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19.01.2021 – 09:16

ETL-Gruppe

ETL-Rechtsexperte Dr. Uwe Schlegel: „Gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice ist eine unsinnige Forderung!“

ETL-Rechtsexperte Dr. Uwe Schlegel: „Gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice ist eine unsinnige Forderung!“
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Berlin/Essen, 19.01.2021. Der Anspruch auf einen Arbeitsplatz zu Hause ist längst gesetzlich geregelt. „Die Forderung nach einem solchen Anspruch geht also ins Leere“, fasst ETL-Rechtsexperte Dr. Uwe Schlegel zusammen. Wichtig sind ganz andere Fragen, über die man dringend diskutieren muss. Wie schaffen wir in Privathaushalten Umstände, die die Arbeit von zu Hause erst ermöglicht und wer kommt dafür finanziell in welchem Umfang auf?

Dieser Tage brauchen wir viele gute Ideen, um das Coronavirus erfolgreich zurückzudrängen. Alles, was dazu beitragen kann, die Pandemie zu bekämpfen, gehört diskutiert und erforderlichenfalls schnellstmöglich umgesetzt. Da darf das Arbeitsrecht nicht außen vor bleiben. Aber nicht alles, was im Kampf gegen das Virus auf den ersten Blick Erfolg verspricht, ist wirklich dienlich. Und manches Mal muss man auch nichts tun, und stattdessen einfach machen. So verhält es sich mit der Forderung nach einem gesetzlich geregelten Anspruch auf einen Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden, auch Homeoffice genannt. Dieses möglicherweise vielversprechende Instrument zur Pandemiebekämpfung muss nicht erst geschaffen werden. Es ist schon längst da!

Ein kurzes Beispiel: Ein Arbeitnehmer fürchtet um eine Infektion mit dem Coronavirus im Großraumbüro. Die Mindestabstände zwischen den Mitarbeitern werden zwar eingehalten und eine Maske wird auch durchweg von den Kollegen getragen. Dennoch kommt es immer wieder zu Begegnungen auf dem Büroflur. Und auch die gemeinsame Nutzung der sanitären Einrichtungen durch das im Großraumbüro tätige Personal hinterlässt bei vielen Mitarbeitern ein mulmiges Gefühl. Hinzu kommen auch Phasen, in denen der Mundschutz nicht schützt, weil ein Arbeitnehmer etwas trinkt oder Kleinigkeit isst. Schließlich muss der Arbeitnehmer für seinen Weg ins Büro und zurück öffentliche Verkehrsmittel nutzen, da ihm ein eigener Pkw nicht zur Verfügung steht. Was nun?

Wer hier einen gesetzlichen Anspruch des Arbeitnehmers auf einen Homeoffice-Arbeitsplatz einfordert, weiß nicht, dass das Gesetz einen solchen Anspruch längst vorsieht. Zuzugeben ist lediglich, dass das Gesetz nicht ausdrücklich von Homeoffice spricht. Allerdings trifft den Arbeitgeber nach § 618 BGB eine allgemeine Pflicht zur Fürsorge. Das wiederum kann bedeuten, dass der Arbeitgeber gehalten ist, es seinem Arbeitnehmer zu erlauben, dass dieser vorübergehend von zu Hause arbeitet. Wenn nur so einem nennenswerten Infektionsrisiko begegnet werden kann, erfüllt der Arbeitgeber mit der dem Arbeitnehmer eingeräumten Möglichkeit eines Homeoffice letztlich seine aus § 618 BGB abgeleitete Pflicht zur Fürsorge. Natürlich ist das alles immer eine Frage des Einzelfalls. So muss der Arbeitnehmer unter anderem sicherstellen können, dass bei einer Arbeit im Homeoffice dem Datenschutz im erforderlichen Umfang Rechnung getragen werden kann. Auch muss der heimische Arbeitsplatz ganz grundsätzlich für eine Büroarbeit geeignet sein, was schon schwierig wird, wenn allein ein Hocker in der Küche als Arbeitsstuhl und ein Teil des Esszimmertisches als Schreibtischersatz zur Verfügung stehen. Damit ist auch schon das eigentliche Problem beschrieben. Es geht nicht um die gesetzliche Regelung, die dem Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz zu Hause ermöglicht. Es geht um die notwendigen Voraussetzungen, die entweder vorhanden sind oder erst geschaffen werden müssen, damit eine Arbeit von zu Hause überhaupt möglich wird. Wer kontrolliert die Einhaltung des Datenschutzes? Wer prüft die Arbeitsplatzsicherheit? Und wer bezahlt das alles?

Das heißt: Der Anspruch auf einen Arbeitsplatz zu Hause ist längst gesetzlich geregelt. Die Forderung nach einem solchen Anspruch geht also ins Leere. Wichtig sind ganz andere Fragen, über die man dringend diskutieren muss. Wie schaffen wir in Privathaushalten Umstände, die die Arbeit von zu Hause erst ermöglicht und wer kommt dafür finanziell in welchem Umfang auf?

Hintergrund im Magazin ETL AKTUELL

Alle aktuellen Hintergrundinformationen zum Thema Home Office und Arbeitsrecht im Videomagazin ETL AKTUELL: ETL-Rechtsexperte Dr. Uwe Schlegel im Interview hier.

Diese Presseinformation ist frei zitierbar. Interviewwünsche und Rückfragen richten Sie gerne direkt an ETL Rechtsanwaltsexperte Dr. Uwe P. Schlegel; koeln@etl-rechtsanwaelte.de">koeln@etl-rechtsanwaelte.de;

Tel.: 0221/8804060.

Die ETL-Gruppe ist in Deutschland mit über 870 Kanzleien vertreten und darüber hinaus in 50 Ländern weltweit mit 250 Kanzleien präsent. ETL ist Marktführer im Bereich Steuerberatung und gehört zu den Top 5 der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftet mit ihren Geschäftsbereichen Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung, Unternehmensberatung und IT bundesweit einen Gruppenumsatz von über 950 Mio. Euro. Insgesamt betreuen über 10.000 Mitarbeiter – darunter mehr als 1.500 Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater – überall in Deutschland mehr als 200.000 Mandanten.

Pressekontakt

Danyal Alaybeyoglu, Leiter Unternehmenskommunikation ETL AG | Mauerstraße 86-88 | 10117 Berlin;

Tel. +49 30 2264 0230; danyal.alaybeyoglu@etl.de