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Baumartenvielfalt ist kein Schutz gegen Borkenkäferbefall

Baumartenvielfalt ist kein Schutz gegen Borkenkäferbefall
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Baumartenvielfalt ist kein Schutz gegen Borkenkäferbefall

Freiburger Ökologin erforscht den Schädlingsbefall in Wäldern mit Misch- und Monokulturen

In den vergangenen Jahren konnten es Försterinnen und Förster hautnah beobachten: Erst schwächt langanhalte Trockenheit die Bäume, dann greifen Borkenkäfer und andere Schädlinge an. Während gesunde Bäume die Eindringlinge mit Harz fernhalten, sind gestresste beinahe wehrlos. Die Freiburger Wissenschaftlerin Sylvie Berthelot und ihr Team von Forschenden aus der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen und der Fakultät für Biologie untersuchen die Bedeutung von Baumdiversität auf den Borkenkäferbefall. Sie gehen der Frage nach, ob die Zusammensetzung der Baumarten eines Waldes das Fressverhalten der Borkenkäfer beeinflusst. Ihre Ergebnisse hat das Team im „Journal of Ecology“ veröffentlicht.

In einem 1,1 Hektar großem Versuchsaufbau in Freiburg sind jeweils sechs einheimische Laub- und Nadelbaumarten aus Europa und sechs Laub- und Nadelbaumarten aus Nordamerika in verschiedenen Mono- und Misch-Parzellen angepflanzt. Nach der starken Trockenheit im Sommer 2018 befiel der Kupferstecher aus der Familie der Borkenkäfer vor allem die einheimischen Arten, die Gemeine Fichte und die Europäische Lärche. „Wir waren überrascht, dass die Käfer an den exotischen Nadelbaumarten, wie beispielsweise der amerikanischen Fichte, nur leichtes Interesse hatten“, sagt Berthelot.

Während des Messens des Befalls stellten die Forschenden fest, dass auch die Position innerhalb der Versuchsfläche entscheidend ist. Die Bäume am Rand wurden am stärksten angegriffen. Daher vermutet Berthelot, dass der Borkenkäfer von außerhalb ins Versuchsfeld kam. „Darüber hinaus schwächen Umwelteinflüsse die ungeschützten äußeren Bäume stärker, sodass sie anfälliger sind.“

Gleichzeitig verändert sich die Wahrscheinlichkeit, welche Bäume die Käfer befallen, je mehr Baumarten es gibt. Bisher nahmen die Forschenden an, dass Baumdiversität den Befall von Insektenschädlingen wie dem Borkenkäfer reduziert. Doch ihr Experiment zeigt: „Eine zunehmende Baumvielfalt kann das Risiko eines Borkenkäferbefalls für Gattungen, die für hohe Befallsraten anfällig sind wie Lärche und Fichte verringern. Aber das Risiko für weniger bevorzugte Gattungen wie die Kiefer oder exotische Bäume kann mit der Baumvielfalt zunehmen, da einmal angelockte Käfer auch diese Bäume befallen“, sagt Berthelot. Zwar gebe die Studie Hinweise darauf, dass nicht-heimische Baumarten wenig befallen werden, da die Käfer diese Gattungen nicht kennen. „Dieser Effekt kann sich mit den Jahren allerdings abschwächen.“ In Mischwäldern werde das Risiko eines Befalls also eher auf die Baumarten umverteilt als für alle reduziert.

Das Team forscht im Rahmen des International Diversity Experiment Network with Trees, kurz IDENT. Das internationale Netzwerk widmet sich der Forschung rund um Baumarten-Vielfalt und deren Einfluss auf die Funktionen eines Ökosystems. In Freiburg wurde der gleiche Versuchsaufbau angelegt wie in Kanada, den USA und Italien.

Artikel über IDENT im Forschungsmagazin uni’wissen

Originalveröffentlichung

Berthelot, S., Frühbrodt, T., Hajek, P., Nock, C. A., Dormann, C. F., Bauhus, J., Fründ, J. (2021): Tree diversity reduces risk of bark beetle infestation for preferred conifer species, but increases risk for less preferred hosts. In: Journal of Ecology. DOI: 10.1111/1365-2745.13672

Kontakt:

Sylvie Berthelot

Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen

Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften

Abteilung für Biometrie und Umweltsystemanalyse

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Tel.: 0761/203-3752

E-Mail: sylvie.berthelot@biom.uni-freiburg.de

Franziska Becker

Abt. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Tel.: 0761/203-54271

E-Mail: franziska.becker@pr.uni-freiburg.de

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