Stadt Kronach

Lucas Cranach d.Ä.: Universität Erlangen zeigt einmaligen Kunstschatz

Hans Cranach: "Brustbild zweier Kinder"; farbige Kreiden auf Bütten; Bildquelle: Universitätsbibliothek Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Hans Cranach: "Brustbild zweier Kinder"; farbige Kreiden auf Bütten; Bildquelle: Universitätsbibliothek Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kronach

Wer war Hans Cranach? Der Name "Lucas Cranach" war und ist in der Kunstwelt ein Begriff, doch der Name des hochtalentierten, erstgeborenen Sohnes ist weniger geläufig. Eine Ausstellung in Cranachs fränkischer Heimatstadt Kronach wirft nun ein Schlaglicht auf die geheime Arbeitsweise der erfolgreichen Cranach-Werkstatt - und das Leben von Hans Cranach.

Im Auftrag der Universitätsbibliothek Erlangen sowie der Lucas-Cranach-Stadt Kronach senden wir Ihnen unten angefügte Pressemitteilung, mit der Bitte um redaktionelle Veröffentlichung:

Im Namen des Vaters

Den Markennamen "Cranach" tragen nicht nur eigenhändige Arbeiten des berühmtesten Malers der Reformationszeit, Lucas Cranach d.Ä., sondern auch die seiner Mitarbeiter sowie seiner Söhne, Lucas Cranach d.J. und Hans Cranach. Selbst für Experten ist eine Unterscheidung heute noch eine Herausforderung. Die Ausstellung "Zeichnen in Cranachs Werkstatt" in Cranachs Geburtsstadt Kronach lüftet das gut gehütete Erfolgsgeheimnis des Malerunternehmers und wirft auch ein Schlaglicht auf den früh verstorbenen Sohn Hans.

Eine querformatige, farbige Zeichnung mit dem Titel "Brustbild zweier Kinder": links ein Junge mit einer für die Renaissance typischen, halblangen Ponyfrisur; rechts ein Mädchen, etwas älter, mit Stirnband und hochgebundenen Zöpfen. Eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Kinder lässt darauf schließen, dass sie Geschwister sein könnten. Die Porträts sind schräg zueinander versetzt. Die Kinder sehen einander nicht an; ihr Blick scheint in die Ferne zu schweifen. "Wie die beiden heißen, wissen wir heute nicht. Vermutlich handelt es sich um die Darstellung eines kleinen Prinzen und einer jungen Prinzessin aus dem sächsischen Herrschergeschlecht der Wettiner", konstatiert Museologe Alexander Süß, zuständig für die Ausstellungen in der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg in Kronach, einem auf die Kunst der Spätgotik und Renaissance spezialisierten Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums. Bis zum 24. Juni 2018 zeigt "die Perle" unter den bayerischen Kunstmuseen einen ebenso herausragenden wie selten zu sehenden Kunstschatz: 86 Handzeichnungen aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä., der größte zusammenhängende Zeichnungsbestand direkt aus der Wittenberger Bildermanufaktur, darunter Arbeiten aus Meisterhand, der Söhne Lucas und Hans, der Werkstattmitarbeiter sowie Übungen von Lehrlingen. Sie stammen aus der Graphischen Sammlung der Universitätsbibliothek Erlangen, einer der bedeutendsten graphischen Sammlungen weltweit. Zu sehen sind Porträtzeichnungen, Passionsszenen und Heiligendarstellungen aus einem Hallenser Großauftrag, Zeichnungen sächsischer Fürsten, Lehrlingszeichnungen, Zeichnungen nach dem Vorbild Dürers und Entwürfe für Gemälde. Die frisch restaurierten Blätter werden aus konservatorischen Gründen nach dieser Ausstellung für lange Zeit wieder in den Tresoren der Universitätsbibliothek verschwinden.

Die Zeichnungen sind beredte Zeugnisse für die enorme Schaffenskraft und das Organisationstalent des "Schnellmalers" Lucas Cranach, wie er von seinen Zeitgenossen bewundernd genannt wurde. Cranach hat schon frühzeitig die Vorzüge von Arbeitsteilung sowie die Funktionsweise serieller Produktion und Diversifikation erkannt: Er war nicht nur Hofmaler, Ratsmitglied, sogar Bürgermeister, sondern besaß u.a. auch eine Apotheke, eine Papierhandlung und eine Druckerei. Damit lüftet die Ausstellung eines der vielen Rätsel, die sich um den berühmten "Malerunternehmer" ranken, über dessen Persönlichkeit wir bis heute nur wenig wissen. Zeugnisse seines Lebens sind - neben einem Oeuvre von rund 5.000 Gemälden - vor allem Buchhaltungsbelege und Reisekostenabrechnungen mit dem Sächsischen Hof.

"Die Handzeichnungen geben uns einen wertvollen und spannenden Einblick in die geheimen Produktionsabläufe der erfolgreichen Wittenberger Cranach-Werkstatt", so Alexander Süß. Die zarte Kreide-Kohle-Zeichnung "Brustbild zweier Kinder" konzentriert sich auf die Gesichter. "Kreide und Kohle lassen sich sehr schnell verarbeiten. Die Kinder hatten sicher keine Geduld, beim Portraitiertwerden lange still zu sitzen. Der Künstler musste daher sehr zügig arbeiten. Die Körper und die Kleidung wurden erst in der Werkstatt, schablonenartig, hinzukomponiert." Das Portrait der Enfanten gehört zu den auffälligen Exponaten der Ausstellung. "Anhand der Stilistik und durch Vergleiche u.a. mit Portraits oder den Skizzen im 1536 begonnenen Reisetagebuch von Hans Cranach kann diese Zeichnung dem erstgeborenen Sohn von Lucas Cranach zugeschrieben werden. Dass sie nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist an sich schon eine kleine Sensation, da es - neben seinen wohl berühmtesten und teils mit dem Zusatz 'H.C.' signierten Bildern wie beispielsweise dem 'Porträt eines bärtigen Mannes' oder 'Herkules und Omphale', heute im Besitz des Museums Thyssen-Bornemisza in Madrid - nur wenige eindeutige Werke Hans Cranachs gibt." Auch das zum Erlanger Zeichnungskonvolut gehörende Bildnis eines bärtigen Mannes in bunten Kreiden und schwarzer Pinselzeichnung auf Bütten wird Hans Cranach zugeschrieben.

Hans Cranach wurde im Jahr 1513 in Wittenberg geboren und wohl nach seinem Kronacher Großvater, Hans Maler, benannt. Wie seine Geschwister und insbesondere sein jüngerer Bruder Lucas wächst Hans in und mit der Wittenberger Werkstatt des Vaters auf. Bereits mit 14 malt er eigene Bilder. Schon früh spielt er eine führende Rolle. So quittiert er z.B. am 2. Oktober 1534 - also mit 21 Jahren - in Leipzig den Sold für seinen Vater. In den Jahren 1536 / 37 ist er an den aufwändigen Arbeiten für das Torgauer Schloss beteiligt. Als einziger Mitarbeiter der Werkstatt signiert er die von ihm geschaffenen Bilder selbstbewusst mit den Initialen "H.C." und setzt sie neben das Schlangensignet des Vaters. Eine außerordentliche Ausnahme, denn Lucas Cranachs Geschäftserfolg beruht vor allem darauf, dass seine Mitarbeiter eben keinen individuellen Stil ausprägen und sich nicht als solitäre Künstler hervortun. Durch unermüdliche Einübung hatten sie sich die typische Handschrift des Meisters als Werkstattstil anzueignen. So wurde die hohe Produktivität der Cranach Werkstatt erst möglich.

Laut Überlieferung des Cranach-Biographen Matthias Gunderam hatte Kaiser Karl V. während der Belagerung Wittenbergs 1547 Lucas Cranach d.Ä. in sein Feldlager rufen lassen und ihn u.a. gefragt, ob eine Tafel, die er 1544 von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen in Speyer erhalten hatte, sein Werk, oder das seines Sohnes, Lucas Cranach d.J., sei. Die Antwort Cranachs überlieferte Gunderam leider nicht.

Hans Cranach gilt vielen als der talentiertere der beiden Söhne und soll als der ältere einmal die väterliche Werkstatt übernehmen. Um 1537 unternimmt er eine Reise nach Italien. An der Wiege der Renaissance will er den Zeitgeist einatmen. Die Reise dokumentiert er zeichnerisch in einem Tagebuch. Am 9. Oktober 1537, mit erst 24 Jahren, stirbt Hans Cranach in Bologna. Ob die Stadt in Norditalien Ziel oder nur Zwischenetappe der Reise war, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Überliefert ist ein langes Trauergedicht, das der Humanist Johann Stigel zum Tode Hans Cranachs schrieb. Darin würdigt er das große Talent des Malers. Was der Tod des Sohnes für den vielbeschäftigten Vater bedeutet haben muss, lässt sich nur erahnen. Am 7. Dezember 1537 schrieb Cranach d.Ä. an den Gothaer Pfarrer Friedrich Myconius: "Ich hätt Euch viel zu schreiben, hab aber viel zu schaffen. Der allmächtig Gott will mich der Welt ganz müd machen." Nach dem Tod des Sohnes trägt die stolze Schlange im Signet der Cranach-Werkstatt ihre nun in Vogelflügel umgewandelten Schwingen gesenkt.

Ausstellung "Zeichnen in Cranachs Werkstatt"

bis 24. Juni 2018

Fränkische Galerie auf der Festung Rosenberg

96317 Kronach

geöffnet: Dienstag - Sonntag, 09:30 - 17:30 Uhr

Katalog zur Ausstellung:

"Zeichnen in Cranachs Werkstatt - Die sächsischen Zeichnungen der Renaissance in der Universitätsbibliothek Erlangen"; 216 Seiten; ISBN: 978-3-7319-0639-1; Sonderpreis in der Ausstellung: 24,95 Euro.

Mehr Infos und Bildmaterial zum Download: http://kronach.de/tourismus-kultur-freizeit/cms/1513155132/Zeichnen+in+Cranachs+Werkstatt/Cranachs-W...

Pressekontakt:
Sabine Raithel
Redaktionsbüro
96364 Marktrodach
Fon: 0171-4113009
E-mail: sabine.raithel@raithel-pr.de 



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