Berliner Korrespondentenbüro

Politische Häftlinge in Kirgistan
Gefolterte Dissidenten im Hungerstreik
Menschenrechtler besorgt

Berlin (ots) - In Kirgistan nimmt der Hungerstreik von drei inhaftierten Dissidenten lebensbedrohliche Formen an. Außerdem leiden die politischen Häftlinge im Gefängnis des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit Kirgistans an den Folgen von Folter. Mit großer Sorge registrieren Menschenrechtler die Entwicklung des kleinen zentralasiatischen Landes.

Die Vertreterin des Komitees zum Schutz von politischen Häftlingen, Zulfiya Marat, übergab Journalisten einen Brief von drei Häftlingen, die im genannten Gefängnis einsitzen. Es handelt sich um Bektur Asanov, Kubanychbek Kadyrov und Ernest Karybekov. In dem Schreiben wird von Folterungen mit Elektroschocks an Fingern, Füßen und Geschlechtsorganen berichtet.

Außerdem befinden sich die Männer im Hungerstreik, deren Folgen ein besorgniserregendes und lebensbedrohliches Ausmaß angenommen haben. Ein Sprecher des kirgisischen Strafvollzugs teilte mit, dass die Häftlinge mittlerweile wenigstens Flüssigkeit aufnehmen, sich aber weiterhin weigern, Nahrung zu sich zu nehmen.

Die drei Männer wurden im März 2016 inhaftiert, nachdem ihnen ein manipuliertes Tonband zur Last gelegt worden war, auf dem ähnliche Stimmen zum Sturz der Regierung aufgerufen haben sollen. Diese Tonbänder sollen zuvor im Internet kursiert sein, um die Opposition zu erpressen. Wegen Verschwörung zum Staatsstreich wurden die Dissidenten für schuldig gefunden und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Karybekov soll demnach 20 Jahre, Asanov und Kadyrov sollen je zwölf Jahre hinter Gitter bleiben.

Vor kurzem wurden diese Urteile bestätigt und die Häftlinge vom Gefängnis des Staatlichen Komitees für Nationale Sicherheit in eine Strafkolonie nahe der Hauptstadt Bischkek verlegt.

Mit dem Hungerstreik wollen die Dissidenten die Wiederaufnahme ihres Verfahrens erreichen, außerdem verlangen sie den Rücktritt von Abdil Segizbae, dem Leiter des Gefängnisses.

Vor Wahlen werden immer wieder oppositionelle Kandidaten rechtzeitig von der politischen Bühne entfernt, bevor sie überhaupt antreten konnten, und landen nach umstrittenen Urteilssprüchen im Gefängnis.

Ferner kritisiert der soeben veröffentlichte Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International über die Menschenrechtslage zum wiederholten Mal, dass in Kirgistan die Versammlungsfreiheit eingeschränkt ist.

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Malte Berger, Berliner Korrespondentenbüro
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