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20.11.2019 – 12:20

Universitätsklinikum Essen AöR

PM: Placebos lindern Rückenschmerzen - Ein Nichts mit großer Wirkung

Pressemitteilung

Placebos lindern Rückenschmerzen - Ein Nichts mit großer Wirkung

(Essen, 20.11.2019) Jeder 10. Erwachsene leidet an chronischen Rückenschmerzen - oft mit gravierenden Folgen für den Alltag und die Arbeitsfähigkeit. Die Therapie wirkt häufig nur unzureichend und hat nicht selten schwerwiegende Nebenwirkungen. Ein Team aus Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) hat nun am Universitätsklinikum Essen eine mögliche Alternative untersucht: Placebos. Hierüber berichtet die international renommierte Fachzeitschrift PAIN*.

Es klingt erstaunlich, und doch hat es in der Studie am Essener Rückenschmerz-Zentrum (Klinik für Neurologie) funktioniert: 127 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen bekamen Placebos, also Kapseln, die keinerlei Wirkstoff enthalten. Anschließend untersuchte das Team um Dr. Julian Kleine-Borgmann aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrike Bingel, wie die Männer und Frauen den Schmerz wahrnahmen, und maßen ihre Beweglichkeit.

Patienten, welche die dreiwöchige Placebo-Anwendung erhielten, hatten deutlich weniger Schmerzen als jene, die in der Kontrollgruppe ihre übliche Therapie fortsetzten. Auch schätzten sie ihre Beweglichkeit und funktionelle Einschränkung im Alltag als enorm verbessert ein. Tatsächlich - das ergaben Messungen - war die Wirbelsäule durch die Behandlung nicht beweglicher geworden, was Dr. Kleine-Borgmann nicht verwundert: "Wir wissen bereits aus verschiedenen Studien, dass Placebos vor allem subjektive Beschwerden wie Schmerzen beeinflussen können, objektive Messgrößen wie Laborparameter jedoch deutlich weniger."

Die Behandlung mit den so genannten 'Open-Label Placebos' soll künftig vor allem begleitend zu etablierten Schmerztherapien angewendet werden, um mögliche Nebenwirkungen bis hin zur Medikamentenabhängigkeit zu verhindern.

Dennoch sind viele Fragen unbeantwortet, etwa diese: Wie genau und für wie lange wirken Placebos, selbst wenn Patienten wissen, dass sie wirkstofffrei sind? Dies möchten die Wissenschaftler nun in größeren Studien an verschiedenen Standorten untersuchen.

Teilnehmer gesucht

Für aktuelle Studien sucht das Team der klinischen Neurowissenschaften sowohl interessierte Patienten als auch gesunde Probanden, die sich telefonisch (Tel. 0201/723-2439) oder per Email (schmerzstudie@uk-essen.de) melden können.

Kontakt

Dr. Julian Kleine-Borgmann, Klinische Neurowissenschaften/Klinik für Neurologie, Tel. 0201/723-2446, julian.kleine-borgmann@uk-essen.de

*Publikation

Kleine-Borgmann, Julian*; Schmidt, Katharina; Hellmann, Andreas; Bingel, Ulrike. Effects of open-label placebo on pain, functional disability, and spine mobility in patients with chronic back pain: a randomized controlled trial. PAIN: December 2019 - Volume 160 - Issue 12 - p 2891-2897. doi: 10.1097/j.pain.0000000000001683

Pressekontakte Essen:

Christine Harrell
Leiterin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Dekanat der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen
Tel.: +49 201 / 723-1615
christine.harrell@uk-essen.de
www.uni-due.de/med/  

und

Thorsten Schabelon
Leiter Stabsstelle Marketing und Kommunikation
Universitätsklinikum Essen
Tel.: +49 201 / 723-3564
thorsten.schabelon@uk-essen.de
www.uk-essen.de 

Über die Medizinische Fakultät

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Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen sowie zwölf Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden, die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener Universitätsmedizin ist mit etwa 1.700 Betten das führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets und auf dem Weg zum Smart Hospital. 2018 behandelten unsere 8.500 Beschäftigten 72.000 stationäre und 300.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Schwerpunkte sind die Herz- und Gefäßmedizin, die Onkologie und die Transplantation. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation, einem international führenden Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, sowie dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum, einem überregionalen Zentrum der kardiovaskulären Maximalversorgung, hat die Universitätsmedizin Essen eine weit über die Region reichende Bedeutung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer klaren Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation, Herz-Gefäß-Medizin, sowie den übergreifenden Forschungsschwerpunkten Immunologie, Infektiologie und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften.