Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Falsches Lockmittel
Kommentar von Sibylle Göbel zum Glaubenskampf um die Verbeamtung junger Lehrer in Thüringen

Weimar (ots) - Lehrerverband und SPD sind dafür, der CDU-Finanzminister dagegen: Die Rede ist von der Verbeamtung junger Lehrer. Was sofort eine Frage aufwirft: Schielen Pädagogen am Beginn ihres Berufslebens tatsächlich als erstes auf den vermeintlich sicheren Beamtenjob? Sind sie allen Ernstes wegen einer Alimentationszulage bis zum Lebensende bereit, in ein anderes Bundesland zu wechseln?

Zweifel sind hier durchaus angebracht. Sicher, der Kampf um die besten Köpfe entscheidet sich natürlich auch am Geld. Aber doch nicht nur. Junge Leute blieben durchaus gern in Thüringen oder kehrten nach dem Lehramtsstudium nach Thüringen zurück, wenn sie denn im Schuldienst Stellen bekämen. Wenn sie die Aussicht auf verlässliche Verträge hätten, auf gute Möglichkeiten zur Weiterbildung, auf echte Perspektiven. Nach der Logik des Lehrerverbandes müssten junge Lehrkräfte scharenweise in jene Bundesländer abwandern, in denen die Verbeamtung üblich ist - tun sie aber nicht. Man muss nur einmal nach Sachsen-Anhalt schauen, wo der Lehrkräftemangel immer gravierender wird, weil Jahr für Jahr Hunderte junge Lehrer das Land verlassen - trotz Verbeamtung.

Es geschieht, weil sie keine Stellen bekommen. Und genau da liegt auch in Thüringen der Hase im Pfeffer: Wenn die Einstellungskorridore für alle Schulformen nicht schneller deutlich erhöht werden, fehlt jungen Pädagogen der wichtigste Anreiz, im Lande zu bleiben. Die Verbeamtungsdebatte geht deshalb am eigentlichen Problem vorbei, sie verschleiert es sogar.

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