Universität Kassel

Fußball-Weltmeisterschaften: Studie widerlegt Einfluss auf die Börse

Prof. Dr. Christian Klein. Foto: privat.
Prof. Dr. Christian Klein. Foto: privat.

Fußball-Weltmeisterschaften: Studie widerlegt Einfluss auf die Börse

Fußball-Weltmeisterschaften und andere Länderspiele haben keinen Einfluss auf Börsenkurse, anders als oft angenommen wird. Dies stellt der Kasseler Wirtschaftsprofessor Dr. Christian Klein in einer Studie fest, in der er einen Einfluss des englischen Auswahlteams auf den Londoner Aktienindex FTSE 100 widerlegt.

Für britische Anleger könnte dies - je nach Ausgang der Weltmeisterschaft - eine gute Nachricht sein: Scheidet das englische Team früher oder später aus der bevorstehenden Weltmeisterschaft aus, wird das keinen negativen Einfluss auf die Börsenkurse haben. Bei einem Titelgewinn freilich auch keinen positiven: "Egal wie gut oder schlecht die Three Lions spielen, das lässt die Londoner Börse kalt", ist sich Prof. Dr. Christian Klein sicher, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Universität Kassel. "Das gilt auch für andere Nationen und Finanzmärkte. Die Vermutung, Spielergebnisse von Nationalmannschaften würden über die nationale Stimmung auch die Kurse beeinflussen, ist hübsch, aber falsch."

Klein hat mit seinen Mitautoren Tobias Bauckloh, Bernhard Zwergel und Sebastian Heiden in einer vor kurzem veröffentlichten Studie englische Kollegen widerlegt, die einen solchen Einfluss am Beispiel der eigenen Nationalmannschaft behauptet haben. Sein Forschungsergebnis ist Teil einer seit Jahren andauernden Auseinandersetzung zweier Wissenschaftler-Lager, die sich in dieser Frage in ähnlicher Rivalität gegenüberstehen wie die Auswahlmannschaften Englands und Deutschlands.

Klein überprüfte die Ergebnisse der englischen Kollegen mit zwei Kunstgriffen: Zum einen bezog er den Einfluss internationaler Marktentwicklungen auf den FTSE 100 ein. Dazu integrierte er den Europäischen Index Euro STOXX 50 in die Formel. Ergebnis: "Was zunächst nach einer Auswirkung von Sieg oder Niederlage im Stadion aussah, war häufig schlicht eine Folge der internationalen Marktbewegungen", so Klein. Noch schlagender: Klein und sein Team verglichen die Ergebnisse der englischen Fußballer mit der Entwicklung auf den französischen Aktienindex CAC 40. Demnach würden auch die französischen Anleger bei englischen Siegen in Jubelstimmung Geld investieren respektive bei englischen Niederlagen Geld abziehen.

Die Überprüfungen des Kasseler Wirtschaftswissenschaftlers stimmen überein mit eigenen Auswertungen von Turnier- und Qualifikationsspielen zahlreicher europäischer Teams und deren vermeintlichem Einfluss auf die Kurse, die Klein und Mitarbeiter 2009 vorgelegt hatten. Auch damals stellten sie keinen statistischen Zusammenhang fest. Eine Erklärung: Ein großer Teil des Handelsvolumens an den Börsen geht inzwischen von ausländischen und institutionellen Anlegern aus, die sich nicht von einem einzelnen Nationalteams beeinflussen lassen.

Link zur Studie: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1544612318301119#sec0001

Pressemitteilung (2014) mit Ergebnissen der Studie von 2009: http://www.uni-kassel.de/uni/universitaet/pressekommunikation/neues-vom-campus/meldung/article/wenn-...

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Klein

Universität Kassel

Fachgebiet Unternehmensfinanzierung

Tel.: + 49 561 804-7565

Email: klein@uni-kassel.de

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Sebastian Mense
Universität Kassel
Stabsstelle Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 561 804-1961
Email: presse@uni-kassel.de
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