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Thüringische Landeszeitung: Faules System - Nicht nur in Ferguson ist ein Wandel nötig
Leitartikel von Katja Dörn zum Rassismusproblem in den USA

Weimar (ots) - "Brennt den Scheiß nieder!" Der Stiefvater des 2014 in Ferguson erschossenen schwarzen Jugendlichen Michael Brown findet extreme Worte. Ihm scheint es wie vielen in der US-Stadt zu gehen: Sie wollen Gerechtigkeit, egal wie.

Es ist ein US-amerikanisches Recht, das in seiner Drastik derzeit seinen Höhepunkt findet: das der Selbstverteidigung. Die Polizei nutzt den ihr umfangreich verliehenen Spielraum, um sich gegen vermeintliche Verbrecher zu schützen. Die Bevölkerung dagegen - vor allem die dunkelhäutige - verliert das Vertrauen in die Staatsbediensteten und findet ihren eigenen Weg der Verteidigung. Ihre Proteste sind nachvollziehbar. Zu lange hat sich die Aufklärung um Browns Tod hingezogen, zu lange wurde gewartet, bis jemand Konsequenzen zog. In diesem Fall der Polizeichef Thomas Jackson, der nun zurücktrat. Die Schüsse auf zwei Polizisten sind allerdings nicht nachvollziehbar. Rohe Gewalt bringt niemandem etwas. Das sollten alle US-Bürger aus den Unruhen in Los Angeles im Jahr 1992 gelernt haben. Was damals geschah, ging als bürgerkriegsähnliches Ereignis in die Geschichte ein. 53 Tote. Gewinner gab es keine.

Der Rassismus ist auch 50 Jahre nach der Einführung der Bürgerrechte nicht einfach ausgemerzt. Das zeigen nicht nur Schüsse auf schwarze Jugendliche und auf Polizisten, das zeigen auch alltägliche Diskriminierungen. Weiße verdienen immer noch deutlich mehr als Schwarze, die wiederum deutlich öfter von Polizisten kontrolliert werden. Die US-Amerikaner sollten jetzt nicht nur auf Ferguson schauen, sondern auf ihr ganzes Land und sich fragen, ob nicht drängende Veränderungen nötig sind. Besonders Präsident Barack Obama, der gerade für Schwarze als Hoffnung ins Amt kam, muss sich dem faulen System widmen. Denn ohne ein deutliches Zeichen von oben wird die rassistische Gewalt eskalieren. Die Bürger müssen wieder Vertrauen fassen in ihr Land.

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