Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Gurlitt und die Angst
Kommentar von Luise Schendel zur Rückgabe der Gemäldesammlung an Conelius Gurlitt

Weimar (ots) - Endlich ist es soweit! Cornelius Gurlitt erhält die Bilder zurück, die ihm tatsächlich gehören. Der Sohn des NS-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt - des seinerzeit renommierten Kunsthistorikers - kommt scheinbar mit einem blauen Auge aus der Raubkunst-Affäre heraus. Über Jahrzehnte hatte er sich nur dann und wann aus dem Schatten seiner Wohnungen gewagt, um Gemälde an den Mann zu bringen. In der Auktions-Szene war dies seit langem bekannt. Die Gleichgültigkeit dieser kunstbeflissenen Elfenbeinturm-Insassen entschuldigt das nicht. Indes: Auch Kunsthistoriker sind "nur" Menschen, und nicht jeder Experte für Dix und Picasso ist auf dem Gebiet der Provenienzforschung ein Ass. Nun hat die raue Wirklichkeit den schönen Schein der Kunstwelt aufgebrochen - und überall sprießen Forschungsstellen zur Herkunft von Kunstwerken. Die Angst der Museen vor einer bisher unentdeckten Verfehlung ist allgegenwärtig. Eine größere, reflektierende Gelassenheit - nicht Gleichgültigkeit - im Angesicht der eigenen Vergangenheit wäre darum sicherlich wünschenswert. Deshalb ist die geplante Offenlegung im Fall Gurlitt nur zu befürworten. Vielleicht schafft es die Öffentlichkeit nun endlich, sich aus ihrer Raubkunst-Verkrampfung zu lösen.

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