Greenpeace Magazin

Greenpeace deckt auf: Merck beteiligt an Bio-Piraterie

    Hamburg (ots) - Der deutsche Pharmakonzern Merck profitiert nach
Recherchen des Greenpeace Magazins von einem Vertrag, mit dem das
Südsee-Königreich Tonga das Erbgut seiner Bevölkerung an die
australische Firma Autogen verkauft hat. Obwohl die Regierung von
Tonga die Existenz eines derartigen Vertrages bestreitet, bestätigte
das Chemie-Unternehmen in Darmstadt die Recherchen des Greenpeace
Magazins, das ab Freitag im Handel ist.
    
    "Merck beteiligt sich durch diese Kooperation an Bio-Piraterie",
sagt Stefan Flothmann, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. "Die
Menschen von Tonga werden zum kommerziellen Objekt, menschliche Gene
werden zum Betriebskapital erklärt. Das Vorgehen der Firma zeigt,
wie notwendig es ist, dass Patente auf Gene verboten werden."
    
    Merck Darmstadt hält 100 Prozent an der französischen Tochter
Merck-Lipha. Lipha wiederum ist mit 13 Prozent zweitgrößter
Anteilseigner bei Autogen. Die australische Biotechnikfirma hatte im
November 2000 mit dem Gesundheitsminister des Königreichs Tonga einen
Vertrag abgeschlossen, der ihr den exklusiven Zugang zur
wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzung der Gene der Bevölkerung
sichert. Nach Ansicht der Firma bieten die Tonganer einen
einzigartigen Genpool zur Erforschung von chronischen Krankheiten
wie Diabetes und Fettsucht. Offensichtlich planen die Firmen, Patente
auf die wirtschaftlich interessanten Gene anzumelden.
    
    Dem Greenpeace Magazin liegen Stellungnahmen aus Tonga vor, nach
denen dessen Bevölkerung wenig Vertrauen in die Bedingungen des
Vertrages hat. Die Inselbewohner bezweifeln sowohl, dass die
Beteiligung an den Untersuchungen freiwillig ist, als auch, dass sie
von der Forschung profitieren. Die Teilnehmer einer Konferenz im März
2001 auf Tonga, an der sich Kirchen aus dem Pazifischen Raum
beteiligten, verurteilten Patente auf Gene und Lebewesen und warnten
vor Bio-Piraterie. Auch das "Tonga Human Rights & Democracy Movement"
ist besorgt über die Entwicklung.
    
    Nach Erkenntnissen des Greenpeace Magazins agiert Autogen als eine
Art Gen-Makler. Die Firma sucht nicht nur in Tonga, sondern auch in
Tasmanien und Mauritius nach wirtschaftlich interessanten
menschlichen Genen. Zu ihren erklärten Zielen gehört es, das
kommerzielle Potential dieser Gen-Forschung soweit wie möglich
auszuschöpfen. Auch in Europa hat Autogen bereits umfangreiche
Patentanträge eingereicht, die menschliche Gene umfassen. Merck
wiederum  sichert sich über Verträge den Zugang zu den
Autogen-Genbanken. Autogen bezeichnet Merck-Lipha in diesem
Zusammenhang als wichtigsten Kooperationspartner. Greenpeace hat sich
schriftlich an die Firmenleitung von  Merck in Darmstadt gewandt und
gefordert, die Verträge sofort zu kündigen.
    
    "Die Strategie von Merck ist um so zweifelhafter, als Patente auf
Gene auch bei uns auf breite Ablehnung  stoßen. Letzte Woche haben
sich auch die Bundesärztekammer und die Spitzenverbände der
gesetzlichen Krankenkassen unserem Protest angeschlossen", erklärt
Greenpeace-Experte Flothmann.
    
    
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