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18.12.2018 – 14:32

Universitätsklinikum Essen AöR

Blutgerinnung und Enzym - Entscheidender Zusammenhang bei der Multiplen Sklerose entdeckt

Bei der Multiplen Sklerose (MS) überwinden weiße Blutkörperchen ("Immunzellen") die Barriere zwischen Blut und Gehirn und wandern in das zentrale Nervensystem ein. Dort greifen sie das körpereigene Nervengewebe an und lösen eine Entzündungsreaktion aus. Doch wieso und wie kann diese eigentlich undurchdringliche Barriere überwunden werden?

Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen (UDE) und Münster sind der Antwort nun einen Schritt nähergekommen. Sie zeigen, dass die Blutgerinnung und das Enzym Kallikrein nebst seiner Vorstufe Kinin dazu beitragen. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

"Wir können beweisen, dass Kallikrein im Blutplasma die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht, die in das zentrale Nervensystem einwandern", erläutert Dr. Kerstin Göbel, Ärztin der Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie (ITN) der Universität Münster. Das Enzym verändert die Blut-Hirn-Schranke, sodass sie das zentrale Nervensystem nicht mehr vor schädlichen Eindringlingen schützen kann.

Gerinnungsfaktor aktiviert das Enzym

In den charakteristischen Entzündungsherden im Hirn und Rückenmark von MS-Patienten findet sich überdurchschnittlich viel Prä-Kallikrein, eine Vorstufe des Enzyms. Damit es die Entzündung im Nervensystem befeuern kann, muss es aktiviert werden. Hier stießen die Wissenschaftler auf einen alten Bekannten: den Gerinnungsfaktor XII. Von ihm hatte das Forschungsteam schon 2015 nachgewiesen, dass es zum Entzündungsprozess bei MS beiträgt.

Auch der Gegenbeweis wurde nun erfolgreich angetreten: Fehlt das Enzym im Plasma von Mäusen, sind sie weniger gefährdet, an der experimentellen Form der MS zu erkranken. Ein Medikament, das Kallikrein blockiert, hat bei den Tieren den gleichen Effekt. Auch bei bereits erkrankten Mäusen wirkte die Behandlung noch: Ihre Blut-Hirn-Schranke wurde deutlich weniger zerstört als die unbehandelter Mäuse und auch die Entzündung des Nervensystems fiel schwächer aus.

Elegante Möglichkeit für künftige Behandlung?

"Wir können also die Einwanderung schädlicher Zellen in das zentrale Nervensystem bei MS verringern, wenn wir es schaffen, Kallikrein zu blockieren", erläutert Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Dies könnte eine neue Strategie zur MS-Bekämpfung begründen. "Wir denken, dass die Beeinflussung von Gerinnungsfaktoren eine elegante Möglichkeit ist, in der Zukunft entzündliche Erkrankungen des Gehirns zu behandeln" erläutert der Koordinator der Studie und Direktor des ITN Münster, Prof. Dr. Dr. Sven Meuth.

Weitere Informationen:

Universitätsklinikum Essen: Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Klinik für Neurologie, Tel. 0201/723-2461, christoph.kleinschnitz@uk-essen.de

Universitätsklinikum Münster: Prof. Dr. Dr. Sven G. Meuth, MHBA, Klinik für Neurologie, Tel. 0251/83-44463, sven.meuth@ukmuenster.de

Link zur Publikation "Plasma kallikrein modulates immune cell trafficking during neuroinflammation via PAR2 and bradykinin release": https://www.pnas.org/content/early/2018/12/13/1810020116

Über die Medizinische Fakultät:
Wissenschaft und Forschung auf höchstem internationalem Niveau und eine
herausragende, exzellente Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte: Diese
Ziele hat sich die Medizinische Fakultät gesteckt und verfolgt sie mit
Nachdruck. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die
Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer
klaren Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation, Herz-Gefäß-Medizin
sowie den übergreifenden Forschungsschwerpunkten Immunologie, Infektiologie und
Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften. Der 2014 bezogene Neubau des
Lehr- und Lernzentrums bietet den Studierenden der Medizinischen Fakultät
exzellente Ausbildungsmöglichkeiten.

Über die Essener Universitätsmedizin 
Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen (UK
Essen) und seine Tochterunternehmen Ruhrlandklinik, St. Josef Krankenhaus,
Herzzentrum Huttrop und Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener
Universitätsmedizin ist mit ca. 1.700 Betten in mehr als 70 Gebäuden das
führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets: Alleine im vergangenen
Jahr behandelten unsere rund 7.900 Beschäftigten fast 70.000 stationäre
Patientinnen und Patienten. Herausragende Schwerpunkte sind die Onkologie, die
Transplantation sowie die Herz- und Gefäßmedizin: Mit dem Westdeutschen
Tumorzentrum (WTZ), einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem
Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation (WZO), ein international
führendes Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber,
Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe
verpflanzen, und dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ), in dem wir
jährlich mehr als 2.000 Operationen durchführen, hat die Essener
Universitätsmedizin eine weit über die Region reichende Bedeutung für die
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Über das WTZ
Die Onkologie bildet einen zentralen Schwerpunkt in Forschung, Lehre und
Krankenversorgung der Essener Universitätsmedizin - des UK Essen und seiner
Tochterunternehmen Ruhrlandklinik, St. Josef Krankenhaus Essen-Werden,
Herzzentrum Essen-Huttrop und Westdeutsches Protonentherapiezentrum.
Entsprechend gehören nahezu alle Kliniken und Institute am UK Essen zum WTZ. Das
Zentrum ist eines der größten Tumorzentren und das älteste Tumorzentrum in
Deutschland und bildet die Klammer um 14 hochspezialisierte Therapieprogramme
für Krebserkrankungen aller Organsysteme. Diagnosen und Therapieoptionen werden
am WTZ im Rahmen interdisziplinärer Tumorboards besprochen und durch zahlreiche
Spezialsprechstunden fachlich ergänzt. Das WTZ ist zudem auf die Behandlung
seltener Tumorerkrankungen spezialisiert und bietet modernste, personalisierte
Diagnostik- und Therapieverfahren an. Weitere Informationen zum WTZ finden Sie
unter www.wtz-essen.de.