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Erfahrung Namibia - Zeitgeschichte spiegelt sich im Leben einer deutschen Auswanderin

Deutsche Kolonialgeschichte im Süden Afrikas rückte neu ins Blickfeld, als Anfang des Jahres die Nachkommen der von der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia ermordeten Herero und Nama vor einem US-Gericht die deutsche Bundesregierung vor einem US-Gericht verklagten. Sie fordern finanzielle Entschädigung und die direkte Beteiligung an den Verhandlungen. Zehntausende Herero und Nama wurden bei dem Aufstand zwischen 1904 bis 1908 in einem Vernichtungsfeldzug getötet. Deutschland hat die Massaker deutscher Truppen als Völkermord bezeichnet, sich offiziell entschuldigt, erkennt bislang aber keine Entschädigungsansprüche an.

Was europäische und deutsche Kolonisten in den späteren Jahren des 20. Jahrhundert erlebten, ist immer noch wissenswert. Wie eine junge Frau aus Hamburg: Für Elfriede öffnete sich ein Tor zur Welt, als sie in einer Hamburger Wochenendausgabe folgende Anzeige las: "Deutsches Warenhaus in Südwestafrika sucht deutsch/englische Korrespondentin". Sie bewarb sich und reiste drei Monate später mit einem vierjährigen Arbeitsvertrag auf einem englischen Dampfer in Richtung Afrika. Ende Mai 1955 landete sie in Swakopmund, einem Ort an der Atlantikküste, der seine Entstehung der deutschen Kolonialpolitik verdankte.

All ihre eigenen Erlebnisse und etliche Schicksale, die ihr andere Personen schilderten, hat Elfriede Schumacher unter dem Titel "Ein Windrad am Namibrand" (ISBN 9783939478812, erschienen im Verlag Kern) zusammengefasst. Die Zeitgeschichte macht einen beträchtlichen Teil des 662 Seiten starken Werkes aus, eingebunden in Handlungen und Dialoge der Personen des Romans. Die 11 Originalfotos sind Zeitzeugen des deutschen Kolonialfiebers und vermitteln dem Leser einen Einblick in die ereignisreiche Zeit im damaligen Südwestafrika.

Elfriede Schumacher verarbeitet ihre persönlichen und familiären Erinnerungen an die Schrecken des 2. Weltkriegs in Deutschland, ihr Leben in Südwestafrika und die Hintergründe der deutschen Kolonialgeschichte. Daraus entstanden ist ein unterhaltsamer Roman, der abwechslungsreich und glaubhaft Einblicke in das Leben in einem Land bietet, das die meisten heutzutage gerade als exotisches Urlaubs- und Safariland kennen. Ihr auf vier Jahre befristeter Arbeitsvertrag hat ihr über fünfzig Jahre Leben im südlichen Afrika beschert: Heute lebt Elfriede Schumacher glücklich Kapstadt.

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