Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Falsche Stellschraube
Kommentar von Julia Stadter zum aktuellen Cannabis-Urteil

Weimar (ots) - Niemand soll Schmerzen leiden müssen, das ist einer der Grundgedanken der Palliativmedizin. Wenn eine Linderung des Leidens durch übliche Schmerztherapien nicht möglich ist, Cannabis aber hilft, sollte keinem Menschen dieses Präparat verwehrt oder der Zugang dazu versperrt werden. Das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts schafft nun einen Präzedenzfall, der privaten Cannabis-Anbau bei chronischer, austherapierter Krankheit ermöglicht, wenn keine Behandlungsalternative besteht und das Apotheken-Cannabis zu teuer ist. Damit dreht der Richterspruch aber an der falschen Stellschraube: Wenn ein schwer kranker Mensch Cannabis braucht, um seine Schmerzen zu ertragen, dann muss dies - wie jede andere palliative Therapie - von den Krankenkassen getragen werden. Denn wenn der Schwerkranke die Droge über die Apotheke bezieht, ist eine Substanzkontrolle gewährleistet, da das Cannabis pharmazeutisch angebaut wird - und damit genauestens auf seine Wirkstoffe hin untersucht wird. Eine heimische Produktion hingegen lässt sich nur schwer kontrollieren.

Etwa 270 Menschen dürfen derzeit in Deutschland legal Cannabis konsumieren und in der Apotheke kaufen. Der humanitäre Ansatz dieses Richterspruches könnte jedoch schnell für schwarzen Handel mit Cannabis ausgenutzt werden.

Pressekontakt:

Thüringische Landeszeitung
Chef vom Dienst
Norbert Block
Telefon: 03643 206 420
Fax: 03643 206 422
cvd@tlz.de

Original-Content von: Thüringische Landeszeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Thüringische Landeszeitung

Das könnte Sie auch interessieren: