld und miesem Charakter. Gefangen in einem prallen Leben voller irdischer Wonnen scheinen ihm die anderen Figuren in ihren weißen, ätherischen Gewändern eher eine Ahnung aus der „Anderwelt“ zu sein. Was optisch offenkundig ist, scheint er zu spüren: Er passt nicht mehr in diese Welt, in das „Diesseits“. Spätestens hier setzt peu á peu der Erkenntnisprozess des armen Sünders ein.

Anja Dechant-Sundby spielt in ihrer Inszenierung mit Parallelbesetzungen und lässt Realfiguren und die dazu gehörigen Allegorien von den gleichen Schauspielern darstellen wie Buhlschaft und Glaube (Anne Scherliess), Mutter und Werke (Sabine Rossbach), Schuldknecht und Mammon (Bernd Berleb), Schuldknechts Weib und Tod (Katja Klemt) und auch Guter Gesell und Teufel (Harald Pilar von Pilchau). Wenn „Gott“ spricht, dann dürfte das viele Zuschauer an das ganz große Kino erinnern: Kein Wunder, denn „Gott“ spricht in Kronach mit der deutschen Synchronstimme von Jodie Foster, die im wahren Leben Hansi Jochmann gehört. Die Weiterentwicklung der Geschichte des „Jedermanns“ wird auch in einem Wandel der Kostüme sichtbar, die irgendwann am Abend, vor der in der Dämmerung liegenden Silhouette der Festung Rosenberg, sachte zu leuchten beginnen.

Aber das ist dann schon die Höchststufe an „Bühnen-Gimmicks“. Anja Dechant-Sundby inszeniert den „Jedermann“ modern und reduziert. Und so definiert sie auch keinen festen Raum auf der Bühne. Es finden keine Umbauten statt. Es gibt nur ein paar handverlesene Requisiten. Der Blick des Zuschauers konzentriert sich auf die Kostüme, die Handlung, das Spiel - und das, was das alles mit jedem selbst macht.

Was vor 110 Jahren als moraltriefende Mär von Max Reinhardt im Geiste des Autors Hugo von Hofmannsthal im Berliner Zirkus Schumann aus der Taufe gehoben wurde und seit 100 Jahren in Salzburg Jahr für Jahr auf die Bühne kommt, erlebt nun in Kronach eine Rund-um-Erneuerung. Keine barocke Entrückung, kein Samt, keine nervenden Knittelverse.

Anja Dechant-Sundby hat das Textbuch gekürzt, aus langen Monologen lebendige Dialoge gemacht und mehr Spielsituationen erzeugt, statt den Text in den Mittelpunkt zu stellen. Den hat die Regisseurin zwar zum Großteil immer noch in Reimform belassen - aber sprachlich so entschärft, dass er dem Zuschauer als „Gleitfläche“ dient, auf er unbemerkt mitten ins Geschehen driftet. Mitreissen will Dechant-Sundby ihr Publikum durch das pure und emotionale Agieren erstklassiger Darsteller. Wie bei einem filmischen Zoom lenkt sie den Blick auf den jeweils Handelnden. Und wenn sich der „Jedermann“ in seinen Ketten windet, wenn er sich mit allerletzter Kraft aufbäumt und gegen das Unvermeidliche wehrt und letztlich doch geläutert nachgibt, dann passiert auf der Bühne in der Wahrnehmung des Zuschauers nichts anderes als genau das.

Die „letzte Stunde“ - ob sie Stunden oder nur einen Wimpernschlag dauert - beim „Jedermann“ wird sie fast genau 60 Minuten zählen (das gesamte Stück kommt auf ca. eineinhalb Stunden). In dieser Stunde vollziehen die Schauspieler einen emotionalen Kraftakt, in dem sie alle menschlichen Seelenzustände auf der Bühne ausleben und dann - am Ende - auch ihren Frieden damit schließen. Beim Kronacher „Jedermann“ soll der Blick auf die Bühne gleichsam eine Schau nach Innen provozieren. Ohne den moralisch-pädagogischen Zeigefinger wird das Stück zu denken geben: Was ist wirklich wichtig im Leben? Und wie wird es uns gehen, wenn die letzte Stunde anbricht? Und diese Frage betrifft wirklich Jedermann.

Die Rosenberg Festspiele 2021

Die Premiere des Jedermanns findet am Samstag, den 3. Juli 2021, um 20:00 Uhr statt.

Daneben stehen in diesem Jahr die Komödie „Ladies Night“ (Regie: Stephan Beer) sowie das Familienstück „Das Sams - Eine Woche voller Samstage“ (Regie: Stephanie Kuhlmann) auf dem Programm.

Mehr Infos unter: www.rosenbergfestspiele.de

Tickets online bei reservix oder unter Telefon: 09261 97236 bzw. E-Mail: touristinfo@stadt-kronach.de

Achtung: Aufgrund von Corona können sich einzelne Termine verschieben. Beachten Sie bitte die aktuellen Hinweise auf www.rosenbergfestspiele.de

Pressekontakt:

Sabine Raithel
Redaktionsbüro
D-96364 Marktrodach sabine.raithel@raithel-pr.de
M: ++49 171 4113009