Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Kein echtes Vertrauen
Kommentar von Florian Girwert zur gelungenen griechischen Schuldenaufnahme über Staatsanleihen

Weimar (ots) - Wer hätte noch vor einem Jahr erwartet, dass griechische Staatsanleihen überhaupt jemals wieder von irgendjemandem gekauft werden? Viele werden es nicht gewesen sein, ist doch der Erwerb dieser Wertpapiere an ein erhebliches Vertrauen gegenüber dem Schuldner geknüpft. Nun muss Griechenland also nicht einmal fünf Prozent Zinsen für seine Schulden zahlen - Kassenkredite in Thüringen waren vor Jahr und Tag für die öffentliche Hand deutlich teurer.

Daraus ergeben sich zwei Schlussfolgerungen: Zum ersten zeigt sich, dass gerade unheimlich viel Geld unterwegs ist weltweit, das irgendwo angelegt werden will. Die Zentralbanken der EU, der USA und anderswo haben da ganze Arbeit geleistet - sichere Anlagen werfen deshalb praktisch kaum mehr Zinsen ab, es gibt einfach zu viele Bewerber um die sicheren Häfen.

Zum zweiten sollte man vorsichtig sein, den Run auf griechische Papiere als Vertrauensbeweis für Griechenland selbst zu sehen. Das Land kann den Kapitalmarkt nur anzapfen, weil in den vergangenen drei Jahren mehrfach die Mitglieder der Eurozone eingesprungen sind und dem klammen Südstaat aus seiner misslichen Lage geholfen haben. Anleger in aller Welt haben das zur Kenntnis genommen und gehen davon aus, dass sich die Hilfe im Zweifel wiederholt - das aber wäre eine erneute Vergemeinschaftung von Schulden, während die Gewinne aus den Anleihen selbstverständlich den Investoren zufließen.

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