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Mystiker und Missionare - In "Die Leute vom Tal" geben 12 Kurzgeschichten Aufschluss über unterschiedliche Glaubensrichtungen

Das Tal der Wupper ist seit der Reformation ein Hort für verschiedene christliche Konfessionen und religiöse Gruppierungen. Der Volksmund spricht vom Muckertal oder der Sektenschlucht und Günther Grass äußerte über Wuppertals Wahrzeichen: "Wuppertal, wo die Schwebebahn eine Vielzahl wundergläubiger Sekten unfallfrei verbindet. Eine Stadt, in der Mystik und Kleinindustrie bergauf, bergab siedeln: tüchtig, weil immer erleuchtet."

Im 16. Jahrhundert trat die Gemeinde Elberfeld fast geschlossen zum Protestantismus calvinistischer Prägung über. Dagegen blieben andere Teile des 'Wuppertales' katholisch. zu blieben. Dies war zu der Zeit einzigartig in Deutschland und stand im krassen Gegensatz zu anderen Regionen, in denen sehr bald die Spaltung der Konfessionen in kriegerische Auseinandersetzungen mündete. Möglich wurde dies nur, weil die bergischen Herzöge kaum in die Religion ihrer Untertanen eingriffen. Im Tal der Wupper konnten mehrere Konfessionen nebeneinander existierten und sich ihrer Gemeinsamkeiten, aber vor allem auch ihrer Unterschiede bewusst waren.

Diesen Umstand hat Michael Harscheidt in seinem Buch "Die Leute vom Tal -Geheimnisvolle Hardt" (ISBN 9783957161826, erschienen im Verlag Kern) auf unterhaltsame Weise aufgegriffen. Er lässt den Reporter Fabian Jaspers diverse Interview-Aufträge abarbeiten. Bei diesen aufschlussreichen Begegnungen mit Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen wird der Reporter in einladende, informative, fromme und skurrile Dialoge verwickelt. In den zwölf Kurzgeschichten lernen die Leser auf unterhaltsame Art verschiedene religiöse Ansichten kennen.

Unnötig zu betonen, dass Michael Harscheidt selbst einst in die Rolle des Reporters geschlüpft war. Der Autor, ehemaliger Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialwissenschaften, engagiert sich selbst in der evangelischen Kirche des Rheinlandes unter anderem als Presbyter. Nach seiner Wahl zum Kirchmeister besuchte er viele Gemeinden, Sekten und okkulte Zirkel, um das religiöse Wuppertal kennenzulernen.

Nach Angaben der Stadt Wuppertal gibt es heute im Tal 30 evangelische, 27 katholische, drei orthodoxe und 21 freikirchliche Gemeinden. Insgesamt existieren außerdem etwa 80 verschiedene Glaubensgemeinschaften, von A wie African Christian International bis Z wie Zeugen Jehova. Zwischen Barmen und Elberfeld finden sich neben einfachen Gemeinden auch noch zahlreiche weitere religiöse Einrichtungen wie Verlage, Missionen, Krankenhäuser und Schulen. Wuppertal bietet eine religiöse Vielfalt, wie sie in dieser Dichte wohl ihresgleichen sucht.

Mit "Die Leute vom Tal" nimmt Michael Harscheidt nicht nur religiöse "Insider" und nicht nur Wuppertaler Anwohner auf einen abwechslungsreichen Rundgang um den Hausberg der Stadt mit.

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