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Ein neuer Anfang für einen Flüchtling --- in der Lebensgeschichte des Sudetendeutschen Alfred Langer lassen sich manche Parallelen zur Flüchtlingssituation von heute finden

Millionen Menschen unterwegs, zu Fuß, per Schiff - das hat es in Deutschland schon einmal gegeben. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen 12 bis 14 Millionen Deutschstämmige aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und aus Ost- und Südosteuropa. Auf ihrem langen Weg waren Tausende erfroren, ertrunken und bei Tiefflieger-Beschuss getötet worden. Die nördlichen Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nahmen damals prozentual die meisten Flüchtlinge aus. Von 1939 bis 1947 stieg die Zahl der Einwohner im Norden von 1,5 auf 2,7 Millionen - ein Bevölkerungszuwachs von 80 Prozent.

Bei allen Unterschieden zu den heutigen Flüchtlingsströmen über das Mittelmeer und aus Mittelasien ist den Flüchtlings-Schicksalen von damals und heute doch eines gemeinsam: Die Ankömmlinge waren alles andere als willkommen. Sie wurden von der einheimischen Bevölkerung vielfach verachtet, diskriminiert, ausgegrenzt, teils mit rassistischen Parolen verfolgt.

Die Biografie des sudetendeutschen Familie Langer steht für das Schicksal, das viele in ähnlicher Form teilen. Was Alfred Langer jedoch im Rückblick schildern kann, ist eine Geschichte mit Happy End. Unter dem positiven Titel "Ein neuer Anfang" (ISBN 9783957160904, erschienen im Verlag Kern) berichtet der heute 77jährige seinen Lebensweg. Als fünfjähriger Junge kam er damals in einem Viehtransport nach Oberfranken und überlebte trotz erheblicher Entbehrungen die Nachkriegszeit. Dass das idyllische Leben, das seine Familie vorher in dem kleinen sudetendeutschen Ort Hermannstadt führte, mit der Ankunft der russischen und tschechischen Armee abrupt in Gewalt, Plünderung und Verachtung umschlug, konnte der kleine Junge nicht verstehen. Die erlebten Gewaltszenen verursachten ihm noch Jahre später Alpträume. Doch auch in der neuen Heimat im oberfränkischen Selbitz, erlebte er Ausgrenzung: als Habenichts, dessen Familie zu acht in zwei kleinen Zimmern wohnte, als Katholik unter Evangelischen. Den Eltern gelang es, mit Fleiß und Einfallsreichtum ihre Armut und Arbeitslosigkeit zu überwinden. Als Zwanzigjähriger ergriff Alfred schließlich die Gelegenheit, Deutschland zu verlassen und nach Kalifornien auszuwandern. Alfred Langer überwand mit Entschlossenheit und einem festen Glauben an einen neuen Anfang alle Hindernisse und Schwierigkeiten.

Interessant an Alfred Langers Biografie ist auch, dass er erst mit der zweiten Auswanderung in die USA wirklich Erfolg und Glück fand. Wer weiß, vielleicht wäre er in Deutschland noch jahrzehntelang abschätzig "der Flüchtling" geblieben.

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