Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Der Euro-Frust
Kommentar von Hartmut Kaczmarek zur CDU und Europa

Weimar (ots) - Von Europa-Begeisterung sind die Deutschen meilenweit entfernt. Sie genießen die Reisefreiheit ohne lästige Grenzkontrollen und das gemeinsame Geld - aber ansonsten ist eher Euro-Frust statt Euro-Lust angesagt. Die noch nicht ausgestandene Euro-Krise, die Milliarden-Lasten, die Deutschland dabei zu schultern hat, hat die Menschen ernüchtert.

Angela Merkel hat Deutschland bislang zwar gut durch die Krise gesteuert, aber ein Rezept gegen die wachsende Enttäuschung über Europa hat sie auch noch nicht gefunden. Und auch das Europa-Programm, das die CDU jetzt in Erfurt auf den Weg bringt, bleibt eher vage, statt konkret zu sagen, wo es künftig lang geht.

Die CDU tut gut daran, sich den realistischen Blick auf die euro-kritische Stimmungslage in der Bevölkerung zu bewahren. Mit Sorge sehen die Unions-Politiker, dass die AfD mittlerweile bundesweit nach der jüngsten ARD-Umfrage auf sechs Prozent bei den Europawahlen käme.

Hier sammeln sich die von Europa Enttäuschten, diejenigen, die die Sorge umtreibt, dass auch Deutschland irgendwann in den Sog der Krise geraten könnte. Es sind die Wähler, die von den Europa-Bekenntnissen der Vergangenheit nicht mehr viel halten, die konkrete Antworten auf ihre kritischen Fragen erwarten. Und genau diese konkreten Antworten sind die Politiker in der Vergangenheit oft schuldig geblieben.

Die CDU, aber auch die anderen Parteien, die für Europa streiten, müssen jetzt hinsehen, nicht wegschauen. Sie müssen sich von der europaseligen Rhetorik der Vergangenheit verabschieden, Probleme beim Namen nennen. Realismus ist gefragt, sonst wird der Euro-Frust wachsen.

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