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Thüringische Landeszeitung: Winterkorn muss weg - VW-Chef trägt Verantwortung für Skandal
Leitartikel von Nils R. Kawig zu den Abgasmanipulationen bei Volkswagen

Weimar (ots) - Martin Winterkorn muss zurücktreten. Das ist der Chef des Volkswagen-Konzerns vielen schuldig. Allen voran natürlich den Autokäufern in den USA, die durch Abgasmanipulationen betrogen worden sind, aber auch allen anderen Menschen auf der Welt, deren Gesundheit ihm und seinen Managern offenbar egal zu sein scheint.

Winterkorn steht obendrein in Verantwortung gegenüber Aktienbesitzern, denen er massive Verluste beschert hat, und gegenüber den 600 000 Mitarbeitern im Unternehmen, von denen einige um ihre Jobs fürchten müssen, sollte das VW-Image nicht nur zerkratzt, sondern nachhaltig beschädigt worden sein.

Martin Winterkorn hat gestern per Videobotschaft um Entschuldigung gebeten. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Er hat größte Transparenz bei der Aufklärung versprochen. Auch das darf man von ihm erwarten. Doch falls Winterkorn tatsächlich darauf hoffen sollte, weiterhin Chef des zweitgrößten Autobauers der Welt bleiben zu dürfen, dann hat er die Tragweite dieses Skandals nicht erkannt.

Es ist kriminell, die elektronische Motorsteuerung so zu manipulieren, dass sie auf dem Prüfstand geringere Abgaswerte erzeugt als auf den Straßen. Im Alltagsbetrieb sollen die Motoren ein Vielfaches an Stickoxiden ausgestoßen haben. Wen wundert's, dass Umweltschützer in diesem Fall von "vorsätzlicher Körperverletzung" sprechen. Wer wissentlich die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet, macht sich strafbar.

Ganz sicher ist weder die Programmierung noch der Einsatz dieser Software Martin Winterkorn anzulasten. Aber was man ihm vorwerfen muss, ist, dass Umweltschutz bei Volkswagen keine allzu große Rolle spielt. Weder bei Hybrid-, noch bei Elektromotoren hat VW entscheidende Impulse gesetzt. Da ist der Abgas-Skandal nur das i-Tüpfelchen auf eine verfehlte Unternehmenspolitik.

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