Liquid Democracy Stiftung - Liquid Democracy Foundation

Liquid Democracy-Erfinder: "Sogar die AfD könnte eine größere Abspaltung positiv sehen"
Mit neuer Fraktion Koalitionsgespräche möglich?

In einer Pressemitteilung vom Wahlabend, 18:29 Uhr (http://www.presseportal.de/pm/127955/3743656), prognostizierte der Politikwissenschaftler und europäische Erfinder von Liquid Democracy[1][2], Christian Jacken, dass sich die AfD spalten würde. Allerdings rechnete er nicht damit, dass bereits am Folgetag die erste Abgeordnete austreten würde, was von vielen AfD-Gegnern in der Hoffnung begrüßt wurde, die AfD würde sich nun zerlegen.

Jacken sagte am Wahlabend, dass sich in der Partei Alternative für Deutschland (AfD) eine Spaltung zwischen den "nationalkonservativen" und "(wirtschafts-)liberalkonservativen" Lagern nicht mehr vermeiden liesse: "Auch wenn die heutige AfD jegliche Zusammenarbeit mit der von Angela Merkel geführten Union ablehnt, wird ein nicht unerheblicher Teil der heute gewählten AfD-Bundestagsabgeordneten bereit sein bzw. gar eine ethische Pflicht darin sehen, wieder eine bürgerliche (schwarz-gelbe) Koalition zu ermöglichen bzw. zu tolerieren, und sei es nur, um aus deren Sicht Schlimmeres zu verhindern. Diese AfD-"Realos" würden dann vermutlich eine neue Bundestagsfraktion bzw. Partei bilden, oder z. B. mit der CSU oder den nicht zur Wahl angetretenen Liberal-Konservativen Reformern (LKR) kooperieren." Die LKR wurden 2015 vom ausgetretenen AfD-Gründer Bernd Lucke (MdEP) und vielen ehemaligen AfD-Mitgliedern gegründet. Auch die Freien Wähler (Bundesvereinigung) kämen laut Jacken eventuell für eine Kooperation in Frage. Ferner könnte sich vielleicht die CSU, welche auf Grund ihrer Treue zu Merkel besonders viele Wähler an die AfD verloren hat, nun notgedrungen doch zu einem künftig bundesweiten Antritt durchringen.

Jacken weiter: "Eine Neuausrichtung von einem Teil der Mitglieder an Stelle des bisherigen "Burgfriedens" muss für die AfD jedoch kein Schreckensszenario darstellen, könnte doch eine weitere, unbelastetere Bundestagsfraktion den Druck auf Angela Merkel noch weiter erhöhen." Damit rein rechnerisch eine bürgerliche Koalition zusammen mit den Stimmen einer realpolitischen AfD-Abgeordnetengruppe eine Mehrheit hätte, müssten nach dem aktuellen Bundestagswahlergebnis von 94 AfD-Abgeordneten mindestens 29 überlaufen; das ist weniger als ein Drittel. Um statt Gruppenstatus Fraktionsstatus zu beanspruchen wären 36 Abgeordnete vonnöten.

Aktuell erklärt Jacken dazu: "Wenn die AfD klug ist, wird sie soweit möglich einen Rosenkrieg vermeiden und diplomatische Beziehungen zu den Abtrünnigen aufrecht erhalten wollen. Zwar müsste die AfD und eine von ihr abgespaltene Partei aufpassen, um nicht bei einer der nächsten Wahlen an einer Sperrklausel zu scheitern; andererseits birgt eine Abspaltung eine grosse Chance, eine breitere Wählerklientel anzusprechen, da viele Wähler keinen "Gauland" oder "Höcke" mitwählen möchten und Union und FDP nicht nur auf der "rechten Flanke", sondern auch im liberalkonservativen Milieu viel Spielraum überlassen haben. Die "Alt-AfD" könnte mit einem noch markanteren Auftritt ("deutsche Trump-Partei") ebenfalls ein größeres Wählerpotential erschliessen, denn im internationalen Vergleich ist das deutsche politische Spektrum weiterhin linkslastig, wennauch mit Tendenz zur Normalisierung. Viele wollen so etwas natürlich nicht hören, aber viel Zuwanderung verschiebt fast immer das politische Spektrum eines Landes nach "rechts", und Gesellschaften sind nicht beliebig modellierbar. Ferner ist es widersprüchlich, überall mehr Vielfalt zu fordern, und dann beispielsweise einen "Bundestag der Vielfalt" abzulehnen - wer echte Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt ablehnt, ist kein Freund der Demokratie. Angesichts der derzeitigen Konstellation würde ich als hypothetischer Politikberater der CDU empfehlen, die "rechte" Flanke umgehend und glaubwürdig zu schliessen - zum Beispiel indem sie die Schwesterpartei CSU bundesweit antreten lässt."

Dass sich viele weitere AfD-Abgeordnete Frauke Petry bzw. "Die Blauen" anschliessen würde, hält Jacken für fragwürdig. "Durch die Art ihres Abgangs bei der Bundespressekonferenz hat sie unnötig viel Porzellan zerschlagen. Vielleicht könnte Professor Lucke eine gute Integrationsfigur sein. Der bisherig geringe Erfolg der LKR liegt m. E. vorwiegend an der Kleinparteien diskriminierenden und letztlich demokratieschädlichen Fünf-Prozent-Hürde, auf Grund derer in Deutschland lediglich eine Abspaltung in Fraktionsstärke signifikante Überlebenschancen hat."

Angesichts des gesellschaftlichen Tohuwabohus um das Bundestagswahlergebnis bedauert es Jacken, dass 15 Jahre nach der Erfindung von Liquid Democracy die Wähler immer noch gezwungen seien, zwischen wenigen "politischen Warenkörben" auszuwählen: "Niemand würde in einem Supermarkt einkaufen, in dem man den Inhalt des Einkaufswagens nicht frei zusammenstellen kann. Kein Wunder, dass die Unzufriedenheit und die Zahl der Protestwähler zunimmt, wenn die Politik nicht mit der gesellschaftlich-technologischen Entwicklung bzw. Möglichkeiten mithält." Das 2003 auf dem Weltsozialforum bzw. 2004 auf dem European Social Forum[1] erstmalig einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellte Liquid Democracy sei nach wie vor das fortschrittlichste und skalierbarste Konzept für größtmögliche Bürgerbeteiligung und bessere Entscheidungsfindung. Jacken möchte nach seiner geplanten Rückkehr aus dem brasilianischen "Exil" mit der Liquid Democracy Stiftung (www.LiquidDemocracy.de) und einer grossen Spendenwerbungs- und Mitmachkampagne durchstarten, um Liquid Democracy nach dem Stand der (Blockchain-)Technik manipulationssicher neu zu implementieren. Die Software soll dann zum Teil auf dem "Weltcomputer Ethereum" oder "Ethereum Classic" laufen.

"Liquid Democracy ist die völlig flexible ("flüssige") Kombination aus direkter und repräsentativer Demokratie. Mit Liquid Democracy können die Bürger online jederzeit selbst entscheiden, ob und wie sie sich bei einzelnen politischen Entscheidungen beteiligen - direkt oder via selbst ausgesuchte, jederzeit "abwählbare" Experten. Mit gewissen Einschränkungen wäre auch die deutsche Demokratie "verflüssigbar"." Jacken bedauert, dass die ursprünglich sehr freiheitlichen und von vielen kompetenten Mitgliedern des Chaos Computer Club (CCC) mitaufgebauten Piraten nach ihren Anfangserfolgen und bundesweiten Umfrageergebnissen von bis zu 13% letztlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, welche laut der von Jacken befürworteten "Aktion Wahlreform" (www.wahlreform.de) ungerecht und demokratieschädlich sei, weswegen man vermutlich erneut gegen die aktuelle Regelung vor dem Bundesverfassungsgericht klagen werde. Da aber die Verfassungsrichter stets von den grösseren Parteien benannt werden, machen sich Bürgerrechtler wie Jacken und der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim[3] da wenig Hoffnung.

Die etablierten Parteien kritisiert Jacken u.a. dafür, im komfortablen Elfenbeinturm und Filterblasen die Bodenhaftung verloren, bewährte ordnungspolitische Grundpfeiler über Bord geworfen und gegenüber der AfD die falsche Strategie gewählt zu haben: "EDEKA versucht ja auch nicht, ALDI loszuwerden, indem sie ständig den Konkurrenten bzw. dessen Kunden schlecht macht. Setzte man sich vor Jahren noch halbwegs ernsthaft mit dem politischen Gegner auseinander, erlebt man heute immer mehr hohle Phrasen und emotionale Rhetorik, welche sich aber schnell abnutzt. Wenn die AfD beispielsweise in ihrem Parteiprogramm ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild fordert, ist es ein Eigentor, sie pauschal als fremdenfeindlich oder gar als Nazis zu bezeichnen."

"Viele Kritiker scheinen zudem vergessen zu haben, dass in einer Demokratie für Sichtweisen und Vorschläge jeder Art geworben werden darf, solange diese nicht gesetzes- bzw. verfassungswidrig sind, worüber aber nicht die politischen Gegner oder der Zensur verdächtigte Schnellverfahren gemäß dem Netzdurchsuchungsgesetz, sondern eine unabhängige Judikative zu urteilen hat", verteidigt Jacken rechtsstaatliche Prinzipien und die nach seiner Auffassung gefährdete demokratische Kultur: "Umso unakzeptabler ist es, wenn trotz der Lektionen aus der deutschen Geschichte angebliche Demokraten Wahlplakate zerstören, Beihilfe zum Wahlbetrug leisten oder gar Wahlhelfer tätlich angreifen. Sogar Spitzenpolitiker bezogen nicht eindeutig Stellung dagegen, und fachen durch grenzwertige Wortwahl (z. B. "Feinde der Demokratie" oder "Pack" statt "politische Gegner") Konflikte weiter an. Die Leute merken es zudem, wenn mit zweierlei Mass gemessen wird, oder wenn beispielsweise Kritiker von Hetze selbst hetzen."

Nach über 15 Jahren Gesamt-Lebenserfahrung in Brasilien hebt Jacken ferner hervor, dass er die dort ausgeprägtere Toleranz gegenüber unterschiedlichen Meinungen und die trotz niedrigerem durchschnittlichem Bildungsniveau kritischere Einstellung der Bevölkerung schätzt. "Kleinparteien werden hier nicht durch eine Sperrklausel ("5%-Hürde") benachteiligt, und trotz 21(!) im Parlament vertretener Parteien fand sich z. B. 2016 eine 2/3-Mehrheit, um die damalige Präsidentin wegen Untreue des Amtes zu entheben. Andererseits hat Brasilien ganz andere Baustellen, und eine ca. 35 mal so hohe Rate an Tötungsdelkten je 100.000 Einwohner stellt eine deutliche Warnung an die deutsche Politik dar, möglichst schnell die richtigen Antworten in Bezug auf den aktuell stattfinden Wandel zu einer multiethnischen Gesellschaft zu finden."

Was die künftig auch für Liquid Democracy eingesetzte "Blockchain-Technologie-Revolution" und die darauf aufbauenden bankensystemunabhängigen Internetwährungen betrifft - am bekanntesten sind Bitcoin und Ethereum - ist der u.a. beim Schwarmintelligenz-Fintech-Startup "Swarm Fund"[7] mitwirkende Jacken sehr optimistisch. "Ich sehe in der "Kryptoökonomie" ein enormes gesellschaftliches und auch politisches Verbesserungspotential und empfehle allen, sich mit diesem Paradigmenwechsel vertraut zu machen."

Der ursprüngliche Junge-Unions-Nachwuchs Jacken wurde nach einem Intermezzo bei der brasilianischen Weltsozialforumsbewegung, dem Bürgerhaushaltsprojekt "Orçamento Participativo" und dem "Partido Liberal" 2006 einer der Vordenker bzw. Gründer[4] der deutschen Piratenpartei, in die er das Liquid Democracy-Konzept einbrachte. Als eher introvertierter Mensch mied er lange Zeit das Rampenlicht und verzichtete zugunsten der Allgemeinheit auf die Weiterverfolgung der Liquid Democracy-Patentanmeldung, die er 2004 gemeinsam mit John Donoso (USA) einreichte. Wegen der "linken Übernahme" der Piraten folgte er 2013 dem ehemaligen CDU-Volkswirtschaftsprofessor Lucke in die AfD[5] und kandidierte im gleichen Jahr in Berlin für den Bundestag. Wie Jacken 2013 im Interview mit "Telepolis"[6] ausführte, fühlt er sich aber vor allem dem überparteilichen Streben nach den besten Problemlösungen verpflichtet - das "Parteien-Schubladendenken" würde in der Gesellschaft großen Schaden anrichten. Die "Euro-Rettung" mit Steuergeldern zugunsten internationaler Banken und Milliardäre bezeichnete er als regelrechtes Verbrechen gegen die Menschheit, "solange woanders noch Menschen verhungern bzw. ein menschenunwürdiges Leben führen müssen". Zur AfD wechselte er 2013 "zu einem wichtigen Anteil, um dort Liquid Democracy einzubringen", da die Partei die "Stärkung der Demokratie und der demokratischen Bürgerrechte", "Volksabstimmungen und -Initiativen nach schweizerischem Vorbild" und "mehr direkte Demokratie auch in den Parteien" forderte. In der nicht so technikaffinen AfD begegnete man ihm als Ex-Piraten aber oftmals mit Misstrauen. "Fehler habe ich natürlich auch gemacht", räumt Jacken ein, "doch zum Teil kann das auf einer Betrachtungsebene Falsche auf der Metaebene richtig sein (oder umgekehrt) - ohne eine verbindliche Wertehierarchie kann man da mitunter endlos diskutieren. Wenig Zweifel dürfte aber beispielsweise die Feststellung auslösen, dass es ethischer wäre, etwa 20 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern des völkerrechtlich dafür geschaffenen UNHCR zu versorgen, anstelle bei gleichen Gesamtkosten lediglich eine Million Menschen in einem der teuersten Länder der Welt aufzunehmen. Langfristig gilt dies umso mehr. Ferner könnte man in günstigeren Drittländern international wettbewerbsfähige Flüchtlingsstädte errichten, in denen sich die Menschen wohler fühlen würden und einer sinnvollen Arbeit nachgehen könnten." (siehe auch den Abschnitt weiter unten "Über Jackens Philosophie der "Liquid Society")

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FOTOS verfügbar unter facebook.com/ChristianJacken.LiquidDemocracy/

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LINKS/ANMERKUNGEN:

[1] https://web.archive.org/web/20040801000000*/letslink.org/solidarity/events/041017-liquid.htm

[2] http://www.LiquidDemocracy.de

[3] http://www.focus.de/politik/experten/macht-als-selbstzweck-die-parteien-haben-ihren-eigenen-staat-kreiert-und-der-buerger-kann-nur-zuschauen_id_7598320.html

[4] Am Tag der Gründungsversammlung konnte Jacken leider nicht in Berlin sein. Er bekam die Mitgliedsnummer 56. Jacken hatte bereits auf dem 22. Chaos Communication Congress (22C3) die Gründung einer "Nerd-Partei" vorgeschlagen.

[5] https://www.heise.de/tp/features/AfD-verzeichnet-Ansturm-aus-anderen-Parteien-3398779.html

[6] https://www.heise.de/tp/features/Direkte-Demokratie-Eurokrise-und-Probleme-der-Privatisierung-3399055.html

[7] http://www.presseportal.de/pm/127841/3731972

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HERAUSGEBER DER PRESSEMITTEILUNG (V.i.S.d.P.):

Liquid Democracy Stiftung GbR - Liquid Democracy Foundation

Verantwortlich/vertretungsberechtigt: Christian Jacken

(Presseassistenz: Immanuel Schmidt, kondratievmedia@gmail.com)

Postanschrift: Postfach 29977, 10132 Berlin

Hausanschrift (derzeit): Eschersheimer Landstr. 42, 60322 Frankfurt a. M.

Website: www.LiquidDemocracy.de (Relaunch in Arbeit)

Newsroom: http://www.presseportal.de/nr/127955

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PRESSEKONTAKT:

Christian Jacken

Presse(AT)LiquidDemocracy.de

Tel. (derzeit in Brasilien) +55 51 982 080 633 (auch WhatsApp, Veröffentlichung von Interviews bitte nur nach Authorisierung; dies gilt auch für Zitate *insofern* diese nicht Pressemitteilung(en) entstammen (bitte trotzdem auf faires, nicht sinnveränderndes Zitieren achten - vielen Dank!))

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WEITERER HINTERGRUND:

Christian Jacken (*1977) studierte u.a. in München, Berlin und Brasilien Philosophie, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaften, Judaistik und Psychologie. Liquid Democracy ist sein elektronischer Versuch der Verwirklichung der "idealen Kommunikationsgemeinschaft" in der "realen Kommunikationsgemeinschaft" (vgl. Jürgen Habermas / Karl-Otto Apel / Vittorio Hösle / Diskursethik / Transzendentalpragmatik / reflexive Letztbegründung). Zur ersten Umsetzung von Liquid Democracy gründete er 2004 mit dem amerikanischen Programmierer und Miterfinder John Donoso ein Berliner Startup, welches zu diesem Zeitpunkt allerdings verfrüht und nicht erfolgreich war. 2006 brachte Jacken Liquid Democracy erfolgreich in die frisch mitgegründete Piratenpartei ein (s. Anmerkung [4] oben).

In seiner Freizeit spielt Jacken gerne Klavier und komponiert; beruflich ist er derzeit als Bitcoin-Experte / Kryptoökonom, Politikberater / Mediator und philosophischer Therapeut tätig (siehe Anmerkung am Ende). Er ist Advisor des Schwarmintelligenz-Fintech-Startups "Swarm Fund" (www.swarm.fund).

Für die Veröffentlichung seiner Überlegungen zur AfD entschied er sich, da er die aktuellen Entwicklungen in Deutschland für sehr bedeutend hält. Für die Abkehr Deutschlands von einem Pfad langfristiger politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Stabilität sei die AfD jedoch nicht Ursache, sondern lediglich ein Symptom. Jacken spricht sich klar gegen Faschismus, Rassismus und Imperialismus aus, lehnt aber einen fanatisch-neurotischen Antifaschismus und ein geschichtlich gefährliches "Rechts-Links-Schubladendenken" ab. "Am schlimmsten sind oftmals die Leute, die glauben, aus der Vergangenheit 100%ig das Richtige gelernt zu haben, was übrigens auch viele dachten, die einmal u.a. auf Grund der Folgen des Versailler Vertrags ("Versailler Diktat") in die NSDAP strömten."

ÜBER JACKENS PHILOSOPHIE DER "LIQUID SOCIETY"

Christian Jacken ist ein Freund des Seasteading Institute (www.seasteading.org), Free State Project (www.freestateproject.org), der Free Society Foundation (www.freesociety.com), Free Private Cities (www.freeprivatecities.com) und Students for Liberty (www.studentsforliberty.org), war Gründungsmitglied der Liberland Settlement Association und einer der ersten Bewohner der "Freien Republik Liberland" (www.liberland.org).

Nach seiner Auffassung schliesst das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung und Menschenwürde ein, frei wählen zu können, mit welchen Menschen man nach welchen Regeln und (falls gewünscht) ohne staatliche Einmischung zusammenleben möchte. Insofern hat er sowohl Verständnis für Menschen, die z. B. in einer sozialistischen/kommunistischen, einer spirituellen oder z. B. in einer radikalmarktwirtschaftlichen (anarchokapitalistischen) autonomen Kommune (Mikronation) leben wollen, solange sie diese jederzeit und unversehrt wieder verlassen können (ein zwingendes Recht auf Aufnahme in eine bestimmte Mikronation gäbe es dabei nicht; gleichwohl aber das Recht, eine beliebige neue zu gründen).

Eine Hauptaufgabe eines (National-)Staates der Zukunft sieht er darin, die freie und friedliche Entfaltung der "Liquid Society" mit potentiell unendlich vielen autonomen Mikronationen zu gewährleisten - zum Wohle der Bewohner und insbesondere der Weiterentwicklung der gesamten Menschheit, welche heute durch rigide und ineffiziente Strukturen gebremst bzw. verhindert wird.

Zwar könne in einer Analogie zu "zu viele Köche verderben den Brei" eine demokratische (Diskussions-)Kultur verhindern, dass diejenigen, die lieber in einer "süß-sauren Suppengesellschaft" leben wollen, den Befürwortern einer "salzig-scharfen Suppengesellschaft" die Köpfe einschlagen oder umgekehrt; besonders effizient und zufriedenstellend sei dies aber nicht, da niemand je die Suppe bekommen wird, die er eigentlich möchte. Dabei wäre eigentlich in allen Ländern für viele verschiedene unabhängige "Suppengesellschaften" Platz.

Unabhängig davon wären Jackens (National-)Staaten der Zukunft weiterhin für die Verwaltung der jeweiligen "Mehrheitsgesellschaften" zuständig - mit denjenigen Menschen, die mit dem aktuellen System zufrieden sind und nicht von ihrem "Opt-Out-Recht" Gebrauch machen wollen, in eine der unabhängigen Mikronationen "auf der grünen Wiese" zu ziehen. Für diese Mehrheitsgesellschaften befürwortet Jacken direkte (E-)Demokratie mit grosser regionaler Autonomie wie in der Schweiz, dessen politisches System wertvolle Anregungen für Liquid Democracy geliefert habe.

Genauso wie es Freud es für gefährlich hielt, Völkern durch zu viel Aufklärung ihre Religion zu nehmen, da diese (wie z. B. das Christentum) vor schlimmeren (aus der Sicht Freuds) Neurosen bzw. Ersatzreligionen schützen könne, befürwortet Jacken den Erhalt nationaler Kulturen und die konsequente Anwendung des Subsidiaritätsprinzips, um eine "Entwurzelung" (und die damit verbundenen Gefahren) bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung zu vermeiden. Für Menschen, die besonders unter dem derzeitigen Auflösungsprozess nationaler und regionaler Kulturen leiden, empfiehlt er die Schaffung von Reservaten.

Jackens hier kurz dargestellte Vision einer Liquid Society (welche er in etwa zeitgleich mit der Vision von Liquid Democracy entwarf) ist von dem bisweilen ebenfalls als "liquid society" benannten Konzept der "liquid modernity" des Philosophen und Soziologen Zygmunt Bauman abzugrenzen. Während Bauman primär bereits stattfindende Veränderungen beschreibt, benötigt Jackens Liquid Society zu ihrer wesentlichen Umsetzung erst Freiräume, die zunächst von einem (National-)Staat eingeräumt werden müssten. (Einen Sonderfall stellte die Freie Republik Liberland dar, welche aber kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Kroatien besetzt wurde.)

Zu Jackens Konzept der Liquid Society gehört ferner die möglichst flächendeckende (aber auf Freiwilligkeit basierende) Verbesserung der Entscheidungsfindungsprozesse und der Teilhabe beteiligter Menschen in Firmen und Organisationen jeder Art mittels Liquid Democracy / "Liquid Governance". Analog zu Conway's "Game of Life" (aber unendlich komplexer) könnte in einer "Liquid Society" innerhalb eines friedlichen Ordnungsrahmens (fast) die gesamte Bandbreite möglicher Interaktionen zwischen Memen, Ideen und Lebewesen stattfinden (bewusst aber nur auf freiwilliger Basis, da "von oben" erzwungene gesellschaftliche Experimente bereits mehrfach zu den schlimmsten Gräueltaten und größten Opferzahlen der Menschheitsgeschichte geführt haben). Was die freie Marktwirtschaft bzw. der klassische Liberalismus / Ordoliberalismus für große Teile der Menschheit geleistet hat (Beispiele Wirtschaftswunder, Wohlstand, Lebensqualität, ohne einige problematischen Aspekte ausblenden zu wollen), könnte "Liquid Society" für die ganze Menschheit bzw. alle Dimensionen des Menschseins leisten.

Um zu veranschaulichen, was der Menschheit ohne einen freien evolutionären Wettbewerb in einer "Liquid Society" entgehen würde, argumentiert Jacken, dass die Evolution nie einen Fisch, geschweige denn einen homo sapiens sapiens hervorgebracht hätte, wenn "Gott" für neue Spezies eine Fünf-Prozent-Hürde vorgesehen hätte.

Er kritisiert, dass sich noch nicht einmal dafür ausgebildete Politiker ständig im Recht sehen, mit ihren unaufhörlich produzierten Gesetzen Millionen von Interaktionseinschränkungen ohne legale "Opt-Out-Möglichkeit" zu schaffen, was die evolutionären Selbstheilungskräfte schwächt, zu einer "Interventionsspirale" führt (vgl. Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek) und langfristig in schweren Krisen bzw. Katastrophen endet (so halten beispielsweise "Papiergeldsysteme" ("fiat money") im Schnitt weniger als 40 Jahre).

Ein älteres Paper zu Liquid Democracy (noch vor Berücksichtigung der Blockchain-Technologie, erst sehr spät von archive.org gespiegelt): https://web.archive.org/web/20160222182857/http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/0d/Liquid_Democracy_SMV_SMVcon_Christian_Jacken.pdf

Anmerkung: Als philosophischer Therapeut bzw. philosophischer Praktiker und praktischer Philosoph / Theologe interessiert sich Jacken besonders für die Fragestellungen und Probleme "politischer Menschen", von Libertären bzw. Menschen mit starkem Freiheitsbedürfnis und auch die von Menschen mit Asperger-Syndrom, Hochbegabung, Inselbegabung(en), Autismusspektrumstörungen (ASS), Aufmerksamkeitsdefizitstörungen (ADS/ADHS), zwanghafter Persönlichkeitsstörung (OCPD), Depressionen, Perfektionismus-Syndrom und/oder tiefgründiger Fragen nach dem Sinn des Lebens bzw. Sinn dieser Welt (vgl. Existenzanalyse nach Frankl).

Original-Content von: Liquid Democracy Stiftung - Liquid Democracy Foundation, übermittelt durch news aktuell

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