Universität Kassel

Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft für Arbeiten zur Optimierung von Baustoffen

Die Preisträger Florian Ebert und Lena Reinhardt. Foto: Uni Kassel.

Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft für Arbeiten zur Optimierung von Baustoffen

Der diesjährige Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft wird an zwei Kasseler Studierende des Bauingenieurwesens verliehen: Lena Reinhardt erhält den Preis für ihre Bachelorarbeit "Quarzmehlfreier UHPC mit alternativen inerten Zusatzstoffen"; Florian Ebert wird ausgezeichnet für seine Masterarbeit "Erhöhung der Recyclingquote von Asphalt durch Aufbereitung des Asphaltgranulats und den Einsatz von verjüngenden Rejuvenatoren." Beide erhalten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 1.500 Euro.

Die Verleihung fand am Dienstagabend, 30. Januar 2018, im Gießhaus der Universität Kassel statt.

Lena Reinhardt (24) befasst sich in ihrer Bachelorarbeit mit den Zusatzstoffen von ultrahochfestem Beton, kurz UHPC. Hierbei untersucht sie, ob das gesundheitsschädliche Quarzmehl (Silikosegefahr) durch alternative Zusatzstoffe ersetzt werden kann, ohne dadurch die Leistungseigenschaften des UHPC zu mindern. Gleichzeitig überprüft sie, ob sich dadurch auch der erforderliche Zementgehalt im Beton reduzieren lässt. Dies hatte den übergeordneten Zweck, die Bereitschaft der Industrie zur Herstellung von UHPC aufgrund der dann geringeren erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen und gleichzeitig Materialressourcen einzusparen.

Lena Reinhardt kommt in ihrer Arbeit zu dem Ergebnis, dass ein Austausch des Quarzmehls durch die alternativen Stoffe Kalksteinmehl und Basaltmehl sehr gut möglich ist. Wie ihre Laborversuche zeigen, lässt sich dadurch zwar kein Zement einsparen, die Leistungseigenschaften des UHPC bleiben aber sehr gut erhalten. Dies kann zur weiteren Etablierung von UHPC in der Bauwirtschaft beitragen.

Florian Ebert (26) befasst sich in seiner Masterarbeit mit dem Recycling von Asphalt im Straßenbau. Bei der baulichen Erhaltung bzw. beim Rückbau von Straßen fallen in Deutschland jährlich ca. 14 Millionen Tonnen Ausbauasphalt an. Diese fallen unter den Geltungsbereich des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, wonach das Recycling Vorrang vor der Abfallbeseitigung (Deponierung) hat. Hierdurch sollen natürliche Ressourcen geschont werden. Ausbauasphalt wird im Regelfall zu Asphaltgranulat aufbereitet und in neuem Asphaltmischgut wiederverwertet.

Die Ergebnisse der Masterarbeit von Florian Ebert zeigen, dass durch Aufbereitung des Asphaltgranulats und selektive Zugabe von Granulat-Anteilen sowie durch den Einsatz von verjüngenden Zusätzen eine deutliche Steigerung der Recyclingquote bei der Asphaltherstellung erreicht werden kann. Die Auswertung seiner umfangreichen Laborversuche ergab, dass sich durch die Trennung der Ausbauasphalte in Mörtel- und Grobfraktion sowie durch Zugabe eines auf Kiefernharz basierenden Additivs der Recyclinganteil im Asphaltmischgut auf bis zu 95 % erhöhen lässt.

Die Ergebnisse beider Preisträger seien sehr überzeugend und wertvoll, urteilte die Jury. Die Arbeiten verbänden in hervorragender Weise wissenschaftlichen Anspruch mit direktem Praxisbezug und belegten beispielhaft die enge Verknüpfung von universitärer Forschung und Lehre. Sie zeigten darüber hinaus auch, dass der Beruf Bauingenieur aufgrund seiner Bedeutung für das Erreichen aktueller bau- und umweltpolitischer Ziele über eine hohe gesellschaftliche Relevanz verfüge.

30 Jahre Tradition

Der Preis wird gestiftet von der Arbeitsgemeinschaft Stufenausbildung (Bau) Kassel - ASK und ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Die Verleihung erfolgt in Kooperation mit dem Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen der Universität Kassel einmal jährlich in einer öffentlichen Feierstunde an Studierende des Fachbereichs für hervorragende Abschlussarbeiten. Auswahlkriterium ist dabei, dass die auszuzeichnenden Arbeiten unter Beachtung einer kostengünstigen Planung, Konstruktion und Bauausführung einen Beitrag zur Lösung wesentlicher Probleme in der Ingenieurpraxis leisten.

Der Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft setzt die Tradition des KBB-Preises fort, der vor 30 Jahren erstmals verliehen wurde. Somit handelt es sich um den am längsten bestehenden Förderpreis für studentische Arbeiten an der Universität Kassel.

Die Bachelorarbeit von Lena Reinhardt wurde betreut von Dr. Alexander Wetzel und Prof. Bernhard Middendorf (beide Fachgebiet Werkstoffe des Bauwesens und Bauchemie). Die Studentin absolviert nach ihrem Bachelorabschluss zurzeit auch ihr Masterstudium des Bauingenieurwesens in Kassel.

Die Masterarbeit von Florian Ebert wurde betreut von Dr. Konrad Mollenhauer (Sachgebiet Bau-und Erhaltung von Verkehrswegen) sowie Prof. Arnd Urban (Fachgebiet Abfalltechnik). Nach seinem Masterabschluss ist Florin Ebert derzeit in der Bauwirtschaft tätig.

Die Festveranstaltung fand am 30. Januar 2018 in feierlichem Rahmen im Gießhaus der Universität statt. Die Moderation des Abends übernahm Prof. Volkhard Franz als Dekan des Fachbereichs Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen. Die Verleihung des Förderpreises wurde vorgenommen von den beiden Vorständen der ASK Dr. Burkhard Siebert und Thilko Gerke. Den Festvortrag hielt Dr. Andreas Geyer, Leiter der Hauptabteilung Wirtschaft im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Berlin, zum Thema "30 Jahre Förderpreis, 30 Jahre Bauwirtschaft - Rückblick, Gegenwart, Ausblick".

Kontakt:

Prof. Dr.-Ing. Peter Racky

Universität Kassel

Fachgebiet Baubetriebswirtschaft

E-Mail: peter.racky@uni-kassel.de

---------------------------------------
Ihr Kontakt in der Pressestelle der Universität Kassel: 

Sebastian Mense
Universität Kassel
Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 561 804-1961
E-Mail: presse@uni-kassel.de
www.uni-kassel.de 



Das könnte Sie auch interessieren: